Bombendrohung: Abiklausuren trotzdem geschrieben

Von: Jan Mönch
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Während die Nachbargebäude geräumt wurden, fand der Unterricht am Gymnasium statt. Foto: M. Bienwald

Übach-Palenberg. Zumindest diejenigen, die den Text zu Gesicht bekommen hatten, dürften sich keine allzu große Sorgen gemacht haben. „Eure Klasse und noch mehr Klassen sind von innen an manchen stellen mit Bomben ausgestatet“, hatte da in mäßiger Rechtschreibung an einer Tafel in der Übach-Palenberger Realschule gestanden.

Und auch ganz abgesehen von dem Schriftbild würde ein echter Bombenleger ja kaum einen solchen Hinweis hinterlassen.

Weil man aber eben nur vermuten konnte und in solchen Fällen immer auf Nummer sicher gegangen wird, waren Realschule und Gesamtschule, die im gleichen Gebäude untergebracht sind, am Freitag geräumt worden. Die Polizei rückte mit Spürhunden an und durchsuchte das Gebäude. Am Abend dann konnte Entwarnung gegeben werden: Ermittlungen der Polizei hatten ergeben, dass ein zwölf Jahre alter Realschüler Urheber der Bombendrohung war. Der Junge dürfte schon angenehmere Wochenenden verbracht haben als das zurückliegende.

Wenn es ganz schlecht läuft, könnte der misslungene Scherz auch noch seiner Familie teuer zu stehen kommen. Die Rechtsabteilung der Kreispolizei prüft zurzeit, wer die Kosten für den Einsatz zu tragen hat. Vergleichsfälle hat man nicht, weshalb Polizeisprecher Karl-Heinz Frenken sich am Dienstag zu keiner Prognose hinreißen lassen wollte.

Unterdessen sah die Leitung des Gymnasiums, das ebenfalls zum Schulzentrum zählt, aber in einem separaten Gebäude untergebracht ist, sich mit der Frage konfrontiert, warum nicht auch dort „auf Nummer sicher“ gegangen wurde. Schuldirektor Dr. Hans Münstermann hatte für die Entscheidung, den Unterricht weiterlaufen zu lassen, am Dienstag eine einfache Erklärung. „Wenn es wirklich eine Explosion gegeben hätte, wäre es in unserem Gebäude sicherer gewesen als draußen“, sagte er.

Das habe umso mehr für die Schüler gegolten, die in einem Nebengebäude ihre Abiturklausuren im Englisch-Grundkurs und im Englisch-Leistungskurs schrieben. Von der Realschule aus gesehen liegt dieser Anbau hinter dem Hauptgebäude des Gymnasiums.

Dass die Schüler von dem Wirbel auf der anderen Seite des Geländes etwas mitbekamen und womöglich in ihrer Konzentration gestört waren, konnte Münstermann am Dienstag nicht ausschließen. „Wir mussten aber abwägen, ob es wirklich besser ist, wenn alle Schüler die Klausuren nachschreiben müssen.“ Das Ergebnis dieser Abwägung lautete, dass dem nicht so ist. „Wenn nun einzelne Schüler beeinträchtigt gewesen sein sollten, dann lag es nicht in unserer Hand“, so Münstermann.

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