Geilenkirchen - Betrug: 30-Jähriger geht für drei Jahre ins Gefängnis

Betrug: 30-Jähriger geht für drei Jahre ins Gefängnis

Von: Herbert Keusch
Letzte Aktualisierung:

Geilenkirchen. Zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren hat das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Schöning einen 30-jährigen Angeklagten aus Übach-Palenberg verurteilt. Es ging um eine Vielzahl von Betrugsfällen.

Zunächst enthielt die Anklageschrift 465, die im Verlauf der Verhandlung auf letztlich 424 Fälle reduziert wurden. „Der Angeklagte hat die Taten eingeräumt und als Begründung seine Spielsucht angegeben”, ging der Richter bei der Urteilsbegründung ins Detail.

„Er hat sein Problem Spielsucht erkannt, aber nichts dagegen unternommen.” Im Dezember 2006 habe er mit den Betrügereien begonnen, habe mehrfach durch Gerichtsverhandlungen, Verurteilungen und Haftbefehle einen „Schuss vor den Bug” bekommen.

„Letztlich hat ihn das alles nicht beeindruckt. Er macht den Eindruck, nicht nur unbelehrbar, sondern auch skrupellos zu sein”, erläuterte der Richter weiter. Er habe eine große Verantwortung für ein Kind, eine Ehefrau und vor allen Dingen seine Mutter, für deren Schulden in Höhe von 60000 bis 70000 Euro er neben seinen eigenen Schulden von rund 300000 Euro aufkommen müsse.

Seit Ende 2006 hatte der gelernte Programmierer immer wieder über ein Versteigerungsunternehmen im Internet eine Verkaufsplattform eingerichtet, über die er zunächst Schmuck, später auch USB-Sticks und Speicherkarten sowie Waren wie Kaffeemaschinen oder andere Geräte zur Versteigerung anbot. In den angeklagten 424 Fällen waren Beträge zwischen 3,09 und einmal sogar von über 1000 Euro auf Konten eingegangen, die der Angeklagte bei mehreren Banken unter verschiedenen Namen angelegt hatte.

Stammgast im Casino

Der Angeklagte begründete seine Taten mit seiner Spielsucht. „Seit Ende des Jahres 2005 war ich Stammgast im Casino im niederländischen Valkenburg”, erklärte der 30-Jährige. Er habe Schulden in Höhe von etwa 300000 Euro, zudem sei seine Mutter mit 60- bis 70000 Euro aufgrund seiner Spielsucht verschuldet.

„Was der Angeklagte gemacht hat, ist gewerbsmäßiger Betrug. Er hat Waren zum Verkauf angeboten und Zahlungen ohne Gegenleistung in Empfang genommen”, begann Staatsanwalt Hubert Herwartz sein Plädoyer. Das schlimme sei, dass die heute angeklagten Taten wohl nur ein Bruchteil der tatsächlichen Betrugstaten sei.

Der Angeklagte sei unbeeindruckt von Wohnungsdurchsuchungen durch die Polizei wie auch von Haftstrafen immer wieder nach gleichem Muster vorgegangen. Schon vor viereinhalb Jahren habe er das Gericht davon zu überzeugen versucht, dass seine Betrugstaten ein einmaliger Fall gewesen seien. Damals gab es eine Bewährungsstrafe. Über weitere fast vier Jahre sei der Angeklagte immer wieder gleich vorgegangen. „Selbst im offenen Vollzug hat er derartige Straftaten begangen”, so der Staatsanwalt. „Ich fordere eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.”

Etwas anderer Meinung war Strafverteidiger Reinhard Richert. „Alles Wesentliche ist vorgetragen worden, wir haben ein umfassendes Geständnis. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, den Angeklagten jetzt möglichst lange wegzusperren, denn er braucht Hilfe.” Zum Strafmaß selbst stellte der Verteidiger keinen Antrag.
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