„Brauchen wir die Nato noch?”

Von: Markus Bienwald
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Universitätsprofessor Ralph Rotte von der RWTH Aachen sprach auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg, über die Frage, ob die Nato noch gebraucht werde. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Auf die provokante Frage „Brauchen wir die Nato noch?” hatte Universitätsprofessor Dr. Ralph Rotte bei seinem Vortrag eine klare Antwort: „Ja, wir brauchen die Nato noch, aber wichtiger ist, wie sie morgen aussehen soll.” Viele Argumente hörten die Gäste dieses Vortragsabends im Bürgersaal des Hauses Basten an der Konrad-Adenauer-Straße.

Eingeladen dazu hatte die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg, in enger Kooperation mit der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg. Sektionsleiter Herbert Wölfel spielte Professor Rotte den Ball mit seiner These zu, dass die aktuelle Grundausrichtung des transatlantischen Bündnisses aus dem Jahr 1998 stammt.

Aus einer Zeit also, in der weder der von den USA ausgerufene globale Krieg gegen den Terror noch der Krieg in Afghanistan eine Rolle spielten. Rotte, Politikwissenschaftler an der RWTH Aachen und zugleich Volkswirt, hat sich durch zahlreiche Veröffentlichungen im Bereich der Sicherheitspolitik bereits einen Namen gemacht.

Und sein gut einstündiger Vortrag war nicht nur mit Argumenten gespickt. Charismatisch schilderte Dr. Rotte beispielsweise, dass das Ende des Kalten Krieges und die Wiedervereinigung Deutschlands die Nato zunächst grundlegend infrage gestellt hätten.

Der Wegfall des Hauptfeindes UdSSR, die Fokusverschiebung der USA und die Rolle der USA, damit hatte Rotte schon drei Merkmale beisammen, mit der sich die Nato seit einigen Jahren auseinandersetzen muss. „Dazu kommt, dass man nichtstaatliche Gegner wie Terrorgruppen bekämpft, obwohl die Ausrichtung der Nato klar auf staatliche Gegner abzielt”, fasste er die Ausgangslage zusammen.

Eine USA, deren Militäretat alleine größer sei als der gesamte Bundeshaushalt in Deutschland, komme noch hinzu. „So haben die Europäer im Augenblick nichts, was sie den amerikanischen Dronen entgegenstellen können”, stellte der Referent fest.

Dass die Europäische Union wie auch die Vereinten Nationen keine Alternativen zu einer reformierten Nato sein könnten, stellte er ebenso klar heraus. So leide die EU darunter, kein Verteidigungsbündnis zu haben, dazu sei sie strukturell darauf ausgelegt, die Nato zu stützen, nicht zu ersetzen.
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