Bauchemer Kirche vor dem Abriss unter Denkmalschutz?

Von: Udo Stüßer
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Wann kann die Abrissbirne kommen? Wenn die Bauchemer Kirche unter Denkmalschutz gestellt wird, könnte sich der Bau des geplanten Seniorenzentrums verzögern. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Die Abrissbirne wird zunächst nicht in Bauchem anrücken. Für die Kirche St. Josef, die einem Seniorenzentrum weichen soll, gibt es noch eine kurze Schonfrist.

Während die Franziskusheim gGmbH bei der Stadt Geilenkirchen erwartungsgemäß den Antrag zur Erteilung einer Abbruchgenehmigung für das Kirchengebäude und die angrenzende Tagespflege gestellt hat, fordert der Landschaftsverband Rheinland überraschend, das Bauwerk vorläufig unter Denkmalschutz zu stellen. Für viele sicherlich überraschend ist dieser Antrag deshalb, weil die Kirche erst im Jahr 1974 errichtet wurde.

„Beim Denkmalschutz kommt es nicht nur auf das Alter eines Gebäudes an, auch geschichtlich Neues kann ein Denkmal sein“, erklärt der Technische Beigeordnete Markus Mönter. „Das kann auch dann der Fall sein, wenn ein Gebäude aufgrund des Erscheinungsbildes von architektonischer Bedeutung ist“, erklärt Michael Jansen, bei der Stadt Geilenkirchen zuständig für die Aufgaben der Unteren Denkmalbehörde. Die architektonische Bedeutung dieses typischen Vertreters aus den 70er-Jahren könne, so Jansen, in der Raumaufteilung liegen. Während alte Kirchen aus einem Altarraum und einem Längsschiff bestehen, handelt es sich bei St. Josef Bauchem um eine Festtagskirche und Werktagskirche, die sich zu einem Altarraum vereinigen. „In Geilenkirchen einzigartig, im Bistum aber nicht außergewöhnlich“, weiß Jansen.

Dort, wo jetzt die katholische Kirche St. Josef und das Pfarrheim stehen, will die Franziskusheim gGmbH auf einer 6000 Quadratmeter großen Fläche eine Wohn- und Begegnungsstätte mit 54 seniorengerechten Wohnungen, einer neuen Tagespflege und Räume für einen ambulanten Pflegedienst bauen. Nicht ausgeschlossen ist, dass sich später noch ein Apotheker, ein Physiotherapeut oder Friseur niederlässt. Auf jeden Fall wird es sich um betreutes Wohnen handeln. Möglich wurde diese Planung, weil die Filialkirche dringend sanierungsbedürftig ist und die Pfarrgemeinde für die Sanierungsarbeiten nicht das Geld hat. Will man die Kirche nicht verfallen lassen, müssten mehr als 500 000 Euro in die Instandsetzung von Dach, Fenster, Fassade und Heizung gesteckt werden.

Seit dem vergangenen Jahr läuft das Planverfahren bei der Stadt Geilenkirchen, der Abrissantrag ist gestellt. Nun aber hat das Rheinische Amt für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland beantragt, diese Kirche vorläufig unter Denkmalschutz zu stellen. „Damit hat das Amt auf einen Hinweis aus der Bevölkerung reagiert und einen potenziellen Denkmalwert festgestellt“, sagt Mönter. Jansen stellt derweil klar: „Der Denkmalwert steht noch nicht fest, er wurde auch noch nicht gutachterlich dargestellt.“ Deshalb solle die Kirche auch nur vorläufig unter Denkmalschutz gestellt werden. Dann hätten die Wissenschaftler des Amtes für Denkmalpflege bis zu einem halben Jahr Zeit, den Denkmalwert zu begründen.

Aber auch wenn die Kunsthistoriker zu dem Ergebnis kommen, dass ein Denkmalwert vorhanden ist, kann die Kirche dennoch abgerissen werden, und zwar dann, wenn es für den Eigentümer unzumutbar ist, das Gebäude zu erhalten. „Als Ausgleich könnte die Behörde dann eine Dokumentation über das Gebäude verlangen und dann dem Abriss zustimmen“, erklärt Jansen.

Die Mitarbeiter des Amtes für Denkmalpflege müssen sich in nächster Zeit mit der Bedeutung der Kirche beschäftigen, sich fragen, ob die Kirche auf öffentliches Interesse stößt, und klären, ob es für die Pfarrgemeinde zumutbar ist, die Kirche zu erhalten.

Derweil geht das Bauleitplanverfahren bei der Stadt Geilenkirchen weiter, um möglichst wenig Zeit zu verlieren. In diesem Jahr allerdings wird nicht mehr mit dem 1. Spatenstich für den Bau des Seniorenzentrums gerechnet. Wie groß die Zeitverzögerung ist, können Mönter und Jansen nicht einschätzen.

Es könne sich um einige Wochen handeln, es könne aber auch ein halbes Jahr ins Land ziehen, bis die Abrissbirne zuschlägt. Auf jeden Fall wird sich am heutigen Mittwoch der Stadtrat in seiner Sitzung ab 18 Uhr mit dem Thema beschäftigen. Denn der Rat muss die vom Landschaftsverband beantragte vorläufige Unterschutzstellung der Bauchemer Kirche nach dem Denkmalschutzgesetz anordnen.

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