Blühende Noten für den Advent

Von: Johannes Gottwald
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Die Kirche St. Helena in Linde
Die Kirche St. Helena in Lindern bot den ansprechenden Rahmen für ein zeitgemäßes, aber von vielen musikalischen Facetten durchsetztes Konzert. Auftretende waren der MGV St. Helena sowie das Musikkorps Würm (Bild). Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Linderner Pfarrkirche St. Helena wird durch eine spannungsvolle Architektur geprägt. Ein neugotisches Seitenschiff wurde mit einem modernen und nüchternen Sakralbau der Nachkriegszeit verwoben.

Und auf ganz ähnliche Weise wurden auch beim traditionellen Adventskonzert Alt und Neu gegenübergestellt.

Während der Männergesangverein St. Helena aus Lindern unter der Leitung von Gottfried Houben mit traditionellen Advents- und Weihnachtsliedern aufwartete, präsentierte das Musikkorps Würm mit seinem neuen Leiter Thomas Schrouff vorwiegend Werke aus dem Bereich der leichten Muse und der gehobenen Unterhaltungsmusik.

Das Musikkorps eröffnete den Abend mit „The Glory of Love”. Wer sich bei den ersten Takten sogleich an den berühmten „Bolero” von Ravel erinnert fühlte, lag durchaus nicht falsch: Beide Werke werden von dem gleichen hämmernden, ostinaten Rhythmus dieses spanischen Folkloretanzes beherrscht.

Während jedoch Ravel eine spanische Volksweise verarbeitet, wölbt sich bei „The Glory of Love” eine schöne, choralartige Bläsermelodie über den Schlagzeugen, die im weiteren Verlauf mehrfach variiert wird.

Im Anschluss sorgte der Männergesangverein St. Helena mit den zwei romatischen Gesängen „Spürst du die Kraft” und „Glaube, Liebe, Träume” für besinnliche Vorweihnachtsstimung.

Dem Friedensgedanken des Weihnachtsfestes huldigte das Musikkorps mit der „Hymn of Friendship” von Michel Delft, die nicht ohne Pathos vorbeizog, aber überraschend zart mit Glockenspiel ausklang. Das Air aus der „New Barock Suite” von H. D. Heggins wies zwar ebenfalls spätromantische Harmonik auf, ließ aber vor allem am Beginn das berühmte gleichnamige Vorbild aus der D-Dur-Suite von Bach hindurchschimmern. Der Mittelteil des Stückes enthielt ein schönes, frei improvisiertes Klarinetten-Solo von Jessica Schloemer.

Realistisches Bild

Dann trat der Männergesangverein wieder auf den Plan. Beim Volkslied „Maria durch ein Dornwald ging” zeichnete der karge, überwiegend zweistimmige Satz von Walter Rein sehr realistisch das Bild eines seit Jahren abgestorbenen Gehölzes. Der zarte vierstimmige Ausklang am Ende jeder Strophe stand hingegen für das Wunder der aufblühenden Rosen, als die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind im Leibe an den toten Sträuchern vorbeiging.

Auch die beiden Weihnachtslieder „Alle Menschen freuet euch” und „Vom Himmel hoch, da komm ich her” erklangen ausgewogen und intonationssicher. Das Musikkorps brachte mit „Sleigh Ride” von Leroy Anderson ein besonders beliebtes Genrestück zu Gehör. Sehr anschaulich wurde eine winterliche Schlittenfahrt mit Peitschenknall und klingenden Glöckchen programmatisch dargestellt. Bei „Jesu, Joy of Mans Desiring” handelte es sich um eine Bearbeitung von „Jesus bleibet meine Freude” aus der Bach-Kantate Nr. 147 von A. Reed, die allerdings allzu romantisch und dick aufgetragen wirkte und mit dem Geist des Barock nur wenig zu tun hatte.

Schönes Sopran-Solo

Beim nachfolgenden „You raise me up” wusste Lisa Solovyova mit einem schönen Sopran-Solo zu überzeugen, hatte aber stellenweise Mühe, sich gegen den vollstimmigen Bläserklang zu behaupten.

Danach brachte der Männergesangverein nochmals drei stimmungsvolle Gesänge zu Gehör. „Hell vom Turm die Glocken klingen” war ebenso wie „Freuet euch all” (nach G. F. Händel) von stiller und zugleich festlicher Freude erfüllt.

Das populäre Brahms-Lied „Guten Abend, gute Nacht” gehört zwar zum Bereich der weltlichen Lieder, enthält aber in der zweiten Strophe auch engen Bezug zum Weihnachtsfest. Auch hier erwies sich Gotfried Houben als einfühlsamer Interpret romantischer Chormusik.

Zum Schluss liefen das Musikkorps Würm und sein Dirigent Thomas Schrouff mit dem „Christmas Rockfestival” nochmals zur Hochform auf. In diesem ausladenden Stück wurde der ganze Glitzer und Glamour der amerikanischen Vorweihnachtszeit ausgebreitet, die indessen hauptsächlich Komsum und Kommerz, aber kaum noch geistliche Inhalte verkörpert. Vier zum Teil auch hierzulande bekannte amerikanische Schlager und Volksweisen werden in dem Stück verarbeitet, das am Ende mit gewaltigem Pomp („We wish you a merry christmas and a happy new year”) ein sehr weltliches Weihnachten feiert.

Ende mit „Tochter Zion”

Der Abschluss des Abends aber gehörte doch wieder dem kirchlichen Christfest. Mit dem gemeinsam von Bläsern, Chor und Zuhörern intonierten Lied „Tochter Zion, freue dich” endete das wieder einmal sehr gelungene Adventskonzert.
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