Bronzetafel hält die Erinnerung an Anita wach

Von: g.s.
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Rabbiner Mordechai Bohrer (l.)
Rabbiner Mordechai Bohrer (l.), Hausbesitzerin Danuta Sawizki (r.), Christa Nickels und Schulleiter Uwe Böken (3.v.r.).) wohnten der Feierstunde aus Anlass der Einweihung der Gedenktafel bei. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Wir bringen Anita Lichtenstein dorthin zurück, wo sie gelebt hat”, sagte Uwe Böken mit Blick auf das Wohnhaus der jungen Geilenkirchenerin, die nur aufgrund ihrer jüdischen Abstammung im Alter von zehn Jahren von den Nazis im Konzentrationslager umgebracht wurde.

Die Geilenkirchener Anita-Lichtenstein-Gesamtschule ruft den Namen der Jüdin in Erinnerung und trägt somit dazu bei, dass die grauenvollen Ereignisse unter dem Hitler-Regime nicht in Vergessenheit geraten. Nun erinnert auch eine von Metallbauer Heinz Thelen gefertigte und gestiftete Bronzetafel am ehemaligen Wohnhaus der Familie Lichtenstein in der Martin-Heyden-Straße 1 an die kleine Anita.

Bei einer teilweise emotionalen Feierstunde im Beisein von Mordechai „Max” Bohrer, dem Rabbiner der jüdischen Gemeinde Aachen, und Bürgermeister Thomas Fiedler sowie Schülern, Lehrern und Eltern ging Schulleiter Uwe Böken auf das kurze Leben der am 11. April 1933 im Geilenkirchener Krankenhaus geborenen Anita Lichtenstein ein, die im Alter von fünf Jahren zusammen mit ihren Eltern in der Pogromnacht 1938 aus ihrem Haus in Geilenkirchen vertrieben wurde.

Puppe als Erinnerungsstück

Augenzeugin Elfriede Görtz, Freundin der Familie Lichtenstein wohnte der Zeremonie ebenfalls bei. Bis vor wenigen Monaten befand sich die Puppe von Anita Lichtenstein im Besitz von Elfriede Görtz, bis sie das Erinnerungsstück der Gesamtschule als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Dafür dankte Uwe Böken noch einmal ausdrücklich in seiner Ansprache und verwies auch auf das Schulfest im Juli, wo ein postfrischer Sonderstempel von dieser Puppe herausgegeben wird. „Wir freuen uns, hier das fortsetzen zu können, was wir 1993 begonnen haben”, sagte Böken mit Blick auf den Beginn der Aktivitäten um die Bewahrung des Andenkens von Anita Lichtenstein ein. „Wir müssen das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte sichtbar machen und das Andenken bewahren”, mahnte auch Bürgermeister Thomas Fiedler. Er dankte Hausbesitzerin Danuta Sawizki, dass sie die Erlaubnis zum Anbringen der Bronzetafel gegeben habe. „Hier haben wir ein wunderbares Aufeinanderzugehen”, stellte Fiedler das gemeinsame Handeln aller Beteiligten heraus. Die ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin Christa Nickels verwies darauf, dass Geilenkirchen eine der größten jüdischen Gemeinden in der Region beherbergte. Nickels leitet das „Aktionsbündnis Erinnerung”, das die Geschichte der Juden in Geilenkirchen aufarbeitet. Der Instrumentalpraktische Kurs der Gesamtschule unter Leitung von Maria Slagboom mit dem Bläserquartett David Große, Sander Liebig, Gert Lingner und Oliver Sauren brachte das „Coro” von Händel zu Gehör. Maren Schäfer las eine Strophe aus dem von Oberstufenleiter Guido Beisner komponierten Lied „Hey Anita machs gut”, bevor Rabbiner Bohrer ein Gebet in Jüdisch und Deutsch sprach.

Die Vergangenheit kennen

„Diese Veranstaltung berührt mich sehr. Um eine bessere Zukunft zu gestalten, ist es wichtig, die Vergangenheit zu kennen und zu bewahren”, so der Rabbiner. Der katholische Pfarrer Christian Mengen bildete mit einem Gebet den Schluss der Feierstunde vor dem ehemaligen Wohnhaus von Anita Lichtenstein.
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