Geilenkirchen - Bewerbung: Höflichkeit und Pünktlichkeit oft Mangelware

Bewerbung: Höflichkeit und Pünktlichkeit oft Mangelware

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
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Sie lehrt gute Umgangsformen und das richtige Verhalten im Bewerbungsgespräch: Andrea Brepols-Kreitz

Geilenkirchen. Pflichtbewusstsein, Höflichkeit und Pünktlichkeit sind für viele Jugendliche heute keine Selbstverständlichkeit. Nahezu jeder zweite Arbeitgeber klagt über mangelnde Umgangsformen der Ausbildungsplatzsuchenden.

Ganz zu schweigen vom äußeren Erscheinungsbild. Da gibt es junge Frauen, die würden mit einer Jogginghose bekleidet zum Vorstellungsgespräch erscheinen. Das ist ein Grund für die Zurückhaltung von Arbeitgebern, Auszubildende einzustellen.

Um die Chancen von Jugendlichen, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, zu erhöhen, bietet die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Geilenkirchen in Kooperation mit der Agentur für Arbeit auf dem Loherhof Seminarreihen an: Unter der Überschrift „Business Knigge“ werden Jugendliche auf der Suche nach einem Arbeitsplatz und arbeitslose Erwachsene auf Vorstellungsgespräche vorbereitet.

„Viele Jugendliche haben Pünktlichkeit, Höflichkeit und Pflichtbewusstsein zu Hause nicht gelernt. Auch der Umgangston in den Schulen ist anders, als die Arbeitswelt es erwartet“, erklärt Andrea Brepols-Kreitz, als Lehrkraft in der betrieblichen Ausbildung bei der FAW tätig.

„Bewerber um einen Arbeitsplatz müssen auch kommunikationsstark sein und Konfliktsituationen richtig einschätzen können“, sagt Derk Verhaaf, Koordinator der FAW für Fortbildungskurse.

Beide wissen: Beim ersten Eindruck zählt das Erscheinungsbild zu 50 Prozent, Sprache und Tonfall machen 40 Prozent, der Inhalt des Gespräches zehn Prozent aus. „Auch die Körpersprache wirkt auf mein Gegenüber“, erläutert Brepols-Kreitz und rät: „Beim Gespräch nicht zu nah ran, aber auch nicht zu weit weg. Zwei Armlängen Distanz ist richtig. Wenn jemand diese Distanz nicht einhält, wird es für den Gesprächspartner unangenehm.“ Wichtig, so verrät sie weiter, ist der Blickkontakt. Überhaupt legt sie großen Wert auf die Körpersprache.

Rot – eine aufregende Farbe

„Wir müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie Körpersprache zustande kommt und wie sie wirkt. Wir wollen Abstand und Distanz trainieren.“

Wie ziehe ich mich zum Vorstellungsgespräch richtig an? Was ist absolutes No-Go? Wie schminke ich mich? Wie viel Schmuck ist erlaubt? Diese und viele andere Fragen sind Themen ihres Seminars.

Will man ins Bankgeschäft oder einen Bürojob, so ist auch heute noch der Anzug bei jungen Männern gefragt. Im Handwerk darf es etwas lässiger sein. Andrea Brepols-Kreitz empfiehlt Jeans, Hemd und Sakko. Jungen Damen rät sie für das Büro zum Kostüm, ansonsten sind Jeans, Bluse und Blazer völlig in Ordnung.

Die Kursleiterin hat sich auch mit Farbpsychologie beschäftigt. Sie favorisiert auf jeden Fall Blau. „Blau wirkt beruhigend. Rot geht gar nicht. Auch später im beruflichen Leben nicht. Rot ist eine aufregende Farbe, die aus der Erotik stammt.“ Für viele Jugendliche ist nicht selbstverständlich: Alkohol, Rauchen und Handy sind am Arbeitsplatz absolut tabu.

„Durch Raucherpausen geht nicht nur Arbeitszeit verloren, durch Rauchen können auch gefährliche Situationen entstehen.“ Beim Thema Alkohol warnt sie auch vor Restalkohol im Blut am Morgen. „Viele Jungs ziehen Sonntagabend noch mal los und müssen am Montag zur Arbeit“, sagt sie. Ein großes Thema für sie ist der richtige Umgang mit dem Internet.

Sie will die jungen Menschen dafür sensibilisieren, dass soziale Netzwerke auch Gefahren bergen. „Viele Firmeninhaber schauen sich die Facebook-Seiten an. Und Filme bei You Tube können das ganze Leben eines Menschen beeinflussen.“

Probleme ansprechen

Sicherlich werden viele Werte in der Schule vermittelt, sofern dies nicht bereits im Elternhaus geschehen ist. „Allerdings sind die Rahmenbedingungen anders. Wir können in den Kursen ganz gezielt auf die Bedürfnisse der Lehrgangsteilnehmer eingehen“, so Derk Verhaaf.

In kleinen Gruppen könne intensiv an der Verbesserung der Kompetenzen gemeinsam mit den Jugendlichen gearbeitet werden. Es geht aber nicht nur um die Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch. Auch die Ausbildungszeit hat Brepols-Kreitz im Blick: „Oft sind Jugendliche unzufrieden und vergreifen sich im Ton. Sie müssen lernen, ihre Probleme anzusprechen, damit die Konflikte nicht eskalieren. Im Gespräch kann man viele Dinge entschärfen und klären“, sagt sie.

Vermittlungsgutscheine

Zunächst waren Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz die Zielgruppe. Heute kann jeder, der auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz ist, teilnehmen. Erforderlich ist ein Vermittlungsgutschein, den die Agentur für Arbeit ausgibt.

Die Kosten sind dann über den Vermittlungsgutschein abgedeckt. Der nächste Kurs startet, sobald sich zehn Personen angemeldet haben. Infos gibt Annik Hoffmann in der FAW-Außenstelle auf dem Loherhof, Telefon 02451/ 4909020. Unter dieser Nummer ist sie montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr erreichbar.

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