Besuch in den Ateliers: Die stete Suche nach neuem Können

Von: Markus Bienwald
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Psychiater Hans-Leo Sötzen und Strickkünstlerin Simona Schleypen zeigten in Geilenkirchen, was Kunst bedeuten kann. Foto: Markus Bienwald

Gangelt/Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Ein quadratischer Zettel mit wenigen Zentimetern Kantenlänge reicht Harry Smeets. Er reicht, um ein paar Dinge über ihn zu erfahren, die er in einer wachen Nacht vor dem jüngsten „Kunsttour“-Wochenende aufgeschrieben hat.

„Mach Dich auf die Suche nach Deiner besonderen Gabe“, steht da in gut lesbarer Handschrift. Den Satz hat er von Paolo Coelho entliehen, und er dürfte selbst einem Tausendsassa wie Harry Smeets gut zu Gesicht stehen. Der Heilpädagoge und Kunsttherapeut schafft nicht nur in Glas und Bronze, wie beispielsweise den Ehrenbürgerpreis seiner zur Heimat gewordenen Gemeinde Gangelt. Der gebürtige Niederländer ist gerade dabei, sich bei der Akademie für Plastische Kunst im belgischen Genk fortzubilden. Mit 68 Jahren, was für ihn zu seinem bewegten Leben gehört wie der Vlaa zum Kaffee. Auch wenn es auf den ersten Blick in volle Regale den Anschein hat, dass er sich in seinem Haus permanent dem Schaffen widmet, ist dem nicht so.

„Meine Frau sieht mich denken mit Kunst, die sieht mich auch leben mit Kunst“, verrät Harry Smeets. Damit meint er, dass ihn vor allem persönliche Begegnungen zur Kunst inspirieren. Dabei geht er schnellen Schrittes in sein lichtdurchflutetes Atelier, kramt ein paar Fotos hervor und zeigt einen kahlköpfigen Mann mittleren Alters und mit Charakter im Kopf. „Den habe ich für meine erste Skulptur genommen“, sagt Smeets und zückt einen wahrlich kontrastreichen weißen Schädel, der beeindruckend plastisch wirkt. Licht schafft seine Kunst und Kontraste, das Malen mit Licht haben ihn überhaupt erst zu seiner Arbeit gebracht, haben aus ihm den Künstler gemacht, der – aus tiefem Glauben heraus – auch viel für Kirchen schafft. „Die Resultate meiner Kunst überraschen mich immer: Ob nun positiv oder negativ“, schließt er.

Kontraste könnten auch die Überschrift über dem Gesamtwerk von Hans-Leo Sötzen stehen. Der Psychiater hat in seinem Haus und Garten in Geilenkirchen und eigentlich überall auf seinem Grund zur Kunsttour Objekte, Bilder und Faszinierendes gesammelt. „Die Ausstellung heißt ‚Just for Fun‘, und die Bilder gründen auf dem Motto ‚Wer suchet, der findet‘“, fasst er es kurz zusammen. Ganz und gar nicht kurz ist der Rundgang durch sein Haus. Überall, auch in den kleinsten Ecken findet sich Kunst. „Mir geht es um inszenierte Natur“, hebt er hervor, deutet auf eine in Blaustein gefasste Baumwurzel, die dort quasi eingespannt zu schweben scheint. Gleichzeitig bewahrt er an diesem Kunstwochenende auch die Strickkunst von Simona Schleypen.

Sie verzierte auch ein paar Steinfiguren, umhüllte kunstvoll Sitzgelegenheiten und nutzt mit „Simona Leon“ auch das gemeinsam kreierte Label. Auf Letzteres kann Monika Eßer sicherlich und leicht verzichten. Die Künstlerin, die in der Übach-Palenberger Dammstraße ihr Atelier hat, ist vielseitig. Kontraste sind auch ihr ausgesprochen wichtig, in allem, was sie tut. Malerei und Fotografie schließen sich für sie nicht aus, werden eigentlich zur kongenialen Mischung. „Ich habe ein paar Bilder auf Leinwand drucken lassen“, erzählt sie, lässt den Gast das leichte und sich immer leicht bewegende, nie plane Material spüren. Wie passend dazu hat sie das Motiv gewählt: Gut gefüllte Wäscheleinen, die sich in Venedigs wasserdurchströmten Gassen so ablichten lassen, dass sich die Wäsche des Tages im Wasser spiegelt.

Auch Kunst könnte dort hängen, denkt der Betrachter, rückt von den Fotografien ab hin zur unglaublich vielschichtigen Malerei Monika Eßers. „Ich bin gerade dabei, wieder freier zu malen“, sagt sie und meint damit den Stil, der sich in ihrem nicht endenden Schaffensprozess weg von der Form und Wiedergabe bewegt. Oder auch nicht, denn eins ihrer neuesten Werke zeigt eine Entdeckung, die sie in einer alten Schatulle ihrer Mutter machte. Kleine Hasenfiguren kamen zum Vorschein und ein altes, besticktes Kissen. Alles nahm sie mit zur Kunsttour, drapierte es auf einem Ständer und ließ so den Betrachter die Idee sehen, die hinter dem großformatigen Bild steckt.

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