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Baufirma Thole: Kündigung vier Tage vor Baubeginn

Von: Jürgen Lange und Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
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Der Umbau der Rathausstraße verzögert sich um 13 Wochen: Die Stadt hat der beauftragten Firma gekündigt. Lube & Krings beginnt nun nach Vorbereitungen und Ferien am 14. August. Foto: J. Lange

Geilenkirchen/Stolberg. Die Geilenkirchener Baufirma Tholen hat wieder einmal Ärger mit einem öffentlichen Auftraggeber, dieses Mal mit der Stadt Stolberg. „Wir haben die Reißleine gezogen“, bestätigt Bürgermeister Tim Grüttemeier (CDU) auf Anfrage unserer Zeitung eine wohl außergewöhnliche Entscheidung der Kupferstadt.

Vier Tage bevor der Umbau der zentral gelegenen Rathausstraße am Montag beginnen sollte, hat Stolberg die damit beauftragte Firma Tholen gestoppt. Per Boten und gegen Empfangsbestätigung wurde der GmbH am Mittwoch die Kündigung durch die Stadt ausgehändigt. „Die Sorgen um unseren Einzelhandel und die Bürgerschaft waren einfach zu groß“, erläutert der Stolberger Bürgermeister die Beweggründe.

Die Verwaltung hat befürchtet, dass Tholen zwar am Montag die Baustelle auf der Rathausstraße eingerichtet hätte, es dann aber zu noch größeren Verzögerungen und erheblicheren Überschreitungen von Bauzeit und -abläufen gekommen wäre, als sie jetzt durch die verschobene Neubeauftragung eintritt.

Am Freitag dann erhielt Grüttemeier eine erste Antwort der Firma: Die Voraussetzungen für eine außerordentliche Kündigung lägen nicht vor, heißt es in einem Fax von Tholens Rechtsanwalt Dr. Hans Schreven, das unserer Zeitung vorliegt. Angeführt werden formale wie materielle Gründe. Es bestünde „keine Veranlassung zu der Annahme, dass die Bauunternehmung Tholen die Arbeiten nicht wie gewünscht Anfang November fertiggestellt hätte“.

Zu dem Zeitpunkt, an dem das Fax im Stolberger Rathaus eintrudelte, war nichtsdestoweniger längst ein neues Unternehmen beauftragt: Lube & Krings aus Aachen übernimmt die Umgestaltung von Rathaus- und Salmstraße, begonnen wird nun erst am 14. August. Dadurch wiederum verschiebt die voraussichtliche Fertigstellung sich massiv.

Dass dies in Kauf genommen wird, zeigt, dass die Differenzen zwischen Tholen und Stolberg unüberbrückbar gewesen sein müssen. Vertraglich vereinbarte Leistungen wie Bauzeitenpläne seien durch das Unternehmen nicht vorgelegt worden, heißt es aus dem Rathaus. Die Firma ihrerseits habe mehrfach Unterlagen nachgefordert, die aus Sicht der Verwaltung und des von ihr beauftragten Ingenieurbüros aber längst zur Verfügung gestellt worden seien.

„Angesichts der Erfahrungen, die andere öffentliche Auftraggeber mit dem Unternehmen beispielsweise am Aachener Kreuz oder in der Aachener Innenstadt gemacht haben, konnten und wollten wir dieses Risiko für unsere Innenstadt einfach nicht eingehen“, sagt Grüttemeier.

Die Entscheidungen dazu sind ganz offiziell per Dringlichkeitsbeschlüssen gefallen, die als Vertreter des Stolberger Stadtrates Peter Jussen mit unterzeichnet hat. Der SPD-Ratsherr ist Vorsitzender des Bau- und Vergabeausschusses, der auf der Sitzung am 6. April nach Ausschreibung und Submission den Auftrag an den wirtschaftlichsten Bieter vergeben hatte, nämlich Tholen. Mit Lube & Krings kommt jetzt der zweitgünstigste Anbieter zum Zuge. Für die entstehenden Mehrkosten in fünfstelliger Höhe erwägt die Kupferstadt in Regress zu gehen.

Die Firma Tholen hingegen kündigt mit dem Schreiben ihres Anwalts an, eine Vergütung von 500 000 Euro zu beanspruchen, wenn es bei der Kündigung bleibt, denn es gebe keine „Füllaufträge“, die man stattdessen erledigen könnte.

Weiterhin bietet sie an, „die Angelegenheit kurzfristig in einem persönlichen Gespräch zu erörtern, um der Stadt Stolberg die Möglichkeit einzuräumen, den eigenen Standpunkt zu überdenken“, obschon die Kündigung rechtlich nicht zurückgenommen werden könne. Es gebe jedoch „andere Möglichkeiten der einvernehmlichen Regelung“.

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