Bilanz des Amtsgerichtes: Weniger Gewalttäter und mehr Betrüger

Von: Sonja Essers
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Die Zahl der Strafverhandlungen ist in den vergangenen Jahren am Geilenkirchener Amtsgericht nicht zurückgegangen. Die meisten Delikte, die dort verhandelt werden, sind Verfahren vor dem Straf-, Jugend- oder Schöffengericht. Foto: dpa
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1767 Strafdelikte wurden 2016 am Geilenkirchener Amtsgericht verhandelt, weiß Leiterin Corinna Waßmuth. Foto: Sonja Essers

Geilenkirchen. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sind mit dem Fahrrad in der Innenstadt unterwegs. Sie wollen nur schnell einige Einkäufe erledigen, und dann soll es zurück nach Hause gehen. Sie stellen Ihr Zweirad ab, schließen das Schloss ab und gehen in den Supermarkt.

Als Sie sich wieder auf den Rückweg machen wollen, müssen Sie allerdings feststellen, dass Ihr Fahrrad nicht mehr dort ist, wo Sie es abgestellt haben. Es wurde gestohlen. Was würden Sie tun? Die Polizei rufen und den Diebstahl anzeigen?

Genau das passiert meist nicht, weiß Corinna Waßmuth. Sie leitet das Amtsgericht in Geilenkirchen und hat die Erfahrung gemacht: „Viele Menschen denken in diesen Fällen, dass eine Anzeige nichts bringt, weil sie ihr Fahrrad sowieso nicht wiedersehen.“ Doch genau dieses Verhalten sei falsch. „Wir haben schon Garagen voll mit Fahrrädern vorgefunden, aber es war kein Diebstahl angezeigt worden“, sagt sie.

Keine rückläufigen Zahlen

1767 Strafverfahren fanden im vergangenen Jahr am Amtsgericht Geilenkirchen statt. Über rückläufige Zahlen können sich Corinna Waßmuth und ihre Mitarbeiter keineswegs beschweren. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 waren es 1766 Fälle, 2014 lag die Zahl bei 1658 Fällen. „Einen gravierenden Unterschied zu den Vorjahren können wir nicht feststellen“, sagt Waßmuth.

Schaut man sich die Fallzahlen der einzelnen Straftaten an, stellt man allerdings die eine oder andere Entwicklung fest. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Ermittlungsverfahren bei 236 (207/197), es gab 330 Bußgeldverfahren (249/224) sowie 28 Vollstreckungsverfahren (45/60). Die meisten Fälle, die am Geilenkirchener Amtsgericht verhandelt werden, sind Verfahren vor dem Straf-, Jugend- oder Schöffengericht. 2016 lag die Zahl bei 1173 Fällen (1265/1177). In diese Kategorie fallen zahlreiche Straftaten – angefangen bei Verkehrsstraftaten bis hin zu Sexualstraftaten.

2016 wurden 238 Verkehrsstraftaten – dazu gehört unter anderem Unfallflucht – verhandelt. Ein leichter Anstieg im Vergleich zu den Jahren 2015 (198) und 2014 (200). Anders sieht es im Bereich der vorsätzlichen Körperverletzung aus. „Da können wir einen Rückgang verzeichnen“, sagt Waßmuth. 2016 waren es 72 Delikte in 2015, und 2014 lagen die Zahlen bei 91 bzw. 103 Delikten.

Große Bandbreite

Zurückgegangen sind auch die Drogendelikte. 23 Verbrechen nach dem Betäubungsmittelgesetz – dazu zählt beispielsweise der Besitz von größeren Mengen Drogen – wurden 2016 verhandelt. 2015 waren es 21 Fälle, 2014 noch 44 Fälle. Bei den Vergehen nach dem Betäubungsmittelgesetz – dazu gehören unter anderem der Konsum, Verkauf, Kauf und das Anbauen von kleineren Mengen Drogen – ist von 109 Fällen im Jahr 2015 auf 60 Fälle im Jahr 2016 gesunken. 2014 gab es in diesem Bereich 74 Delikte. „Wenn beispielsweise ein Drogenring ausgehoben wird, gibt es im Folgejahr natürlich mehr Strafverfahren“, sagt Waßmuth.

Die Zahl der Diebstähle ist ebenfalls zurückgegangen. 2016 waren es 167 Fälle, 2015 sogar 194 Fälle. Im Jahr 2014 waren es 160 Fälle. „Das fängt bei dem Stehlen eines Schokoriegels an der Tankstelle an und geht bis zum Wohnungseinbruch“, macht Waßmuth die Bandbreite der Fälle deutlich. Ein weiteres Problem: Da nicht jeder Diebstahl angezeigt wird, sei die Dunkelziffer oft hoch. „Nur wenn diese Fälle angezeigt werden, kann man die Zahl der Taten auch deutlich machen. Auch wenn leider nicht jede Anzeige zum Erfolg führt“, sagt Waßmuth.

Besonders niedrig ist in Geilenkirchen die Zahl der Sexualstraftaten. „Die Spanne bei Straftaten ist sehr breit. Bei Sexualdelikten denkt man zuerst an Vergewaltigung. Es fängt aber schon mit sexuellen Beleidigungen an“, sagt Waßmuth. Im vergangenen Jahr gab es fünf Fälle, 2015 waren es vier Fälle, 2014 wurden zehn Delikte verhandelt. Auch das Thema Stalking wird am Geilenkirchener Amtsgericht behandelt.

Ein neues Gesetz sorgt dafür, dass Opfer besser geschützt werden. Waßmuth weiß jedoch, dass diese Fälle meist nicht unter dem Begriff Stalking, sondern oft als Beleidigung oder Hausfriedensbruch angezeigt werden. In zwei Bereichen sind die Fallzahlen im Laufe der vergangenen Jahre leicht angestiegen: Betrug und politische Straftaten.

Betrug wurde im Jahr 2016 250 Mal verhandelt, 2015 waren es 294 Delikte, 2015 jedoch nur 239. „Dazu zählen natürlich auch Menschen, die schwarz gefahren sind oder zu viel Arbeitslosengeld kassiert haben“, macht Waßmuth deutlich.

Politische Straftaten gab es 2016 insgesamt 13 Stück, 2015 waren es fünf Fälle, 2014 acht Fälle. Sobald jemand ein links- oder rechtsradikales Zeichen wie beispielsweise ein Hakenkreuz öffentlich zur Schau stellt, fällt dies unter eine politische Straftat. Meist sind die Täter noch minderjährig und landen vor dem Jugendrichter, meint Waßmuth. Kaum verändert hat sich die Zahl der sonstigen Straftaten.

Darunter fallen beispielsweise Nötigungen, Bedrohungen, Vergehen gegen den Umweltschutz oder auch die Verletzung der Unterhaltspflicht. 2016 waren es 143 Fälle, 2015 insgesamt 138 Delikte und 2014 waren es 164 Delikte. Waßmuth und ihre Mitarbeiter haben also weiterhin viel zu tun.

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