Geilenkirchen-Würm - Bücherei St. Gereon Würm muss nach 124 Jahren schließen

Bücherei St. Gereon Würm muss nach 124 Jahren schließen

Von: Dettmar Fischer
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Anne Feilen (l.) und Sibille Grundmann (r.) hatten einen Bücherflohmarkt organisiert, um den Bestand der auslaufenden katholischen öffentlichen Bücherei St. Gereon Würm an Buchliebhaber zu vermitteln. Foto: defi

Geilenkirchen-Würm. Die katholische öffentliche Bücherei St. Gereon Würm hatte schon bessere Tage – allerdings waren nicht viele so gut besucht wie einer der letzten. Kirchenvorstand und Pfarreirat von St. Gereon Würm haben das Aus für die Bücherei beschlossen. Im November 2014 war noch das 120-jährige Bestehen der Bücherei mit einem Mundartabend und einer Buchausstellung gefeiert worden.

Eine Ehrenurkunde zum 100-jährigen Bestehen datiert vom 12. November 1994. Sie wurde vom Direktor des Borromäusvereins Bonn, Erich Hodick, verliehen. Im Text der Urkunde wird darauf verwiesen, dass der Borromäusverein der Pfarre St. Gereon Würm 1894 erste Beiträge an den Zentralverein leistete und damit den Grundstein für das Entstehen einer Bücherei in Würm legte.

Die 124-jährige Geschichte der Bücherei Würm geht nun zu Ende, und es stellt sich die traurige Frage, wohin mit den vielen Büchern? Schule und Kindergarten haben schon aus dem Bestand aussuchen dürfen. Doch sind die Regale noch immer gut gefüllt. So hatte der Pfarreirat zu einem Bücherflohmarkt in das Gereonhaus eingeladen.

Die Vorsitzende des Pfarreirates, Sibille Grundmann, und ihre Vorgängerin Anne Feilen empfingen an diesem Tag viele Bürger, die der Bücherei einen letzten Besuch abstatteten. Ein Gast suchte nach Heimatkalendern und alten Bänden über seinen Heimatort Würm. Es sei schade, dass die Bücherei schließe, meinten viele. Doch viele Besucher waren in den letzten Monaten nun wirklich nicht mehr gekommen – manchmal hatte die langjährige Büchereileiterin, Hildegard Corall, die eingeschränkten Öffnungszeiten allein abgesessen.

Hildegard Corall schmerzt die Schließung „ihrer“ Bücherei, die sie zusammen mit ihrer Kollegin Hedwig Schirret über viele Jahre als Büchereiteam betrieben hatte. In den guten Zeiten, so erinnert sich Hildegard Corall, habe es noch acht Jugendliche gegeben, die regelmäßig mitgearbeitet hätten.

Zeitgeist und neue Medien

Woran es nun liegen mag, dass auch diese katholische öffentliche Bücherei schließt, lässt sich vielleicht schwerer beantworten, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Allein den Zeitgeist, das veränderte Freizeitverhalten und die neuen Medien verantwortlich zu machen, wäre vielleicht etwas zu kurz gedacht?

Hildegard Corall hat das Bibliothekswesen im Bistum Aachen in den 1970er Jahren kennengelernt. Damals hatte sie eine Stelle in der Buchhaltung der Regionalstelle, die damals noch in Erkelenz ansässig war, angenommen. Dekan Arnold Poll war ihr Vorgesetzter gewesen und hatte die Meinung vertreten, dass, wer bei der Kirche arbeitet, doch auch ein Ehrenamt bekleiden sollte.

„Ja gut“, hatte Hildegard Corall damals zum Prälaten gesagt, „ich habe als 17-jähriges Mädchen mal in einer Bücherei geholfen.“ Es folgten Seminare und eine Ausbildung zur Mitarbeiterin in der kirchlichen Büchereiarbeit. Von den hundert Pfarren in den Kreisen Erkelenz und Geilenkirchen-Heinsberg hätten damals etwa ein Drittel Büchereien besessen, erinnert sich Corall.

Der Borromäusverein war für sie eine wichtige Anlaufstelle. Der Verein war 1845 gegründet und nach dem italienischen Theologen Karl Borromäus benannt worden. Er fungiert als katholische Medieneinrichtung mit Sitz in Bonn. Hildegard Corall: „Damals gab es noch abgeschlossene Schränke in den Büchereien, da konnte man noch lange nicht jedes Buch ausleihen.“ Dies wurde wie so vieles mit den Jahren anders.

„Eine Bücherei kann nur da gelingen, wo es einen ansprechenden Raum gibt“, hatte Hildegard Corall im Laufe ihrer Jahre als Bibliothekarin, in denen sie viele Büchereien der Region kennenlernte, festgestellt. Sie fügt hinzu: „Und die Gremien der Pfarre müssen dahinterstehen.“

Zeitintensive Angelegenheit

So wie das Lesen war auch das Zurechtmachen der Bücher für die Ausleihe eine zeitintensive Angelegenheit. Jedes neue Buch musste erfasst, beschriftet und eingebunden werden, bevor es im Regal seinen Platz fand.

Die Weihnachtsbuchausstellungen waren ein Höhepunkt des Büchereijahres. Es kam wohl nicht von ungefähr, dass Hildegard Coralls Liebe zum Wort sich auch im Bewahren von schriftlichen Aufzeichnungen ausdrückte. Zusammen mit Hedwig Schirret legte sie die Chronik der Pfarrgemeinde St. Gereon Würm an, die heute 20 Aktenordner umfasst und Zeitungsausschnitte sowie Handzettel von Vereinen und Gruppen zu deren Veranstaltungen im Ort beinhaltet. D

ie Liebe zum Buch hatte sicherlich ihr Lehrer Peter Märtens in Hildegard Corall geweckt. Seinen Satz „Hildegard, hol doch mal Dein Buch“ hat sie bis heute nicht vergessen. Und auch wenn „ihre“ Bücherei nun schließt, sagt Hildegard Corall: „Ich bin auch heute noch der Meinung, dass man Kindern lieber ein Buch anstatt eines Handys geben sollte. Die Sprache ist doch das Tor zur Welt.“

 

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