Buch versus E-Book: Ersetzt das digitale das gedruckte Wort?

Von: Jan Mönch
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Dem Buch verschrieben: Die Buchhändlerinnen Stephanie Löschner (oben links) und Kathrin Herzig (oben rechts) bieten E-Books bereits an, die Bibliothekarinnen Antonia Zaharanski und Nadine Sadlowski (unten, von links) bald auch. Sie alle glauben, dass das Gedruckte dem Digitalen seine Grenzen aufzeigt. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Glaubt man dem Börsenverein Deutscher Buchhandel, dann führt in Zukunft kaum noch ein Weg am E-Book vorbei. Die Technologie breite sich „dynamisch“ aus, die wenigsten Akteure auf dem Buchmarkt planten noch ohne das digitale Buch, heißt es in einer Studie.

Was sagen die, die von Berufs wegen täglich mit dem gedruckten – oder eben dem digitalen – Wort zu tun haben? Wir haben zwei Bibliothekarinnen und zwei Buchhändlerinnen an ihren Arbeitsplätzen besucht. Keine von ihnen verschließt sich dem E-Book. Doch dass althergebrachte Bücher bald nur bessere Fliegenklatschen sind, glauben sie nicht.

Buchhandlung Papiertiger, Übach Palenberg: Inhaberin Stephanie Löschner bezeichnet die Nachfrage nach E-Book-Readern als „verhalten“. Ein Adjektiv, das sich in diesem Fall von „nicht vorhanden“ nur geringfügig unterscheidet. Ein einziges Modell wird an der Straße geführt, und dieses hat sie bislang keine zehn Mal an den Kunden gebracht. Was Lesestoff betrifft, mache die Nachfrage gegenüber dem traditionellen Buch weniger als ein Prozent aus.

Keine Frage: Über einen neuen Namen wird Löschner sich mittelfristig keine Gedanken machen müssen, im Papiertiger kaufen die Leute das, was der Name verspricht – Papier. Wer will, kann natürlich dennoch Digitales statt Gedrucktes erwerben. Löschner gibt aber zu, dass es ihr aus unternehmerischer Sicht ohnehin lieber ist, wenn die Kunden zu letzterem greifen: Die Gewinnmargen seien beim E-Book gering.

Weil in die Technik zurzeit noch fleißig investiert werde, falle für ihresgleichen wenig ab. Daran ändere auch die Buchpreisbindung (siehe Zusatzbox links) nichts. Privat besitzt Löschner schon die technische Ausstattung zum digitalen Schmökern. „Wenn ich auf so einen Bildschirm gucke, habe ich aber immer das Gefühl, ich wäre bei der Arbeit. Entspannen kann ich nur mit einem gedruckten Buch.“ Ihre Prognose: „Die Nachfrage wird sich langfristig bei 20 bis 30 Prozent einpendeln und vor allen Dingen den Fachbuchbereich betreffen.“

Buchhandlung Lyne von de Berg, Geilenkirchen: Maximal 20 Prozent der Kunden sind prinzipiell am E-Book interessiert, hat Inhaberin Kathrin Herzig festgestellt – immerhin. Die konkreten Nachfragen fielen aber geringer aus. Der typische Interessant bewege sich alterstechnisch zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr. Ältere, aber auch jüngere Kunden seien da zurückhaltender.

An Readern hat sie genau wie Stephanie Löschner ein Modell im Angebot, auch habe sie schon den einen oder anderen an den Kunden gebracht. „So einen Reader kauft man wohl eher im Großmarkt oder bestellt im Internet.“ Überhaupt, das Internet. Amazon hat einen eigenen Reader auf den Markt gebracht, auf dem sich nur E-Books lesen lassen, die – genau – bei Amazon erworben wurden.

Auch so kann man sich die Konkurrenz vom Leib halten. Erfreulich findet Kathrin Herzig das natürlich nicht. „Aber wie soll man sich da schon wehren.“ Ohnehin glaubt auch sie nicht, dass die Branche dem E-Book langfristig auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist: „Es wird prozentual noch zulegen. Das gedruckte Buch aber wird nie wegzudenken sein.“

Stadtbücherei Geilenkirchen: Einen Vorteil, da wird noch der größte Technikmuffel zustimmen, haben elektronisch ausgeliehene Bücher in jedem Fall: Ist die Rückgabefrist abgelaufen, wird der Artikel automatisch unbrauchbar. Hinters Bett rutschen und dort vergessen werden kann ein digitales Buch nicht. Antonia Zaharanski, Leiterin der Geilenkirchener Stadtbibliothek, hat sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt.

Gemeinsam mit zehn weiteren Bibliotheken aus der Region bietet sie ab dem Frühjahr E-Books an – ein Projekt, dem die Kreissparkasse erst jüngst 4000 Euro beischoss. Privat aber widmet Zaharanski sich nach wie vor lieber dem gedruckten Wort, einen Reader besitzt sie nicht.

Weiter ist da ihre Kollegin Nadine Sadlowski. Privat macht sie es sich gern mit einem guten Fantasyroman bequem. Da die Autoren des Genres bevorzugt dicke Wälzer publizieren, liegt der Vorteil der neuen Technologie nicht nur auf der Hand, sondern vor allen Dingen leicht und griffig in derselben, hat Sadlowski festgestellt.

Die Ausleihzahlen in der Bibliothek sind rückläufig. Kam man vor nicht allzu langer Zeit noch auf 150.000 Ausleihen pro Jahr, liegt man nun bei unter 100.000. Eine Entwicklung, für die die beiden Bibliothekarinnen ausdrücklich nicht die Digitalisierung verantwortlich machen, sondern die im Rahmen der Haushaltssicherung angehobenen Gebühren.

Wegen der Digitalisierung macht man sich in der Martin-Heyden-Straße keine Sorgen. Nach wie vor werde die Bibliothek als Treffpunkt geschätzt, der Beratungsbedarf sei im Vergleich zu früher sogar eher noch gestiegen.

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