Buchungen in die Türkei sind rückläufig, aber nicht eingebrochen

Von: Marie Eckert
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Anhänger des umstrittenen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan im April dieses Jahres in Antalya: Trotz der stürmischen politischen Großwetterlage ist der Flughafen der türkischen Metropole der von deutschen Urlaubern am häufigsten als Reiseziel ausgewählte. Foto: imago/Depo Photos
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Lara Weiler vom Tui-Reisecenter Geilenkirchen hat einen Anstieg bei den Türkeireisen zum Ende des Jahres 2016 und zu Anfang dieses Jahres feststellen können. Der Preis spielt dabei auch eine Rolle. Foto: Marie Eckert

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Viel Strandurlaub für wenig Geld: Lange Zeit stand die Türkei genau dafür. Doch die Unruhen und die politische Lage haben einiges verändert. Schon länger hat das Auswärtige Amt in einem Sicherheitshinweis diejenigen Reisenden zur Vorsicht ermahnt, die die Türkei nicht zu touristischen Zwecken besuchen wollen.

Vor einigen Tagen wurde dieser Hinweis überarbeitet: Auch Menschen, die aus privaten Gründen in das Land reisen möchten, sollen nun Vorsicht walten lassen – also auch Urlauber.

Wichtig ist, dass es sich lediglich um einen korrigierten Sicherheitshinweis handelt, nicht um eine Reisewarnung. Erst bei dieser höchsten Eskalationsstufe werden kostenlose Stornierungen oder eine kostenfreie frühere Abreise aus dem Urlaubsland möglich, vorher tragen die Reisenden die Kosten, erklärte Elisabeth von Helden vom Reisebüro „Selfkant-Reisen“ in Geilenkirchen.

Individuelle Entscheidung

Generell verzeichne das Reisebüro aber schon das ganze Jahr über eine höhere Zurückhaltung für Reisen in die Türkei als in den vergangenen Jahren 2015 hätten die Besucherzahlen sowieso noch viel höher gelegen. „Wir haben allerdings nach wie vor preisbewusste Kunden, die die Küstenregionen bereisen“, sagte von Helden. Das sei eine ganz individuelle Entscheidung. „Alle unsere Kunden, die momentan die Türkei bewusst nachfragen, haben die aktuelle Lage im Blick.“

Das seien vor allem Gäste, die schon lange in der Türkei Urlaub machten und dementsprechend Reiseerfahrung mitbrächten. „Allgemein ist das Reiseverhalten in die Türkei aber gerade sehr unterschiedlich und zwiegespalten“, betont sie. Und: Pünktlich zu den Sommerferien seien die Preise wieder angestiegen, ein günstiger Last-Minute-Urlaub in die Türkei ist also nicht so einfach, wie manche vielleicht denken.

Ein ähnliches Bild ergibt sich im Geilenkirchener „Tui-Reisecenter“. „Die guten Hotels und Flüge für die Sommerferien sind ausgebucht, es ist also nicht mehr so günstig, wie viele es momentan erwartet haben“, sagt Lara Weiler vom Reisecenter.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr verbuchte das Reisebüro einen Anstieg bei den Türkeiurlauben. „Nach dem Putschversuch sind die Zahlen eingebrochen, gegen Ende des Jahres und Anfang dieses Jahres sind sie dann wieder angestiegen.“

Nach dem überarbeiteten Sicherheitshinweis hätte sie zwei, drei Anrufe von verunsicherten Kunden bekommen, die jedoch mit den Infos des Auswärtigen Amts beruhigt werden konnten. Umgebucht oder storniert hätte niemand. „Für viele Familien spielt der Preis eine Rolle, so dass eben doch in die Türkei geflogen wird“, sagt Weiler. „Es ist so, wie vorher – die Hälfte sagt ‚ja‘ zum Urlaub in der Türkei, die andere nicht.“

Vor allem Familien mit Kindern seien vorsichtig, weiß Brigitte Obringer vom „Reiseland Geilenkirchen“ aus Erfahrung. Umbuchungen gab es aber auch bei ihr nicht: „Die Leute sind sich darüber im Klaren.“ Trotzdem sieht auch sie seit dem Putschversuch einen starken Rückgang. „Es gibt nach wie vor Türkeireisende, aber deutlich weniger.“

Petra Offermanns vom Reisebüro „Holiday“ in Übach-Palenberg hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Die Kunden wollen schon noch dahin, wir haben auch schon Urlaubsplanungen für den September.“ Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Türkei sei nicht zu schlagen. „14 Tage Türkei sind eben nur zehn Tage Kanaren“, sagt sie, aber auch im Reisebüro „Holiday“ gelte: Seit 2016 seien die Zahlen stark rückläufig.

Keine Städtereisen

Anders sieht es beim Reisebüro „Wölfel/Knauber“ in Übach-Palenberg aus: „Wir haben gar keinen Rückgang zu verzeichnen – alle, die bisher gefahren sind, fahren auch immer noch dorthin in den Urlaub“, betont Monika Wölfel. Sogar Neukunden, die sich für Urlaube in der Türkei interessieren, gebe es. „Es buchen auch schon Leute für die Herbstferien.“ Auch sie sieht keinen Preisrückgang für die Türkei in der Ferienzeit.

Zweierlei Dinge sind bei allen genannten Reisebüros gleich: Es werden absolut keine Städtereisen gebucht, Istanbul ist für Urlauber nicht attraktiv. Und die Alternative schlechthin ist Spanien. „Da ist inzwischen alles ausgebucht – so kommen die Leute dann doch wieder auf die Türkei“, sagt Wölfel.

Auch die deutschlandweiten Zahlen sprechen gegen einen kompletten Einbruch der Türkeireisen. „Traveltainment“, Würselener Spezialist und Marktführer für Reisebüro-Buchungssoftware, erhebt monatlich, welche Flughäfen deutsche Reisebürokunden, sowohl im Netz als auch in den Filialen, für Pauschalreisen am häufigsten gebucht haben. Die Zahlen decken einen sehr hohen Anteil des Marktes ab, sind also repräsentativ. Und sie sagen: Auf Platz eins für den Juni steht Antalya mit einer Steigerung von fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, dicht gefolgt von Palma.

Eine Auswertung des Buchungs-Portals „Ab-in-den-Urlaub“ zeigt, dass Spanien, die Türkei und Griechenland deutschlandweit zu den beliebtesten Urlaubszielen zählen. Ausgewertet wurden alle Buchungen ab sieben Tagen. In NRW steht Antalya an der Spitze – ob der korrigierte Sicherheitshinweis daran etwas ändert, wird sich in den Statistiken der kommenden Monate zeigen.

Das Auswärtige Amt zumindest weist darauf hin, dass an den touristischen Reisezielen entlang der Mittelmeerküste bislang „keine sicherheitsrelevanten Ereignisse gemeldet worden sind, bei denen ausländische Touristen zu Schaden gekommen sind.“

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