Brand in St. Marien erfordert aufwendige Sanierung

Von: Robert Baumann
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Nach dem Brandanschlag wird die Kirche St. Marien jetzt saniert. Das Innere des Gotteshauses gleicht momentan einer riesigen Baustelle. Fotos (6): Robert Baumann Foto: Robert Baumann
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Sind mit der Restaurierung betraut: Die Architekten Axel Maria Schlimm (links) und Mathias Paulssen.

Geilenkirchen. Das Innere der Kirche St. Marien im Zentrum von Geilenkirchen gleicht momentan einer Großbaustelle. Der gesamte Kirchenraum ist mit Gerüsten ausgestellt, die Bänke sind weg, Kirchenfiguren stehen wie Geister in Schutzfolie verpackt an den Seiten.

Ein Berühren der Wände lässt die Finger schwarz werden. Und nicht nur dort. Der Ruß hat sich im ganzen Gotteshaus breit gemacht. Vor allem die Orgel ist stark verschmutzt. Doch das ist nicht alles. „Es gibt giftige Rückstände“, erklärt Axel Maria Schlimm. Der Aachener Architekt ist gemeinsam mit seinem Partner Mathias Paulssen für die Sanierung der Kirche verantwortlich. „Wir müssen die ganze Kirche einmal komplett durchsanieren und neu streichen“, sagt Schlimm. Das Architekturbüro Paulssen und Schlimm ist auch mit der Restaurierung der Citykirche St. Nikolaus in Aachen betraut, die ebenfalls durch ein Feuer teilweise zerstört wurde.

Beichtstuhl in Flammen

In St. Marien hatte im März dieses Jahres ein Brandstifter den Beichtstuhl in Flammen aufgehen lassen. Eine Woche später verübten Unbekannte in den beiden Pfarrkirchen St. Johann Baptist in Hünshoven und St. Josef in Bauchem je einen Brandanschlag. Hinweise auf den Täter gibt es bis heute nicht.

Für die Restaurierungsarbeiten in St. Marien wurde das Gebäude zunächst komplett eingerüstet. Nur so erreichten die Maler auch jeden Winkel, erklären die Architekten. „Das war ein kleiner Brand mit großer Wirkung“, sagt Mathias Paulssen und erklärt sogleich das weitere Vorgehen.

Giftige Rückstände

Wegen der giftigen Rückstände nimmt ein Bauchemiker so genannte Abklatschproben, die labortechnisch untersucht werden. „So können wir feststellen, wie stark verseucht die Flächen sind“, erklärt Paulssen. Mit einem Silikonschwamm, der wie ein Radiergummi funktioniere, werde der Schmutz und die Farbe von den Wänden gerubbelt. Später folge ein mineralischer Anstrich. „Die Kirche wird insgesamt heller“, sagt Architekt Schlimm.

Das Gewölbe mit der erhabenen Kuppel und das wertvolle Altarbild müssen ebenfalls aufwendig gereinigt werden. In mühsamer Kleinarbeit werden auch die vielen Heiligenfiguren einzeln restauriert. „Die Schäden an den Kunstwerken lassen sich noch nicht genau abschätzen“, sagt Kirchenvorstandsmitglied Ansgar Lurweg. Der gesamte Versicherungsschaden liege aber bei weit über eine Million Euro.

Die Kirchenbänke lagern unterdessen bei einer Firma in Aachen. Wie die Bänke und der Altar nach der Restaurierung angeordnet werden, wissen die Architekten noch nicht. Fest steht aber: „Das Platzangebot bleibt erhalten und wird eher größer werden“, sagt Schlimm. Zudem soll es einen komplett neuen Altar geben, der Kirchenchor soll durch einen neuen Platz mehr einbezogen werden.

Im Zuge der Arbeiten sollen auch gleichzeitig die Fenster erneuert werden. Auch eine neue Beleuchtungsanlage ist im Gespräch. „Wenn die Gerüste einmal stehen, nutzen wir das für Synergieeffekte“, sagt Lurweg.

Erstkommunion in Hünshoven

Mehr als ein Jahr lang wird es in St. Marien keine Gottesdienste geben.Diese finden in Hünshoven statt, ebenso wie die Erstkommunion der Kinder von St. Marien im kommenden Jahr.

Pfarrer Peter Frisch zeigt sich dennoch optimistisch und blickt nach vorne. „Es ist gut, dass die Bauarbeiten beginnen. Wir vermissen unsere Kirche und freuen uns schon jetzt darauf, wieder einzuziehen“, sagt der Pfarrer. Das soll Weihnachten 2015 sein. Bis dahin sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein, hofft Frisch.

Suche nach Täter

Die Suche nach dem Täter geht unterdessen weiter. „Wir haben leider keine neuen Erkenntnisse“, sagt Polizeisprecherin Angela Jansen. Gerade deshalb sei es wichtig, dass sich weitere Zeugen bei der Polizei melden.

Die Kirchen im Stadtgebiet Geilenkirchen sollen bis auf Weiteres außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen bleiben. Darauf hatten sich die kirchlichen Gremien geeinigt. Man wolle dem vermeintlichen Serientäter keine Gelegenheit geben, ein weiteres Feuer zu legen.

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