Beecker Wehr kämpft um ihre Existenz

Von: Jan Mönch
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Gähnende Leere: Das Beecker Einsatzfahrzeug wurde vom Eigentümer, dem Bund, verkauft. Foto: Jan Mönch
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In Beeck ist man stolz auf seine 83-jährige Feuerwehrtradition. Die könnte ein jähes Ende finden.

Geilenkirchen-Beeck. Manchmal müssen nur einige Wochen vergehen, und ein Text erscheint im Gang der Ereignisse in einem völlig neuen Licht. Die Pressemitteilung, die die Stadt Geilenkirchen in der ersten Septemberhälfte herausgab, ist so ein Fall.

Es ging um die Beecker Löscheinheit der Freiwilligen Feuerwehr und darum, dass das Einsatzfahrzeug aufgegeben werden müsse. Die Rede war von „verlässlicher Partnerschaft“, der „finanziellen Situation“ der Stadt und von „engen Spielräumen“. Nach ein paar Dutzend Zeilen, im allerletzten Satz, praktisch der Vollständigkeit halber, wurde dann erwähnt, dass der Standort Beeck aufgegeben werden müsse. Der ganze Aufsatz las sich so, als habe der Autor inmitten eines Minenfeldes gesessen.

Im übertragenen Sinne stimmt das auch, wie jeder feststellen wird, der sich innerhalb der Löschgruppe umhört. Die zwölf aktiven Kameraden, aus denen die Beecker Feuerwehr sich momentan noch zusammensetzt, sind alles andere als einverstanden mit der Aufgabe ihres Standorts. Das ist noch nicht überraschend. Doch sie beklagen darüber hinaus, wie von Seiten der Stadt in den vergangenen Wochen mit ihnen und ihrem Ehrenamt umgegangen worden sei. Wenn die erhobenen Vorwürfe stimmen, geht es bei der Geschichte im besten Fall um ein Beispiel schlechten Stils, der durchaus empfindliche Folgen für die Feuerwehr insgesamt haben könnte.

Im schlechtesten Fall geht es um eine Verschlechterung des Brandschutzes, was sich allerdings objektiv nicht so leicht nachweisen lassen dürfte. Vorgesehen ist, dass Beeck in Zukunft von den Einheiten in Prummern und Würm abgedeckt würde, denn von beiden Dörfern aus wäre Beeck innerhalb von acht Minuten – vom Zeitpunkt der Alarmierung an gerechnet – zu erreichen.

Das Beecker Einsatzfahrzeug gehörte nie der Stadt, es wurde von der Bundesrepublik zur Verfügung gestellt und seine Kosten teils auch durch den Kreis Heinsberg getragen. In Beeck wusste man seit Jahren, dass es damit irgendwann vorbei sein würde. Auch dass die Löscheinheit zumindest auf der Kippe stand, stand im Brandschutzbedarfsplan. Was die Kameraden aber ärgert, ist, dass sie wochenlang der Information hinterherlaufen mussten, was aus ihnen wird.

Nur durch Zufall hätten sie im Internet ein Inserat entdeckt, auf denen ihr Fahrzeug feilgeboten wurde, heißt es. Auf ihr Drängen hin gab es im August ein Gespräch in der Stadtverwaltung, nach dem man aber auch nicht viel schlauer gewesen sei als vorher. Im September musste man dann oben genannte Pressemitteilung der Stadt in der Zeitung lesen.

Auf weiteres Drängen hin hat die Stadt ihnen nun schriftlich vier Optionen aufgezeigt, aus denen jeder einzelne der Kameraden wählen kann: der Wechsel in die Löscheinheit Prummern, der Wechsel in die Löscheinheit Würm, die Beurlaubung vom Feuerwehrdienst von bis zu einem Jahr – oder das endgültige Ausscheiden aus der Feuerwehr. Der Brief mit der Betreffzeile „Zukunft der Löscheinheit Beeck“ wurde unterschrieben von Stadtbrandmeister Michael Meyer und Bürgermeister Georg Schmitz.

Der Stadtbrandmeister als Chef der Feuerwehr verteidigt das Vorgehen der Stadt. Man müsse wissen, sagt der Feuerwehrchef, dass ja vor rund fünf Jahren schon die Fusion zwischen den Einheiten Würm und Beeck in kleinen Schritten angegangen werden sollte. Die Beecker hätten davon aber nichts wissen wollen, obwohl klar gewesen sei, dass ihr Einsatzfahrzeug über kurz oder lang nicht mehr verfügbar sein würde. Auch das habe zur jetzigen Situation beigetragen. Meyer sagt, dass noch viele Gespräche geführt werden müssten, bis endgültige Klarheit bestehe. Allerdings hätten die Beecker „weder feuerwehrtechnische noch feuerwehrtaktische Argumente“ vorgebracht, die gegen den Brandschutzbedarfsplan sprechen. Er hoffe, dass möglichst viele bereit sind, nach Prummern oder Würm zu wechseln.

Nach Stand der Dinge wird das allerdings nicht geschehen. Es hat die zwölf Beecker Feuerwehrleute nicht viel Mühe gekostet, geschlossen eine Entscheidung zu treffen. Man wird sich ein Jahr lang beurlauben lassen, ist aus ihren Reihen zu hören. Denn einen Wechsel in die anderen Einheiten kann sich zurzeit noch keiner vorstellen. Ganz ausscheiden will man aber zumindest jetzt noch nicht. Käme es nach einem Jahr doch dazu, würde das bedeuten, dass der Löschzug vier, der neben der 83 Jahre alten Einheit Beeck aus Nirm und Würm besteht, mehr als ein Viertel seiner Mannschaft verliert und Geilenkirchens Freiwillige Feuerwehr insgesamt rund fünf Prozent. Die Feuerwehr wird daran nicht zugrunde gehen. Doch hält man sich vor Augen, dass es ohnehin immer schwieriger wird, Leute für das Ehrenamt im Allgemeinen und die Feuerwehr im Speziellen zu gewinnen, müsste diese Aussicht der Wehrleitung zumindest einige Bauchschmerzen bescheren.

Aus der Einheit will sich niemand namentlich zitieren lassen, man fürchtet wohl, sich Ärger einzuhandeln. Ein guter Ansprechpartner zum Thema ist aber Lars Speuser, der selbst Feuerwehrmann ist, aber Wert darauf legt, als Ratsherr der CDU zu sprechen. Er respektiere die Entscheidung der Wehrleitung, sagt Speuser, macht aber deutlich, dass bekannt gewesen sei, dass die Beecker Kameraden nicht wechseln wollen und vor diesem Hintergrund wohl auch eine andere Lösung denkbar und der Überlegung wert gewesen wäre. „Ich halte es für sehr gut möglich, dass zumindest die Anschaffung eines gebrauchten Fahrzeugs von der Politik mitgetragen worden wäre“, sagt er.

Genau damit wären die Beecker auch völlig einverstanden. „Wir brauchen ja gar kein neues Fahrzeug. Uns reicht ein gutes gebrauchtes“, sagt einer von ihnen. In Beeck hat man auch recherchiert, was in der Zwischenzeit aus dem alten Fahrzeug geworden ist. Ein Händler aus Süddeutschland habe es für gute 3000 Euro vom Bund gekauft, mittlerweile biete er es für knapp 7000 wieder zum Kauf an. Mit neuer TÜV-Plakette, auch eine Abgasuntersuchung wurde gemacht.

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