Bill Mockridge: Eine Reise durch das Seniorenland

Von: Georg Schmitz
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Bill Mockridge war sich nicht zu schade, nach seinem Programm „Je oller, je doller“, für das Geilenkirchener Publikum Bücher und Autogrammkarten zu signieren. Foto: Georg Schmitz
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Auch Christian Macharski, alias „Hastenraths Will“, (l.) war begeistert von Bill Mockridge. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Bill Mockridge lieferte bei seinem Gastspiel in Geilenkirchen mehrfach den Beweis, dass älter werden gleichzusetzen ist mit zunehmender geistiger und körperlicher Freiheit und sich aus diesem Grund kein Mensch vor der „Reise ins Seniorenland“ fürchten muss. „Das Alter soll leidenschaftlich gesehen werden“, erzählte der gebürtige Kanadier unserer Zeitung kurz vor seinem Auftritt.

Alter sei eine Chance, sich und das Leben neu zu definieren. Heute seien Seniorinnen und Senioren unternehmenslustig und widmeten sich neuen Dingen. Je älter sie würden, umso genialer seien sie. Mockridge: „Man muss Alter akzeptieren und damit umgehen lernen.“

Der Entertainer und Schauspieler weiß mit 67 Jahren wovon er redet und bringt seinen Erfahrungsschatz in sein „Bühnenspiel“ mit ein. „Ich bin ein Comedian, der Philosophie im Gepäck mitbringt“, bezeichnet er sich selber. Als Leiter des Improvisationstheaters „Springmaus“, das er 1982 gründete, war ihm Geilenkirchen ein Begriff, denn seine „Springmäuse“ hatten hier mehrmals ein Heimspiel. Doch nun kam Bill Mockridge mit seinem Soloprogramm im Rahmen der von der Raiffeisenbank Heinsberg und der Stadt Geilenkirchen veranstalteten Kabarett-Reihe erstmals in die Aula der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule und fühlte sich gleich wie zu Hause. Der Titel seines abendfüllenden Programms lautete „Je oller, je doller“ und war auf Mockridge maßgeschneidert.

Gerne stehe er vor Live-Publikum hatte der Künstler zuvor noch gesagt. Schon im Alter von sieben Jahren habe er damals in Ontario Schauspieler werden wollen. Mit 15 sei er dann von zu Hause abgehauen und habe seinen Weg gemacht. Mit 27 sei er für drei Monate nach Deutschland gekommen – „und nun sind schon seit 40 Jahre daraus geworden“. Zwischenzeitlich spiele er schon seit 23 Jahren den Erich Schiller in der Kult-Serie „Lindenstraße“. Überhaupt sei eigentlich fast die ganze Familie künstlerisch tätig. Seine Ehefrau Margie Kinsky, mit der er seit 32 Jahren verheiratet ist und sechs Kinder hat, sei Schauspielerin, sein Sohn Luke Mockridge habe große Erfolge beim WDR und EinsLive.

In Geilenkirchen zeigte Bill Mockridge die schönen Seiten des Alterns auf. „Wie vergreisen wir richtig?“, stellte er die Frage und ließ erlebte Momente aufleben, bei denen er sich selbst schon gefragt habe: „Woher komme ich?“. Da stehe er mitten auf der Treppe und frage sich „wollte ich jetzt rauf oder runter?“. Er stehe neben dem Bett und überlege „hab ich schon geschlafen oder nicht?“. Mockridge appellierte an die über 100 Zuhörer: „Wenn Sie anfangen zu vergessen, vergessen Sie das Richtige!“.

Die Besucher bekamen viel zu Lachen, denn Mockridge setzte bei seiner gut gelaunten Reise durch das Seniorenland immer noch einen Gag oben drauf. „Lieber ein Ton im Ohr, als überhaupt keine Musik“, sei ein gutes Motto.

Nachdem er 60 geworden sei, habe er bemerkt, dass er unter die „Brabbler“ gegangen sei. „Ich hab gedacht, wer redet denn hier – das war ich !“ Er habe sich dabei ertappt, wie er alles laut kommentierte, was er machte. Dann habe er plötzlich mit der Fernbedienung telefoniert ! „Auf einmal hörte ich die Stimme von Günther Jauch. Ich dachte, was macht der denn bei meiner Frau?“ Man solle im Alter die Gedanken einfach wandern lassen. „Aber meine kommen oft nie mehr zurück!“

Bei seinem Geilenkirchener Publikum hat der in Bonn beheimatete Bill Mockridge jedenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen – auch bei Christian Macharski, alias „Hastenraths Will“, der sich ebenfalls von Mockridges genialer Comedy-Kunst begeistern ließ. Der Comedian war sich auch nicht zu schade, für die Besucher Bücher oder Autogrammkarten zu signieren.

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