Beecker Backes: Frisches Brot wie von Oma gebacken

Von: CHRISTINA KOLODZEY
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Alle rissen sich um die verlockend duftenden Pizzen, die an diesem Nachmittag angeboten wurden. Foto: Christina Kolodzey
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Der Andrang war groß beim Backes-Fest im Stadtteil Beeck. Die Besucher freuten sich, wenn sie ein freies Plätzchen fanden. Foto: Christina Kolodzey
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Ein Teil des „Backes-Teams“ vor dem Backes. Die freiwilligen Helfer hatten alle Hände voll zu tun. Foto: Christina Kolodzey

Geilenkirchen. Das bodenständige Leben auf dem Lande bietet viele Vorteile – einer davon ist sicherlich, köstliches Brot aus einem urigen Backhaus von anno dazumal zu schlemmen. Hierzu hatten kürzlich auch die Menschen aus der Stadt die Gelegenheit.

Wie in jedem Jahr am zweiten Augustsonntag verwöhnten Beecks fleißige Backfrauen die zahlreich herbeigeströmten Brot-Gourmets. Die köstlichen Objekte der Begierde wurden aus dem „Backes“ gezogen – einem Gemeinschaftsofen, von denen es früher in Dörfern viele gab und worin jeder einmal in der Woche sein Brot backen konnte.

Diese Tradition hat die rund 250 Mitglieder starke „Interessengemeinschaft Dorfverschönerung Beeck“ im Jahre 1995 wieder aufleben lassen, als sie ein Backhaus nach historischem Vorbild errichtete – getreu dem Sprichwort „Brot essen ist keine Kunst, aber Brot backen“. Ihr Vorsitzender Detlef Kerseboom erzählt, dass es von den Mitgliedern in Eigenarbeit gemauert wurde, wobei sie die Erfahrung der älteren Einwohner Beecks mit einfließen ließen. Er betont: „Jetzt wird dort einmal im Monat für den Verein gebacken, aber wir freuen uns jedes Jahr auf das Backesfest, weil wir dann die Brote allen Interessierten anbieten können.“

Er organisiere die Veranstaltung, und ihr Erlös komme der Vereinsarbeit zugute. 70 Mitglieder helfen beim Fest mit – sei es beim Auf- und Abbau, beim Verkauf der Getränke und Erzeugnisse, der Musikbeschallung, Moderation oder im Spüldienst.

Zu den wichtigsten zählen unzweifelhaft sechs „Backfrauen“ und ein „Backmann“, die schon eine Woche vorher mit der Herstellung der Brote beginnen und sonntags tatkräftig von der zwölfjährigen Laura Köhler unterstützt werden, die bereits seit drei Jahren mit viel Freude dabei ist.

Tagsüber wurde gebacken, doch der Ofen musste bereits an den Abenden zuvor jeweils mit zwei Schubkarren voll Holz befüllt werden, wobei sich drei Heizer abwechselten. Einer von ihnen ist Manfred Flöck. Er verrät: „Das Holz kommt erst in den vorderen Teil des Backofens und wird dann nach hinten geschoben, damit sich die Wärme gleichmäßig verteilt. Später wird alle Glut herausgeholt und der Ofen sauber ausgefegt. Nur mit der Restwärme werden dann die Backwaren gegart, daher ist tüchtiges Vorheizen überaus wichtig.“

Die vorbereitete Menge kann sich sehen lassen: 200 Schwarzbrote, 100 Weißbrote, 100 Zöpfe, 30 Rosinenbrote und 90 Fläden – auch „Fla“ genannt. Dazu kommen 60 Pizzen, die erst am Tag der Veranstaltung gebacken werden sowie ein Riesentopf deftige Gulaschsuppe.

Sandra Köhler und Petra Kamp, zwei der „Backfrauen“, garantieren: „Alle Brote sind naturrein, ohne jegliche Fremdstoffe, und die Körner und Saaten werden von der Stratener Mühle geliefert. Von ihr haben wir auch das altüberlieferte Rezept für das Schwarzbrot bekommen, das zwei Stunden backen muss und bei den Besuchern der absolute Renner ist.“ Die Qualität hat sich herumgesprochen: Schon lange vor Beginn des Verkaufs um 11 Uhr wird die Schlange der Feinschmecker, die aus dem ganzen Kreisgebiet herbeigeströmt sind, immer länger. Jeder möchte die begehrten Brote und Fläden ergattern, wobei die Menge pro Besucher auf höchstens zwei Schwarz- und zwei Weißbrote reglementiert ist. „Eine notwendige Maßnahme“, so Kerseboom, „weil manche Leute bis zu 18 Brote gekauft haben und schon mittags alles weg war.“

Doch auch diesmal tönt es bereits um 13.10 Uhr aus dem Lautsprecher: „Alle Brote sind ausverkauft!“ Während nun die einen an den frisch aus dem Ofen gekommenen, verlockend duftenden Pizzen Schlange stehen, laben sich die anderen längst an der pikanten Gulaschsuppe. Sie schmausen in der Halle, wo in diesem Jahr ausnahmsweise auch der gesamte Verkauf stattfindet, da sich draußen am Vortag die Wespen überfallartig auf das Gebäck gestürzt hatten – auch unter ihnen scheint es zahlreiche Leckermäuler zu geben.

Frisch gestärkt, genießen es die Besucher, über das Gelände zu flanieren. Auch hier draußen locken kullinarische Köstlichkeiten: Aus dem Räucherofen eines Geilenkirchener Fischhändlers riecht es verführerisch nach Lachsforelle, ein Weinstand von der Nahe wirbt mit edlen Rebengewächsen, und ein Imker bietet köstlichen Bienenhonig feil, nebst einer Wabe mit den fleißigen Tierchen – diese allerdings nur als Anschauungsmaterial.

Auch Stände mit Schmuck und Dekorationsartikeln sowie selbstgebastelten Glückwunschkarten laden zum Verweilen ein, während sich die jüngsten Besucher auf dem Kinderkarussell und mit einem ferngesteuerten Mini-Traktor vergnügen. Französische Chansons, einfühlsam gesungen und ausdrucksstark auf dem Akkordeon begleitet von Lothar Meurnier aus Wülfrath, der zum ersten Mal auf dem Backesfest spielt und auch in Zürich und Hamburg auftritt, untermalen das Geschehen unaufdringlich und verleihen dem Fest bei herrlichem Sommerwetter eine gemütliche, entspannende Atmosphäre.

So ist es kein Wunder, dass die Resonanz der zahlreichen Gäste überaus positiv ist, so auch bei Ingrid und Dieter Neumann aus Lindern: „Wir kommen jedes Jahr her, und das Brot erinnert uns an unsere Kindheit – wie von Oma gebacken.“

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