Bühnenhörspieler Wolfgang Rosen mit „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ in Beeck

Von: Renate Kolodzey
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Bühnenhörspieler Wolfgang Rosen nimmt seine Zuhörer im Erzählcafé Beeck mit auf eine gruselige Reise. Leise, traurige Klaviermusik untermalt das Geschehen. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen-Beeck. Wer am Tag vor Halloween am frühen Abend das Erzählcafé Beeck betrat, konnte Gäste beobachten, die es sich im großen Speisesaal schmecken ließen. Doch schon eine Stunde später war der Raum wie verwandelt. Spärlich beleuchtet, niemand aß mehr, und die zahlreichen Besucher saßen gespannt an ihren Tischen.

Sie warteten auf Wolfgang Rosen und sein Hörspiel, den im viktorianischen London spielenden Gruselklassiker von Robert Louis Stevenson „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“.

Alles sorgsam vorbereitet

Der vierundfünfzigjährige Bühnenhörspieler aus Alsdorf, bereits Opa von Jan (4) und Tom (2) und nach eigenen Worten „verheiratet mit der Oma meiner beiden Enkel“, hatte alles sorgsam vorbereitet: die Geschichte bühnentechnisch umgeschrieben, Laptop mit Tonkollagen sowie Lautsprecher, Mikrofon, Scheinwerfer, Lesepult und Leseleuchte aufgebaut. Die unheimliche Atmosphäre der Geschichte wurde geschaffen durch verstärkende Elemente, wie dunkelrote, flackernde Kerzen, ein antikes Stundenglas, eine altertümliche Messinguhr, ein großes Tintenfass mit Schreibfeder und sogar einem schwarzen Zylinder. „Gehen Sie besser heute Abend nicht allein nach Hause und drehen Sie sich öfters mal um!“, begrüßte er sein Publikum.

"Ich hatte Angst"

Verhaltene Musik begleitete seine Worte: „Der Mensch ist nicht eine, sondern in Wahrheit zwei Personen. Wie, so frage ich Sie alle hier, wenn man sie trennte? Ich bin Dr. Jekyll, und mir gelang es, eine Tinktur zu diesem Zwecke herzustellen. In der Nacht trank ich sie. Ich hatte Angst – ich hoffe, Sie auch!“ Noch schmunzeln die Zuschauer, doch schon bald gelingt es Rosen, sie in seinen Bann zu ziehen. „Ich war plötzlich kleiner geworden, ging vor den Spiegel und sah zum ersten Mal den furchteinflößenden Mr. Hyde. Alle Menschen haben Gutes und Böses in sich.“ Hektische Klaviertöne untermalen seine Worte. Ein Rechtsanwalt, Utterson, wird misstrauisch, da sein Mandant Dr. Jekyll ein Testament verfasst hatte, welches Hyde das gesamte Erbe zuspricht – im Falle seines Ablebens oder Verschwindens. Utterson will mehr über Hyde erfahren, geht auf die Straße – man hört Pferdegetrappel und Glockenschläge einer Turmuhr – und fragt den berühmten Psychiater Dr. Lanyon. Rosen schlüpft in beide Personen, erweckt sie lautmalerisch ausdrucksstark vor dem geistigen Auge des Publikums zum Leben – mal mit rauer, kräftiger, mal mit ältlicher, leiser Stimme.

Schnelle Schritte, dumpfe Schläge

Szenenwechsel, es ist Nacht. Man hört das wilde Rauschen eines Sturmes, schnelle Schritte, dumpfe Schläge – ein bestialischer Mord geschieht. Der Mörder ist Mr. Hyde. Geheimnisvoll und verschlagen vor sich hinmurmelnd, kreiert Rosen eine Atmosphäre des Grauens. „Gönnen wir uns eine Pause“, fordert er plötzlich augenzwinkernd die Zuschauer auf, und in der kurzen Unterbrechung erzählt er, dass er die Briefe, die sonst erst am Schluss der Geschichte erscheinen und alles erklären, zwischendurch eingebaut hat, damit das Publikum die Handlung besser nachvollziehen kann. Währenddessen fühlen sich Hannah Nießen aus Dremmen und ihre Freundin Bianca Pozimski aus Alsdorf an längst vergangene Zeiten erinnert. „Eine schöne Inszenierung. Wir fühlen uns in die Kindheit zurückversetzt, wo etwas vorgelesen wurde – ein wirklich schönes Gefühl“, sind sich die beiden einig.

Selbst geschaffene Klangkulisse

Nach der Pause geht es nicht minder spannend weiter: Dr. Jekyll merkt, dass sein zweites Ich, Hyde, ihn immer mehr beherrscht. Um dies zu verhindern, will er sich umbringen. Rosen schlüpft in Jekyll, der, leichenblass, dem Anwalt Utterson seine eiskalte Hand entgegenstreckt und hervorpresst: „Man wird nie wieder von Hyde hören.“ Leise, traurige Klaviermusik unterstreicht das Geschehen. Kurze Zeit später schließt sich Hyde im Labor ein und begeht Selbstmord.

Angsteinflößend für die Gäste, die mucksmäuschenstill, teils mit geschlossenen Augen, zuhören, haucht der Künstler die Dialoge, spricht sie wie gejagt oder gar röchelnd, immer begleitet von seiner selbst geschaffenen Klangkulisse.„Der eigene Spaß steht bei mir im Vordergrund – ich versinke in der Geschichte“, verrät Rosen am Ende. Lange anhaltender, stürmischer Applaus des Publikums war der verdiente Lohn des talentierten Künstlers für dieses außergewöhnliche zweistündige Hörspielvergnügen im Erzählcafé in Geilenkirchen-Beeck.

„Unterhaltsamer Abend“

„Ich bin zum ersten Mal hier und ganz begeistert. Wolfgang Rosen macht das einfach toll“, sagt Ingrid Hilgers aus Hückelhoven nach der Veranstaltung. Und auch Barbara Fafinski, ebenfalls aus Hückelhoven, ist von dem Abend ganz angetan. „Ich fand den Abend überaus unterhaltsam, und die Geschichte war sehr gut erzählt“, sagt sie.

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