Bezaubernde Klänge im Carolus Magnus Centrum

Von: Johannes Gottwald
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Romantik im Monat Mai: Das Kammerorchester Aquisgrana präsentierte beim Pfingstkonzert im CMC Werke aus dem 19. Jahrhundert. Im e-moll-Konzert op. 11 spielte die Pianisten Xin Wang (Bild) Chopin virtuos mit glänzender Technik und ausdrucksstarkem Spiel. Foto: Gottwald

Übach-Palenberg. „Im wunderschönen Monat Mai“, so lautet der Beginn eines der bekanntesten Lieder von Robert Schumann. Diese Worte aus dem Zyklus „Dichterliebe“ hätten auch der Titel des Konzerts des Kammerorchesters Aquisgrana in der Lohnhalle des Palenberger CMC bilden können – denn in diesem Programm waren Frühlingsstimmung und „Romantik pur“ angesagt, was auch bestens mit dem Pfingstwetter vor den Türen harmonierte.

Eine ansehnliche Zahl von Musikfreunden hatte sich eingefunden, um die Darbietungen des 2012 gegründeten Ensembles zu hören, das ausschließlich aus Streichinstrumenten besteht und sich in Zukunft in der Euregio fest etablieren will.

Alle seine Angehörigen sind Absolventen der Musikhochschulen von Köln und Aachen. Sie spielen neben ihrer Tätigkeit bei Aquisgrana in professionellen Orchestern oder sind als konzertierende Solisten aktiv.

Stilkopien vermieden

Die Moderation des Konzerts lag bei Florian Koltun, hierzulande vor allem als Organisator der Randerather Konzerte bekannt.

Den Auftakt des Programms bildete die Suite Aus Holbergs Zeit, aus der Feder des großen norwegischen Nationalromantikers Edward Grieg. Mit diesem 1884 entstandenen Werk wollte der Komponist dem norwegischen Dichter Ludwig Holberg aus Anlass dessen 200. Geburtstags ein musikalisches Denkmal setzen. Kein Wunder, dass die fünf Sätze der Suite Titel wie Sarabande oder Gavotte tragen – dies waren zu Beginn des 18. Jahrhunderts beliebte Modetänze.

Doch ging es Grieg dabei nicht um eine bloße Stilkopie. Vielmehr wurden barocke Elemente geschickt mit der Klangsprache des 19. Jahrhunderts verwoben, so dass sich eine interessante Synthese aus Alt und Neu ergibt. Nach dem temperamentvollen Praeludium entfaltete sich die Sarabande als entzückende Romanze, während die Gavotte von dem Kontrast zwischen kraftvollen barocken Harmonien und zarter, hintergründiger Melodik bestimmt war.

Im Mittelteil erschienen dann charakteristische Bordunbässe, über denen man unverkennbar norwegische Folklore heraushören konnte. Bereits hier bewies Aquisgrana seine herausragende Klasse und gewann dem Streicherklang eine erstaunliche Vielfalt ab. Die Besetzung des Orchesters ist übrigens international, denn die Mitglieder kommen aus Deutschland, Holland, Spanien und verschiedenen asiatischen Ländern.

Weiter ging es in der Holberg-Suite mit dem Air, das mit seinem Andante religioso die herbe Stimmung Bachscher Passionsmusiken aufgriff und sie romantisch umdeutete. Das Rigaudon schließlich wirbelte turbulent vorüber und bildete ein fulminantes Finale.

Wesentlich anspruchsvollere Kost für die Zuhörer bildete danach das 1. Klavierkonzert in e-Moll op. 11 von Frédéric Chopin, das 1830 komponiert wurde und am 11. Oktober des gleichen Jahres erstmals in Warschau erklang; die letzte Uraufführung eines eigenen Werkes, die Chopin in seinem Heimatland erlebte. Denn kurz danach brach eine Revolution gegen die russische Herrschaft aus, die von den Truppen des Zaren niedergeschlagen wurde – der freiheitlich-national gesinnte Chopin siedelte daraufhin nach Paris über und sah Polen niemals wieder.

Ähnlich wie bei dem zehn Jahre später entstandenen a-Moll-Konzert von Robert Schumann ist auch hier der erste Satz breit und ausladend angelegt. Nach dem Vorbild der Wiener Klassik wird die Exposition ganz von den Streichern gestaltet, ehe das Klavier einsetzt. Als Solistin hatte man mit Xin Wang eine der besten Pianistinnen aus China verpflichten können, die in der Vergangenheit mehrfach internationale Wettbewerbe in Deutschland, Spanien und Italien gewonnen hatte. Sie wurde auch an diesem Nachmittag diesem Anspruch vollauf gerecht, denn der technisch anspruchsvolle und sehr umfangreiche Solopart – wie kann es bei einem großen Klavierkomponisten anders sein – stellte eine besondere Herausforderung dar.

Xin Wang meisterte alle pianistischen Klippen mit spielerischer Leichtigkeit und verband ihre technische Finesse auch mit der nötigen Ausdruckstiefe. Auf das weitläufige Allegro maestoso folgte eine Romanze, die man als geheimnisvolle Nachtmusik auffassen konnte. Auch hier behielt das Klavier wie selbstverständlich die Hauptrolle, denn Chopin hatte kein konzertierendes Abwechseln von Orchester und Soloinstrument im Sinn, wichtig waren ihm nur die Entfaltungsmöglichkeiten des Klaviers, für das die Streicher nur begleitendes Beiwerk bilden.

Ein lebhaft-virtuoses, heiter gestimmtes Rondo, in dem die Solistin wiederum prachtvolle Aufgaben zu lösen hatte und zudem folkloristische Krachowiak-Klänge zu vernehmen waren, rundete das großangelegte Werk ab – danach wurde das Publikum erst einmal in eine hochverdiente Pause entlassen.

Dezente Walzer-Rhythmen

Den Schlusspunkt an diesem romantischen Nachmittag bildete die ebenfalls fünfsätzige Serenade für Streichorchester in E-Dur op. 22 von Antonin Dvorak. Sie entstand im Jahr 1874 innerhalb von nur 14 Tagen und wurde zu einem der ersten großen Erfolge des damals noch recht jungen Komponisten.

Auch diesmal gelang dem Kammerorchester eine großartige und in jeder Hinsicht überzeugende Wiedergabe. Das einleitende Moderato wurde von volkstümlichen, weit ausschwingenden Melodiebögen beherrscht, während im Tempo di Valse entsprechend seinem Titel dezente Walzer-Rhythmen aufklangen. Dagegen hatte das stürmisch dahinbrausende Scherzo mit seiner Überschrift nichts zu tun – entgegen den Gepflogenheiten verwendete Dvorak hier keinen Dreiertakt, was aber der brillanten Wirkung keinerlei Abbruch tat. Mit verschwenderischer Lyrik war das Larghetto ausgestattet.

Nach diesem besinnlichen Ruhepunkt empfand man das mitreißend inspirierte Finale Allegro vivace als krönenden Ausklang.

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