Geilenkirchen - Beim Bürgertreff wird über die Folgen des Diesel-Skandals diskutiert

Beim Bürgertreff wird über die Folgen des Diesel-Skandals diskutiert

Von: jpm
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Diskutierte im Bürgertreff mit rund 30 Gästen: Oliver Krischer, Bundestagsmitglied der Grünen. Foto: J. Mönch

Geilenkirchen. Eigentlich ist es für einen Grünen unstatthaft, mit einer Dreckschleuder durch die Gegend zu fahren, Oliver Krischer hat trotzdem eine. Und er berichtet sogar davon, ungefragt. „Ich habe einen Passat, einen Euro-6-Passat“, sagt Krischer. „Ich dachte mir, mit einem Passat mache ich nichts falsch.“ Mittlerweile weiß er das aber besser.

Er ließ das Fahrzeug testen, und siehe da: Es überschritt die Stickoxid-Werte um ein Vielfaches. Krischer ist einer von Millionen, die sich von der Industrie betrogen fühlen. Nun diskutierte der Dürener, einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, im Geilenkirchener Bürgertreff mit den Besuchern über den Diesel-Skandal.

Es war in den vergangenen Jahren nicht immer leicht, ein Grüner zu sein. Zuerst schnappte Angela Merkel der Partei ihr Lebensthema weg, die Kernkraft, auf der anderen Seite erwarb man sich den wenig schmeichelhaften Ruf einer Partei der Nörgler und Allesverbieter. Die Wahlergebnisse waren nicht mehr gerade toll. Vielleicht ändert sich das bald. Der Diesel-Skandal nimmt dieser Tage immer dramatischere Ausmaße an, gerade aus Sicht von Grünen ist das eine Katastrophe. Aus Sicht von Grünen im Wahlkampf ist es aber zugleich eine Steilvorlage. Oder vielleicht darf man an dieser Stelle sagen: Es ist ein Software-Update. Tatsächlich stiegen die Umfragewerte jüngst wieder. Die Grünen haben die Chance, Deutschland zu beweisen, dass es eine starke grüne Fraktion im Bundestag braucht.

Im Bürgertreff klingt das etwa so: „Wenn man eines Tages in die Geschichtsbücher guckt, wird dies der Anfang vom Ende der Dieseltechnologie gewesen sein.“ Oder so: „Das Kraftfahrt-Bundesamt versteht sich als Dienstleister der Automobilindustrie!“ Oder auch so: „Ich halte es ehrlich gesagt für eine Verhohnepipelung, wenn ein Premium-Hersteller namens Daimler sagt: Wir bauen die besten Motoren der Welt, aber bei unter 17 Grad funktioniert die Abgasreinigung nicht. Dann sind die Motoren nicht premium, dann sind die Motoren Schrott!“ In Wirklichkeit hätten „ganz banale Gründe“ zu den verschiedenen Abschaltvorrichtungen geführt, die die Ingenieure ersonnen haben: Man habe den Käufern keine Einbußen in Sachen Komfort zumuten wollen, da ist sich Krischer sicher.

Oliver Krischer ist nicht mehr irgendein Grüner, er ist auch nicht irgendein Bundestagsabgeordneter, der zufällig aus unserer Region kommt. Er zählt dieser Tage zu den gefragtesten Ansprechpartnern, wenn es um den Skandal geht, was auch daran liegt, dass er Teil des Untersuchungsausschusses ist. Am Abend vor dem Gastspiel in Geilenkirchen war er noch für Millionen Zuschauer in der Tagesschau zu sehen. Im Bürgertreff hören ihm um die 30 zu. Er und Geilenkirchens Grünen-Chef Jürgen Benden kennen sich schon lange.

Dass das Thema sich von den Grünen so gut besetzen lässt, hängt nicht ausschließlich damit zusammen, dass sie eben die Umweltpartei sind, sondern auch mit den anderen. Die SPD hat den Nachteil, dass sie selbst Teil der Regierung ist und dass ihr niedersächsischer Ministerpräsident sich von VW in einer Regierungserklärung hat herumkritzeln lassen. Die CDU indes hat in den Augen eines großen Teils der Öffentlichkeit ohnehin den wirtschaftsnahen Part besetzt. Und die CSU ist ja in der undankbaren Situation, den Verkehrsminister zu stellen.

An Alexander Dobrindt arbeitet Krischer sich im Bürgertreff am meisten ab, sein Name fällt sicherlich drei, vier Dutzend Male. Dobrindt, der Untersuchungen zurückgehalten habe. Dobrindt, der die Konzerne mit Samthandschuhen anfasse. Dobrindt, der nicht erkennen wolle, dass mit der aktuellen Tour auch der Industrie geschadet werde. Die Kanzlerin hingegen, deren Richtlinienkompetenz für Dobrindt gilt, kommt praktisch gar nicht vor. „Was würde ein Verkehrsminister Krischer anders machen?“, fragt Jürgen Benden seinen Parteifreund. Der antwortet, dass der Entzug der Typengenehmigungen ein „scharfes Schwert“ sei, das sei ja auch der Grund, dass VW in den USA spure.

Vielleicht wird Krischer ja irgendwann mal in die Lage versetzt, dieses Schwert ziehen zu können, wer weiß das schon.

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