Bienen beinahe so wichtig wie Schwein und Rind

Von: Ines Kubat
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Leo Scherrers und Miel van der Vring prüfen die Waben eines Bienenstocks. Foto: Kubat
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Leo Scherrers, Miel van der Vring und Jaap van Veldhuisen gehören zum Vorstand des Imkervereins Selfkant und kümmern sich wie knapp 250 andere Imker im Kreis um das Wohl ihrer Bienen. Foto: Kubat

Gangelt. Die Honigbiene hat Feinde. Genauer gesagt sogar drei. Ein Feind ist eine Milbe, ein anderer ein Erreger und der dritte Feind ist der Mensch. „Ohne Imker wäre die Honigbiene längst ausgestorben“, ist sich Leo Scherrers sicher.

Einige Jahre stand er an der Spitze des Kreis-Imkerverbands Heinsberg, heute ist er Vorsitzender des Imkervereins im Selfkant. In dieses Amt investiert er – genau wie seine Kollegen aus dem Vereinsvorstand Miel van der Vring und Jaap van Veldhuisen – viel Arbeit und vor allem viel Zeit. Es liegt ihnen am Herzen, nicht nur die Bienen zu pflegen, sondern auch ein Bewusstsein dafür zu schaffen, warum das Insekt wichtig für den Menschen ist und warum es vor seinen Feinden geschützt werden muss.

Schleudern und Kerzen ziehen

Mitten im Wald steht am Ende des Gangelter Wildparks der kleine Lehrbienenstand des Vereins, der derzeit knapp 60 Mitglieder hat. Ein süßlicher Duft liegt dort in der Luft, es summt von allen Seiten und wenn man Glück hat, guckt sogar ein Reh aus dem Wildpark zwischen den Bäumen hervor. Knapp zwölf Bienenvölker haben hier in bunten Kästen ihre Heimat.

Auch am Sonntag, dem Tag der Deutschen Imkerei, werden Scherrers und seine Kollegen am Lehrbienenstand sein, den Besuchern das Imkern erklären, Honig schleudern und Bienenwachskerzen drehen. Eigentlich sind sie jede Woche dort, denn im Sommer ist der Lehrbienenstand an Sonn- und Feiertagen von mindestens einem Imker besetzt. In dem kleinen Holzhaus finden auch interne Fortbildungen für Imker statt – beispielsweise zu Problemen wie der Faulbrut, der Varroa-Milbe oder Neonicotinoiden.

Und auch der Imker-Nachwuchs wird hier ausgebildet: Längst ist das Imkern kein Hobby mehr, das nur von betagten Herren ausgeübt wird: „Es kommen immer mehr junge Leute und Frauen hinzu, die das Imkern lernen wollen“, erklären die drei Bienenfreunde aus dem Selfkant. Es ist ein Trend, der sich auch auf Kreisebene bestätigt: Zehn Prozent aller Imker im Kreis Heinsberg seien unter 18 Jahre alt, sagt Josef Louis, Vorsitzender des Kreis-Imkerverbands. Und immerhin ein Drittel der 250 Imker auf Kreisebene seien heute Frauen.

Ganz allgemein wachse das Interesse an der Imkerei wieder, berichtet Scherrers: „Natur ist wieder ‚in‘. Das Bewusstsein bei den Menschen ist gestiegen, dass Bienen es schwer haben.“ Das merke man schon an den Anmeldezahlen für die Lehrgänge. Dieses Jahr werden neun „Auszubildende“ angelernt. Zwei bis fünf Jahre werden sie brauchen, bis sie das Imkern richtig beherrschen, sagt Scherrers. Denn auch wenn es so aussieht, als übernähmen die Bienen die Arbeit – ganz so einfach sei es dann doch nicht: Imkern, erklärt der Vereinsvorsitzende, das bedeute nicht nur Honig zu ernten, sondern die Bienen zu versorgen, Völker heranzuzüchten und zu schützen.

Schließlich seien Bienen wichtig – einerseits für die Natur, andererseits auch für die Wirtschaft. Denn die Insekten sammeln nicht nur Nektar für unseren Honig, sie bestäuben auch wichtige Nutzpflanzen in der Landwirtschaft wie Getreide, Obst und Gemüse. Auf zwei Milliarden Euro wird der jährliche volkswirtschaftliche Nutzen in Deutschland geschätzt, den die Bienen beim Bestäuben generieren. Die Biene ist damit laut Deutschem Imkerbund nach Schwein und Rind das drittwichtigste landwirtschaftliche Nutztier in Deutschland.

Bis zu zehn Prozent eingegangen

Und doch geht es der Biene schlecht: Jährlich haben die Imker mit einem Verlust von Völkern zu leben. „Neun bis zehn Prozent sind im vergangenen Jahr eingegangen“, berichtete Scherrers aus seinem Gebiet. Der Befall der Varroa-Milbe, das Sprühen von Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden und auch die amerikanische Faulbrut, die gerade in der Nordeifel und im Kreis Düren wieder ausgebrochen ist, treiben den Imkern die Sorgenfalten auf die Stirn.

Noch ist die Faulbrut im Kreis Heinsberg nicht festgestellt worden, erklärt der Kreis-Imker Josef Louis. Seit Jahren setze man hier auf Prophylaxe und nehme jährliche Stichproben bei den Imkern. Das Problem sei jedoch, dass es immer noch Imker gebe, die ihre Völker nicht beim Veterinäramt gemeldet haben – sie seien ein großes Risiko für alle anderen Völker in der Umgebung, falls bei ihnen die Seuche ausbricht und von dort unbemerkt weiter übertragen wird.

Einstein soll gesagt haben: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Diese Rechnung sei Unsinn, finden die Selfkant-Imker. Schließlich gebe es noch Wespen, Hummeln und andere Insekten, die ähnliche Aufgaben übernehmen.

Dennoch würde es zu einem Verlust kommen, erklärt Scherrers: „Ohne die Biene würden wird ganz anders leben. Es würde weniger Raps, Erdbeeren oder Äpfel geben.“ Und natürlich weniger Honig. Wer Interesse am Imkern hat, kann unter www.imkerverein-selfkant.de Kontakt aufnehmen. Ansonsten sind die Bienenfreunde am Sonntag von 11 Uhr bis 16 Uhr am Lehrbienenstand am Gangelter Wildpark anzutreffen.

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