Betriebsrat: „Wir sind kein Sanierungsfall“

Von: Udo Stüßer
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Nachdem die Schweizer Oerlikon Schlafhorst an die chinesische Jinsheng-Gruppe verkauft haben, blickt die Belegschaft optimistisch in die Zukunft. Dies erklärte gestern Betriebsratsvorsitzender Michael Klein nach der Betriebsversammlung. Foto: Georg Schmitz
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Optimistisch: Betriebsratsvorsitzender Michael Klein.

Übach-Palenberg. Erleichterung herrschte am Dienstag bei Belegschaft und Betriebsrat von Oerlikon Schlafhorst in Übach-Palenberg, nachdem bekannt geworden war, dass der Schweizer Konzern Schlafhorst an die chinesische Jinsheng-Gruppe verkauft hat. Sie will die gekauften Oerlikon-Geschäftsbereiche Naturfasern (mit Schlafhorst) und Textil-Komponenten unter dem Namen „Saurer“ firmieren lassen.

„Jetzt ist die Ungewissheit vorbei. Jetzt haben wir einen Eigentümer, mit dem man positiv in die Zukunft schauen kann“, sagte Michael Klein, seit mehr als 20 Jahren Betriebsratsvorsitzender des Übach-Palenberger Werkes, nach ersten Gesprächen mit der neuen Firmenleitung und nach einer Betriebsversammlung im Gespräch mit unserer Zeitung.

Erst am Dienstagmorgen seien die Mitarbeiter durch das Oerlikon-Management über den Verkauf informiert worden. „Darüber haben wir natürlich unsere Verärgerung zum Ausdruck gebracht. Das Management sprach von Kommunikationsproblemen.“ Es folgten am Dienstagmorgen Gespräche des Betriebsrates mit dem neuen Management und eine Informationsveranstaltung für alle Mitarbeiter, zu der auch Arbeiter aus den Standorten Krefeld und Mönchengladbach mit Bussen angereist.

Positiv überrascht war die Belegschaft, als mit Heinrich Fischer der neue Chef vorgestellt wurde. Schließlich war Fischer bis zur Übernahme von Schlafhorst durch Oerlikon im Jahre 2007 Leiter des Übach-Palenberger Werkes. Bis zu jenem Zeitpunkt gehörte Schlafhorst zur Saurer-Gruppe. Jetzt soll, so berichtete Klein nach der Betriebsversammlung weiter, die „New Saurer“ im Auftrag der Chinesen Schlafhort führen.

Fischer habe vor der Belegschaft seine Visionen von „New Saurer“ rübergebracht. „Wir betreiben mit Textilmaschinen ein zyklisches Geschäft. Oerlikon konnte aber nie mit Zyklen umgehen und wollte sich von Schlafhorst trennen. Die Erwartungshaltung von ‚New Saurer‘ ist da realistischer“, erklärte Klein, der seit 32 Jahren in dem Übach-Palenberger Unternehmen arbeitet. In jüngster Zeit hat er festgestellt: „Wir machen Gewinne, wir sind kein Sanierungsfall. Aber der Gewinn war für Oerlikon zu wenig, die Aktionäre haben eine höhere Erwartungshaltung. Deshalb sind wir froh, dass Saurer uns zurückgekauft hat.“

Ziel des Betriebsrates sei der Erhalt aller Schlafhorst-Standorte Übach-Palenberg, Krefeld, Oberviechtach, Ebersbach, Kempten im Allgäu, Münster, Fellbach und Hammelberg und natürlich der Erhalt aller Arbeitsplätze von Oerlikon Textile, so Klein, der auch stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender ist. Alleine am Standort Übach-Palenberg sind rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt.

Keinesfalls pessimistisch blickt nach dem Verkauf auch Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch in die Zukunft. „Oerlikon Schlafhorst ist in den vergangenen Jahren schon mehrfach verkauft worden. Und wenn für ein Unternehmen eine halbe Milliarde Euro bezahlt wird, erwartet der neue Inhaber, dass Gewinne abgeworfen werden“, so Jungnitsch. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Standort Übach-Palenberg gesichert ist, seien Investitionen in neue Baumaßnahmen in Höhe von mehreren Millionen Euro.

Mit einer Investition von fünf Millionen Euro wird der Bau eines neuen Technologiezentrums realisiert. In dem Zusammenhang erinnert Jungnitsch auch an die Verlegung des Hauptsitzes von Mönchengladbach nach Übach-Palenberg. „So sehe ich, dass auch mit einem chinesischen Eigentümer Schlafhorst der größte Arbeitgeber in der Stadt bleibt.“ Für die Zukunft habe er keine Befürchtungen. „Als Bürgermeister dieser Stadt habe ich großes Interesse daran, unsere chinesischen Ansprechpartner persönlich kennenzulernen und möglichst weitere Investitionen zu besprechen.“

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