Übach-Palenberg - Brachialer Klang und derbe Sprüche in der Rockfabrik

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Brachialer Klang und derbe Sprüche in der Rockfabrik

Von: Stefan Reiners
Letzte Aktualisierung:
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Authentisch bis zur opulenten Bühnenshow: Die Rammstein-Coverband Stammheim spielte in der Rockfabrik. Foto: Reiners

Übach-Palenberg. „Stammheim spielt RAMMSTEIN“. So hieß es in der Übach-Palenberger Rockfabrik. Die sechs Musiker aus dem Rhein-Main Gebiet hatten den als „Tanzmetall“ oder auch „Neue Deutsche Härte“ betitelten Musikstil der 1994 gegründeten Band Rammstein – benannt nach dem Ort eines großen Flugschauunglücks einige Jahre zuvor – exzellent umgesetzt.

Der brachiale Klang der Gitarrenmusik, die sich hauptsächlich an – auf zwei Saiten beschränkten – „Powerchords“ bediente, wurde von fetten und umfangreichen Elektro- und Technoklängen komplettiert. Der tiefe, oft gutturale, teutonenhafte Gesang von Rammsteins Til Lindemann, mit seinem markanten rollenden „R“ war für Stammheim-Frontmann Andreas Scholten kein Problem.

Genau dieser Gesang führte in der Vergangenheit, in Kombination mit dem düsteren, martialischen Auftreten der Band und der gewählten Themen dazu, dass Rammstein von Einigen politisch sehr „rechtslastig“ gesehen wurde. Ihre Lieder handeln häufig von kontrovers diskutierten und schambesetzten Themen, wie Sex und Gewalt, Misantrophie, Nekrophelie, Pyromanie, Inzest und Ähnlichem. Die Texte lassen Spielraum für Verständnis in beide Richtungen, einen Umstand den die Band selbst dem Texten zu ehemaligen DDR-Zeiten zuschreibt.

Dabei ist es stets wichtig, den ganzen Text zu verstehen, was live natürlich leider nicht immer möglich ist. Wenn der ganze, zum Bersten gefüllte Saal zu hämmernden Klängen und von Feuersäulen erleuchtet brüllt: „Schwule! Aaah! Mann gegen Mann!“ oder „Hier ist nichts mehr frei. Du bist hier in meinem Land!“, kann das schon sehr leicht missverstanden werden.

Um das klar festzuhalten: In der Rockfabrik war nicht der Ansatz faschistoider Gesinnungen zu erkennen oder zu spüren. Im Gegenteil. Es war nicht ein kahlrasierter Schädel zu sehen, stattdessen viele, viele lange Haare bei beiden Geschlechtern und in jedem Alter. Und diese Haare flogen geradezu ekstatisch zur Musik. Von der ersten Note an herrschte positiv aufgeladene Partystimmung und auch die sonst schamhaft freigelassene „Schutzzone“ zwischen Bühne und Publikum wurde vollends vereinnahmt.

„Andy“ Scholten spielte mit dem „Verbotenen-Verführer-Image“ ebenso gekonnt, wie gezielt und voller Selbstironie. Mit manischer Miene von unten beleuchtet oder in großer Pose komplett im eigens mitgebrachten Bühnennebel gab er den „bösen Buben“ mit ungezählten eindeutigen Anspielungen für die markant zahlreich erschienenen, auffallend aufwendig gestylten weiblichen Fans. „Ich hab Dir schon den ganzen Abend auf die Brüste gestarrt…“ war da noch einer der harmloseren Sprüche. Und „Brüste“ hat Andy Scholten auch nicht wirklich gesagt.

Die Band betont ausdrücklich, nicht die originale Bühnenshow von Rammstein abbilden zu wollen. Das geht auch gar nicht, ist diese doch für ihre Opulenz weltberühmt. Die Schminke, die Kostüme, das Schlauchboot zum „Crowdsurfen“, auf all das verzichtete Stammheim. Aber was am Samstag in der Rockfabrik an Showelementen aufgefahren wurde, war so etwas wie der Deutsche Amateurpokal der Pyrotechnik.

Absolut atemberaubend und in dieser Preisklasse und einer solchen Location wohl einmalig. Echte Feuersäulen auf der Bühne, taktgenau gezündet, per angestrahlter Nebelsäulen simulierte Flammenwerfer, feuerspeiende Handschuhe und sogar ein brennender Mikrofonständer. Wahrlich vom Feinsten!

Eine beeindruckende Show, zu der Töchter ihre Väter allerdings zu Hause lassen sollten, es sei denn diese sind auch Rammstein Fans.

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