Gangelt-Birgden - Birgden boomt: Immer mehr Menschen ziehen ins Dorf

Birgden boomt: Immer mehr Menschen ziehen ins Dorf

Von: Katharina Menne
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Birgdens Hauptstraße mit dem Vereins- und Bürgerhaus in der alten Schule, einem Kiosk und der Kirche. Foto: Katharina Menne
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Er steht wie kein anderer für den Zusammenhalt in Birgden: Der gut bestückte Vereinsbaum auf dem Großen Pley. Foto: Katharina Menne

Gangelt-Birgden. „Solange der Vereinsbaum seine Blätter hat, geht es Birgden gut.“ Davon ist Stefan Palloks (CDU) fest überzeugt. Der Ortsvorsteher des Dorfs im Nordosten von Gangelt, das mehr Einwohner hat als Gangelt selbst, sieht die Stärken von Birgden vor allem in seinem funktionierenden Vereinsleben.

1480 Mitglieder zählen die 25 ortsansässigen Vereine – ein gutes Drittel der Dorfbewohner engagiert sich also bei den Schützen, im Karneval, im Mandolinenorchester oder in einer der anderen Gruppen. Für Palloks ist das einer von vielen Gründen, warum er zusammen mit seinem Vorgänger Heinrich Aretz (CDU) eine Bewerbung beim Kreisentscheid für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ eingereicht hat.

Bei dem Wettbewerb, der seit 1961 in fast allen Ländern der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt wird – damals noch unter dem Namen „Unser Dorf soll schöner werden“ – konnte Birgden in der Vergangenheit bereits einige Erfolge feiern. Der Ort sicherte sich seit der Erstteilnahme im Jahr 1971 auf Kreisebene viermal Gold und auf Landesebene zweimal Silber und zweimal Bronze.

Ein weiterer Grund für die kontinuierliche Teilnahme: Birgden boomt. Hatte das Dorf im Jahr 1960 noch knapp 2200 Einwohner, führt die Statistik mittlerweile über 1000 Menschen mehr. Das ist nicht zuletzt den Bemühungen von Heinrich Aretz zu verdanken. Noch immer kümmert sich der 85-Jährige leidenschaftlich gerne um die Belange seines Geburtsorts. Als ehemaliger Bürgermeister von Gangelt pflegt er noch immer die dafür notwendigen Kontakte. In einem der Neubaugebiete ist sogar vor Kurzem offiziell eine Straße nach ihm benannt worden.

Stefan Palloks dagegen ist selbst ein Zugezogener. Der 52-jährige gebürtige Krefelder kam im Jahr 2001 nach Birgden. „Ich habe von einem Bekannten den Tipp bekommen“, erzählt er. „Und als ich dann da stand, mitten auf dem Feld, und mich umgeschaut habe, dachte ich mir: Hier ist es schön. Hier gibt es alles. Man ist schnell auf der Autobahn. Hier bleibe ich. Heute würde mich keiner mehr aus Birgden wegbekommen.“

Dass der Ort so attraktiv ist für Menschen aller Generationen liegt vor allem an der guten Infrastruktur. „Hier gibt es wirklich fast alles“, sagt Palloks und zählt auf: Ärzte, Apotheke, Post, Supermarkt, Bäcker, Friseure, Kindergarten, Schule, Spielplätze, Bestatter und vieles mehr. Auch der Umbau der alten Firma Schniewind am Ortsrand in einen Gewerbehof mit 16 Einheiten habe zum guten Ruf des Dorfs beigetragen. „Aber wir hätten mit Sicherheit nicht so viel zu bieten, wenn wir den Menschen nicht die Möglichkeit gegeben hätten, hier zu bauen“, sagt Palloks.

Doch trotz der steigenden Einwohnerzahlen hat Birgden sich seinen Dorfcharakter bewahrt. „Nach wie vor gibt es hier keine Mietskasernen“, sagt Palloks, „sondern allenfalls kleine Mehrfamilienhäuser.“ So werde eine Verdichtung vermieden. Dennoch habe der alte Ortskern, wie viele andere Dörfer und Städte auch, mit Leerständen zu kämpfen. „Dazu werden wir uns in Kürze zusammensetzen und uns überlegen, wie wir das angehen.“ Bisher habe man dafür noch immer eine zufriedenstellende Lösung gefunden: In einem Fall ist die Lebenshilfe in einen alten Hof eingezogen, in einem anderen Fall wurde ein altes Gehöft zu einer Seniorenwohnanlage umgebaut.

Erhalten und bewahren

Denn eins ist Heinrich Aretz wichtig: „Ich bin ein großer Freund davon, zu erhalten und zu bewahren.“ Es müsse ja nicht immer alles direkt abgerissen werden. Gerade erst hätten sie es geschafft, den Güterschuppen am Bahnhof Birgden mit viel ehrenamtlichem Engagement nach alten Plänen wieder aufzubauen. „Da soll dann vielleicht bald ein kleines Eisenbahnmuseum einziehen“, sagt Aretz. Denn Schandflecken gelte es zu vermeiden, betont er.

Am besten sei es ohnehin, wenn die Dorfbewohner selbst aktiv werden. „Es gibt hier viele ehrenamtliche Gruppen, die den Ort hegen und pflegen – sie kümmern sich um die 17 Denkmäler, den Friedhof und natürlich den Großen Pley“, sagt Aretz. Auf dieses „Filetstück des Dorfs“, wie Aretz sagt, seien die Einwohner besonders stolz. „Wer diesen Platz bebaut, gehört ins Gefängnis“, sagt er mit Nachdruck. Früher sei in der Mitte mal ein großer Teich gewesen. Doch nachdem im Januar 1950 Birgdener Kinder beim Schlittschuhlaufen auf dem Eis eingebrochen und zwei davon ertrunken seien, habe man den Teich zugeschüttet.

Als Birgden im Jahr 2005 als Kreissieger ausgezeichnet wurde, pflanzten die Dorbewohner einen Baum auf dem Großen Pley und stellten einen Findling samt Bronzeplakette auf. Doch die Chance, auch in diesem Jahr wieder als Kreissieger ausgewählt zu werden, halten Palloks und Aretz für sehr gering. „Da Birgden über 3000 Einwohner hat, dürfen wir auf Landesebene nicht mehr teilnehmen“ erklärt Palloks. Er könne sich deshalb kaum vorstellen, dass der Kreis sie gewinnen lasse.

„Wir wären aber bereits zufrieden mit einer guten Bewertung, denn die Bewerbung ist harte Arbeit“, sagt Stefan Palloks. Und Heinrich Aretz ergänzt: „Den Ort schön darzustellen, halte ich immer für eine gute Sache – denn ein guter Ruf ist besser als jedes Werbeplakat.“

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