Brandstifter halten Feuerwehr in Atem

Von: Udo Stüßer
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88 Mal wurde die Geilenkirchener Feuerwehr im vergangenen Jahr zu einem Brand gerufen, wie hier auf unserem Bild in Bauchem. Ein Großbrand taucht in der Bilanz für das Jahr 2015 nicht auf. Foto: Udo Stüßer
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In 195 Fällen wurden die Feuerwehrleute für technische Hilfeleistungen gerufen, beispielsweise zur Beseitigung von Kraftstoffen nach Unfällen. Bei dem Einsatz in Teveren (unser Bild) musste Klärschlamm beseitigt werden. Foto: Jan Mönch
Feuerwehr Armin Pennartz
Er legt großen Wert auf Aus- und Fortbildung: Armin Pennartz, stellvertretender Feuerwehrleiter. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Wenn Armin Pennartz am frühen Morgen die Geilenkirchener Filiale der Kreissparkasse Heinsberg an der Konrad-Adenauer-Straße betritt, ist er mit einem dunklen Anzug bekleidet. Für den Filialleiter ist das ebenso wie für seine Mitarbeiter eine Selbstverständlichkeit.

In seinem Auto liegt allerdings stets eine Feuerwehruniform bereit. Denn das erklärte Ziel des stellvertretenden Leiters der Geilenkirchener Feuerwehr ist, ebenso wie seine Kameraden im Falle einer Alarmierung innerhalb von acht Minuten am Einsatzort zu sein. „Das gelingt uns in etwa 90 Prozent aller Fälle.

100 Prozent schafft auch eine hauptamtliche Feuerwehr nicht“, sagt der Stadtbrandinspektor und fügt hinzu: „Man kann froh sein, dass die Arbeitgeber der Feuerwehrleute so etwas mitmachen. Ihnen muss man für ihr Verständnis danken.“

Zur richtigen Zeit mit dem richtigen Personal am richtigen Ort sein: Das ist die Devise von derzeit 231 Feuerwehrleuten der Einsatzabteilung, davon sind neun Frauen. Aufgeteilt sind die aktiven Einsatzkräfte in zehn Löscheinheiten, ergänzt wird die Geilenkirchener Wehr von 38 Mitgliedern der Jugendfeuerwehr und 142 Wehrleuten der Ehrenabteilung. In die Ehrenabteilung überstellt werden die Wehrleute, die das 60. Lebensjahr überschritten haben.

„Personell und sächlich hat sich die Geilenkirchener Feuerwehr top entwickelt, wir sind auf einem sehr guten Stand“, sagt Pennartz und lobt bei der Gelegenheit die Stadt Geilenkirchen, die die Wehr mit allen Kräften unterstützt.

Das tut sie aber auch aus gutem Grund: Aufgrund des Leistungsstandes erteilt die Bezirksregierung der Stadt seit Jahren schon eine Ausnahmeregelung, durch die sie keine hauptamtlich besetzte Feuerwehrwache vorhalten muss. Für eine Stadt in der Größenordnung von Geilenkirchen ist eine hauptamtlich besetzte Wache eigentlich Vorschrift. Laut Angaben der Stadt können so im Jahr rund 500.000 Euro eingespart werden.

„Es ist unser erklärtes Ziel, dass es auch in den nächsten Jahren so bleibt. Daran arbeiten wir, dafür tun wir alles“, so Pennartz. Dafür bedarf es allerdings großer Anstrengungen. Sicherlich ist die Geilenkirchener Wehr personell gut aufgestellt. Allerdings ist die Zahl der Einsatzkräfte in den vergangenen sechs Jahren um 30 gesunken. Der demografische Wandel trägt zu diesem Schwund bei.

An 365 Tagen im Jahr

„Heute hat ein Ehrenamt in der Feuerwehr nicht mehr so den Stellenwert, wie es früher der Fall war“, hat Pennartz festgestellt. „Schließlich handelt es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit 24 Stunden am Tag und das an 365 Tagen im Jahr. Wenn wir nicht dauerhaft unsere Alarmierungsquote erreichen, werden wir eine hauptamtliche Wache vorhalten müssen“, erklärt Pennartz.

Deshalb sei es Aufgabe der Stadt und der Verantwortlichen der Wehr, durch ständige Aus- und Fortbildung weiterhin die gewohnte Qualität zu gewährleisten. Deshalb rührt auch die Jugendfeuerwehr bereits kräftig die Werbetrommel, ob auf Facebook, auf ihrer Homepage oder bei öffentlichen Veranstaltungen.

„Von den fünf in der Einsatzabteilung neu aufgenommenen Mitgliedern kommen vier aus unserer Jugendfeuerwehr. Von den neu Zugezogenen engagiert sich kaum einer in der Feuerwehr“, bedauert Pennartz mit Blick auf die zahlreichen Neubaugebiete. Eine große Unterstützung ist die Verwaltungsstaffel: Acht Mitarbeiter der Stadtverwaltung, ausgebildete Feuerwehrleute aus verschiedenen Kommunen, unterstützen tagsüber die zuständigen Löscheinheiten. Deshalb ist ständig ein Löschgruppenfahrzeug am Rathaus stationiert.

295 Einsätze hatte die Geilenkirchener Feuerwehr im vergangenen Jahr, 42 mehr als 2014. 88 Mal rückten die Wehrleute zu Bränden aus, zwölf Einsätze wurden aufgrund von Fehlalarmierung oder einer nicht notwendigen Alarmierung durch Brandmeldeanlagen gefahren.

In 195 Fällen wurde die Feuerwehr für technische Hilfeleistungen gerufen, beispielsweise zur Beseitigung von ausgelaufenen Kraftstoffen nach Unfällen. Bei fünf Unfällen mussten eingeklemmte Personen aus ihren Fahrzeugen befreit werden. 36 Sturm- und Wassereinsätze und drei Notrufe bei Gasgeruch sind ebenfalls in der Jahresbilanz der Geilenkirchener Feuerwehr aufgelistet.

18 Mal rückten die Wehrleute aus, weil sich hilflose Personen hinter verschlossenen Türen befanden, die die Feuerwehrleute aufbrechen mussten. In einigen Fällen leistete die Wehr der Polizei Amtshilfe, wenn es beispielsweise um das Ausleuchten der Straße nach einem Unfall ging. „Bei all diesen Einsätzen wurden nur vier Feuerwehrkameraden leicht verletzt“, sagt Pennartz.

31 Brände mehr

Mit 88 Bränden verzeichnete die Feuerwehr im vergangenen Jahr 31 Brände mehr als im Vorjahr. „Das war überwiegend Brandstiftung. Von Mai bis Juli brannten Strohballen auf den Feldern, Strohmieten und Anhänger mit Stroh. Alleine im Juli und August kamen wir auf 84 Einsätze. Das heißt, wir waren mindestens einmal am Tag im Einsatz“, so Pennartz.

Dass man als Feuerwehrmann hochmotiviert sein und auch Leistung bringen muss, zeigt alleine schon die Ausbildung. Um aktiv an der Brandbekämpfung teilnehmen zu können, muss man zumindest die aus vier Modulen bestehende Grundausbildung und den Geräteträgerlehrgang absolviert haben.

Die Grundausbildung umfasst mehr als 150 Stunden, der Geräteträgerlehrgang 35 Stunden. „Dazu kommen noch theoretische und praktische Prüfungen, dafür muss gelernt werden. Da kommen Stunden ohne Ende zusammen“, sagt Pennartz.

Der 51-Jährige ist bereits seit 31 Jahren mit Leib und Seele Feuerwehrmann. Im Februar startet übrigens eine neue Grundausbildung, aber auch ein Maschinistenlehrgang und ein Gerätewartlehrgang werden in diesem Jahr angeboten.

Auch auf die Fortbildung ihrer Kollegen legt die Leitung der Geilenkirchener Feuerwehr großen Wert: In diesem Jahr bietet sie ein Fahrsicherheitstraining mit einem geschulten Polizeitrainer und ein Training für Atemschutzgeräteträger im Trainingszentrum der Feuerwehr Südlimburg an. „Durch unsere Aus- und Fortbildung wollen wir auch in Zukunft Qualität gewährleisten“, sagt Pennartz.

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