Bienen-AG: Mit den kleinen Insekten auf Tuchfühlung

Von: Georg Schmitz
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Während Imker Willi Dohmen keine Angst vor einem Bienenstich hat, haben die Schüler der Bienen-AG von St. Ursula vorsichtshalber Schutzanzüge angezogen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Summ, summ, summ – Bienchen summ herum“, lautet ein beliebtes Kinderlied. Am Bischöflichen Gymnasium herrschte offensichtlich Bienenmangel, der in dieser Woche die „Anlieferung“ von zehntausend dieser Flugtierchen notwendig machte.

Imker Willi Dohmen aus Grotenrath brachte jedenfalls ein ganzes Bienenvolk zu den Ursulanern und ab sofort braucht sich die Schule nicht mehr über einen Mangel an Honiglieferanten zu beklagen.

Annika Jansen ist es zu verdanken, dass der Schulalltag ab sofort durch das Summen der Tierchen aufgelockert wird. Die Biologie- und Religionslehrerin ist bereits „per du“ mit der Bienenkönigin, denn sie weiß um die Bedürfnisse der Fluginsekten. „Wenn die Bienen sterben, stirbt auch der Mensch“, hat schon Albert Einstein den Nutzen dieser Lebewesen erkannt.

Und Annika Jansen befasst sich schon seit ihrer Studienzeit mit den Hautflüglern, die tagaus, tagein viele Kilometer unterwegs sind, um Nektar und Pollen für ihren Nachwuchs zu sammeln.

„Unsere Schülerinnen und Schüler sollen ein Auge für die Natur bekommen“, nennt die Lehrerin einen Grund für die Gründung einer Bienen-AG am Gymnasium. Elf Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe sechs und eine Schülerin der achten Klasse haben sich freiwillig gemeldet, um sich außerhalb der Unterrichtsstunden um die Bienen zu kümmern. „Sie bekommen den Umgang mit Bienen fachgerecht vermittelt“, sagt Annika Jansen, die den Jugendlichen gleichzeitig die Angst vor den „Stechtierchen“ nehmen will.

Ein sehr ruhiges Bienenvolk

Die Mitglieder der Bienen-AG sind noch vorsichtig, als Willi Dohmen das Bienenhaus im Klostergarten abstellt. „Man weiß ja nie, was da auf uns zukommt“, mögen sich die Schüler denken und haben einen Schutzanzug mit Netzteil über dem Kopf angezogen. Das soll vor unliebsamen Stichen schützen. „Ich habe euch ein sehr ruhiges Bienenvolk mitgebracht“, beruhigt der Imker. Aber Annika Jansen hält vorsichtshalber einen „Smoker“ bereit, dessen Rauch die Bienen im Ernstfall zur Ruhe bringt.

Willi Dohmen hat derzeit 28 Völker an den vier Standorten Grotenrath, Hommerschen, Loherhof und Palenberg stehen. Nun kommt das St.-Ursula-Gymnasium hinzu. „Mach mal den Verschlussstreifen ab“, sagt er zu Lukas und der Junge kommt sofort der Aufforderung nach. Schon begrüßen die ersten Insekten den angehenden Frühling und erkunden ihre neue Umgebung. Ein paar männliche Bienen, Drohnen genannt, sind im Volk für den Fortbestand zuständig.

Die Kinder erfahren von Dohmen, dass sich die Königin ordentlich ranhält und täglich 1200 Eier legt. Bis zum Ende des Sommers werde das Volk von jetzt 10.000 auf mindestens 70.000 Bienen anwachsen. Da wird den Gymnasiastinnen und Gymnasiasten samt Lehrerschaft in den nächsten Monaten einiges um die Ohren fliegen.

Auf Schutzanzug nieder gelassen

Der Imker berichtet, dass sich die Bienen selber ernähren. Nur ab dem Herbst, nachdem der letzte Honig geerntet wurde, müsse – zumeist mit Zuckerwasser – zugefüttert werden. Willi Dohmen erzählt von der „Varroa-Milbe“, die sich als ärgster Feind eines Bienenvolkes erwiesen habe. „Vor drei Jahren hat diese Milbe viele meiner Völker vernichtet“, erinnert er sich.

Diese Milbe sauge das Blut der Larven aus, die dann sterben würden. Schulleiter Jürgen Pallaske hört aufmerksam zu und ist fasziniert von dem Bienenvolk. „Jetzt müssen als erstes die Zargen ausgemistet werden“, sagt Annika Jansen den Schülern, was als nächstes zu tun ist. Ansonsten sind Bienen sehr reinlich, sie verrichten ihr „Geschäft“ immer außerhalb des „Wohnhauses“.

Ein paar Bienen haben sich schon auf dem Schutzanzug der Schüler nieder gelassen, machen aber keinerlei Anstalten zu stechen. Dies komme ohnehin selten vor, weiß der Imker. Höchstens dann, wenn die Insekten eingequetscht oder durch andere Situationen bedroht würden.

Wenige Meter von dem neuen Volk entfernt, wird derzeit ein Bienenhotel eingerichtet. Dies soll Wildbienen anlocken und als Behausung dienen. „Wegen der Monokulturen ist der Bestand an Wildbienen in den letzten Jahren stark zurück gegangen“, sagt Annika Jansen und hofft, dass auch die Wildbienen im Klostergarten heimisch werden.

Ende Mai kann der erste Honig, die sogenannte Frühtracht, von der St.-Ursula-Schule geerntet werden. „Den werden wir selber essen“, machen die Akteure der Bienen-AG sofort klar.

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