Bewährungsstrafe nach Griff in die Ladenkasse

Von: Jan Mönch
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Das Geilenkirchener Amtsgericht. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. An einem Tag im November 2016 war K. wieder einmal das Geld ausgegangen. Er irrte durch Oberbruch, die Entzugserscheinungen wurde immer schlimmer, schließlich beschloss er, in einer Norma-Filiale sein Glück zu versuchen. K. ging hinein, griff in die Kasse und riss 170 Euro in kleinen Scheinen heraus. Die Kassiererin versuchte ihn zu stoppen, es kam zu einer Rangelei. Doch es gelang K., mit der Beute zu entkommen.

„Ich schäme mich dafür“, sagte K. am Montag, ein knappes Jahr später, vor dem Geilenkirchener Schöffengericht, wo er sich für räuberischen Diebstahl in Tateinheit mit Körperverletzung – die Kassiererin hatte laut Anklageschrift später über Schmerzen im kleinen Finger geklagt – in minderschwerem Fall verantworten musste.

Man kann sagen, dass K. sich im November 2016 in einer tiefgreifenden Lebenskrise befand. Schon in jungen Jahren war er mehrfach wegen kleinerer Delikte mit dem Gesetz in Konflikt geraten, doch seit er seine Frau kannte, war es eigentlich besser gelaufen. Die aber hatte den heute 35-jährigen Deutschen nach 15 Jahren Ehe aus der gemeinsamen Wohnung geworfen, und das auch noch wegen eines anderen Mannes.

Schon zuvor hatte K. gelegentlich Marihuana und Amphetamine genommen, nun griff er auch zu Heroin. Und wie den meisten Konsumenten gelang es auch ihm nicht, seine Sucht auf legale Weise zu finanzieren. Zurzeit stehen mehrere Verfahren an unterschiedlichen Gerichten gegen ihn aus, die wohl so auflaufen, wenn man jeden Tag viel Geld für Drogen braucht.

Beim jetzigen Termin in Geilenkirchen ging es jedoch nur um den Vorfall in dem Oberbrucher Norma-Markt, den K. vollumfänglich gestand. Er bereute die Tat und äußerte den Wunsch, sein Leben wieder in den Griff zu kriegen. Vor allen Dingen wolle er seine beiden Kinder, zu denen zuletzt wohl kein Kontakt bestand, wieder regelmäßig sehen, sagte K.

Einige Teilerfolge hat er bereits erzielt: Seit Februar diesen Jahres nimmt K. an einem Methadon-Programm teil, die beiden vergangenen Monate hat er in Untersuchungshaft in der JVA Aachen verbracht. Auch hat er sich wohl schon um die Finanzierung eines Therapieplatzes gekümmert.

Mildernde Umstände

Die Staatsanwaltschaft forderte vor diesem Hintergrund eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die zur Bewährung auszusetzen sei. Richterin Corinna Waßmuth und die Schöffen blieben mit acht Monaten auf Bewährung knapp darunter. Als strafmildernd wurde ausgelegt, dass K. zur Tatzeit aufgrund des Entzugs wohl nicht ganz Herr seiner Sinne war.

Dafür spricht, dass er unmittelbar nach der Tat in einen Friseursalon in der Nähe spaziert sein muss und dort seinen vollen Namen nannte. Das ist kein sinnvolles Verhalten, wenn man gerade einen immerhin dreistelligen Geldbetrag geraubt hat.

K. musste am Montag jedenfalls nicht zurück in Haft, doch zumindest seine näheren Zukunftsaussichten waren nach dem Urteilsspruch trist. Einen festen Wohnsitz hat er nicht, dafür Schulden von mehreren tausend Euro.

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