Buch über den Westwall: „Die Nachhut riss alles aus den Schränken”

Von: mabie
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Zur Buchpräsentation begrüßte Vizebürgermeister Peter Fröschen (l.) den in Kaarst lebenden Autor Dr. Wingolf Scherer. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Der Westwall: 630 Kilometer Länge, Bauzeit von 1938 bis 39 und ein System von mehr als 15.000 Bunkern. Mit diesem Thema, das im Zweiten Weltkrieg einige Bedeutung hatte, setzte sich auch die Buchvorstellung „Westwall 1944/45” auseinander, die rund 50 Gäste in der ehemaligen Lohnhalle des Carolus-Magnus-Centrums (CMC) interessiert hatte.

Eingeladen und organisiert hatte die Präsentation mit Autor Dr. Wingolf Scherer der bekannte Heimatspezialist Jürgen Klosa. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, der an diesem Abend von Peter Fröschen vertreten wurde, stellte Wingolf Scherer aus Kaarst nicht nur das Buch vor. Ausdrücklich hatte er an diesem Abend auch Zeitzeugen eingeladen, mit denen eine rege Diskussion stattfand.

Das 82-seitige Buch beschäftigt sich vor allem mit dem Mythos Westwall. „Das Thema ist immer noch lebendig, obwohl das Kriegsende schon 75 Jahre zurück liegt”, erklärte der stellvertretende Bürgermeister Peter Fröschen zu Beginn. Wie lebendig das sein kann, erklärte Wingolf Scherer auch anhand eigener Erlebnisse, schließlich erlebte er selbst als Soldat den Zweiten Weltkrieg.

Da aber auch die Kriegshandlungen innerhalb der Stadtgrenzen von Übach-Palenberg im Blickpunkt des Interesses standen, ließ er auch im Buch genannte Zeitzeugen aus der damaligen Zechengemeinde zu Wort kommen. Da heißt es unter anderem in einem Augenzeugenbericht von Heimatautor Reinhold Esser, dass die anrückenden amerikanischen Truppen bei ihren Auseinandersetzungen mit der Wehrmacht ein wahres Trümmerfeld hinterließen.

„In den Wohnungen haben die Amis ganze Arbeit geleistet. Es war nicht die kämpfende Truppe, die hatte keine Zeit dazu, sondern die erste Nachhut hatte alles aus den Schränken gerissen und in den Zimmern verstreut”, so Zeitzeuge Esser. Aber nicht nur Zerstörung und Chaos, sondern auch das unsichere Leben in der von der Frontlinie zerstörten Stadt wurden hautnah geschildert.

„Was wir in den Unterständen, die wohnlich eingerichtet sind, alles finden, ist unglaublich”, so Reinhold Esser weiter. Lebensmittel, Süßigkeiten und Zigaretten waren für den damals Jugendlichen in unvorstellbaren Mengen gelagert.

Doch nicht nur Darstellungen deutscher Soldaten und Zeitzeugen, sondern auch Protokolle aus amerikanischer Sicht sind in dem vom Verlag „Helios” aus Aachen herausgegebenen Werk zu finden. In größere Zusammenhänge eingebettet, aber auch von Details wie den 80 heranrückenden amerikanischen Panzern zwischen Frelenberg und Marienberg begleitet, ergibt das Buch einen hautnahen Eindruck der damaligen Verhältnisse.

Eindringlich geschildert wird auch das Leben und Erleben in den Bunkern, die verteidigt, erobert und auch zurückerobert wurden. Und auch das Dasein der bis zur naherückenden Front leerstehenden Bunker als Notunterkunft für Zivilisten findet hier seinen Platz.

Abgerundet wurde der nicht nur militärhistorisch sehr interessante Abend noch durch eine Darstellung des Kampfes um Aachen, der nicht zuletzt durch den Bruch des Westwalls bei Übach-Palenberg möglich war und der US-Armee am 24. Oktober 1944 die Übernahme der Kaiserstadt ermöglichte.
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