Übach-Palenberg - Behinderten Menschen eine Chance geben

Behinderten Menschen eine Chance geben

Von: Markus Bienwald
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Das tägliche Brot: Meister Gerd Gottschalk schaut Azubi Kevin Ludwig bei der Arbeit über die Schulter. Foto: Markus Bienwald
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Der stellvertretende LVR-Vorsitzende Lorenz Bahr (l.) überreichte im Beisein von Karin Fankhaenel, Leiterin des Integrationsamtes beim LVR (M.), und Kreis-Sozialdezernentin Liesel Machat (r.) das Prädikat an Gerd (2.v.l.) und Dieter (2.v.r.) Gottschalk. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Eine Skulptur und ein Zertifikat sind das Neueste, was Gerd Gottschalk nun in seinem Büro stehen hat. Dabei hat es der erfahrene Tischler, der gemeinsam mit seinem Bruder Dieter die Innenausbaufirma „Gottschalk“ an der Heerlener Straße in Scherpenseel führt, eigentlich gar nicht darauf angelegt, vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) damit ausgezeichnet zu werden.

„Was ich positiv finde, ist, dass unser Engagement in der Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst der Agentur für Arbeit damit ausgezeichnet wurde“, sagt er zu der offiziellen LVR-Auszeichnung als behindertenfreundlicher Arbeitgeber.

So bildet der Betrieb seit 2012 einen schwerbehinderten Jugendlichen aus und hat sich zum Ziel gesetzt, jährlich einen Menschen mit Behinderung auszubilden. Zusätzlich ist Gottschalk auch Partner einer regionalen Werkstatt für Menschen mit einer Behinderung und bietet dort beschäftigten Jugendlichen regelmäßig Praktikumsplätze an. „Wir wollen auch diejenigen unterstützen und auf die Arbeitswelt vorbereiten, die es ganz besonders schwer im Leben haben“, so Gerd Gottschalk bei der Ansprache zur offiziellen Zertifizierung.

Von stolz sein auf das, was das Team des handwerklichen Betriebes hier täglich leistet, sprach der stellvertretende LVR-Vorsitzende Lorenz Bahr bei der Verleihung des Zertifikats. Und auch davon, dass Menschen mit einer Behinderung „gute und außerordentlich motivierte Beschäftigte sein können“, wie Bahr betonte. Für Gerd und Dieter Gottschalk ist das tägliches Tun und Erleben. Eine besondere Betonung des Engagements in diesem Bereich war dabei nie das Ziel der beiden Geschäftsführer, die in der zweiten Generation den Handwerksbetrieb führen. „Es gibt gute und schlechte Betriebe, mit denen wir dennoch gemeinsam auf einer Baustelle zusammenarbeiten müssen“, sinniert Gerd Gottschalk, als der Besuch des LVR vorbei ist und die Stuhlreihen für den offiziellen Teil längst weggeräumt sind.

So sei es auch im Betrieb, hier gebe es Mitarbeiter, die perfekt ins Unternehmen passen und Menschen, denen selbst mit dem Wunsch, Tischler zu werden, der Traumberuf noch immer nicht angedient ist. „Die Menschen der heutigen Generation ticken anders“, weiß Gerd Gottschalk, der selbst 1987 seinen Meistertitel machte. Zehn Jahre später übernahm er mit Bruder Dieter von Vater Gustav den Betrieb und bildet seitdem junge Menschen im Handwerk aus. „Wenn die Leute ein paar Wochen hier sind, dann weiß man schon, ob die was können“, sagt er auch mit der Erfahrung aus vielen Prüfungen, die er als Teil des Meisterprüfungsausschusses in der Kammer vorweisen kann.

Und dabei, betont er, komme es ganz sicher nicht darauf an, ob der Mensch ein Handicap habe oder nicht. Er freut sich aber immer noch über den ersten Mitarbeiter mit einer Behinderung, der vor etlichen Jahren im Betrieb eine Chance bekam. „Wir haben ihn als Holzarbeiter eingestellt“, blickt Gerd zurück. Es habe funktioniert mit dem jungen Mann, er passte in den Betrieb, und so wuchs unmerklich die Ausrichtung auf das, was nicht von Behinderung oder „Normalität“ abhängt, sondern von Talent.

Talent und Können

„Wir arbeiten hier mit hochmodernen Maschinen“, zeigt der Meister in die von Holzduft erfüllte Produktionsanlage, „da muss man Maschinen bedienen können, aber auch handwerkliches Geschick haben.“ Doch nicht nur die Ausbildung steht für den Handwerker im Mittelpunkt, als Geschäftsmann muss er natürlich auch sehen, dass der Betrieb läuft. Schließlich produzieren die Brüder Gottschalk hier nicht nur auf eigenen Auftrag, sondern auch für Kollegen aus der Branche.

„Und da ist es natürlich ein echtes Glücksgefühl zu sehen, wenn diese Menschen es schaffen, sich im Beruf durch Talent und Können durchzusetzen“, sagt er im Brustton der Überzeugung. Und ob es nun wichtig ist, dass ein Zertifikat an der Wand hängt und eine Statue mit drei stilisierten Personen unterschiedlicher Farbe und Größe, denen alle eine helfende Hand auf den Schultern liegt, im Büro steht, lässt Gerd Gottschalk offen. „Denn wenn die Arbeit Spaß macht, ist es doch ideal.“ Da zähle es nicht, schließt der erfahrene Ausbilder, woher der Mensch komme. „Talent ist die Grundlage“, meint er, „und wenn auch vermeintlich schwächere Leute praktisch etwas umsetzen können, warum sollen wir das dann nicht so machen?“

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