Übach-Palenberg - Barbara Dehmelt stellt Roman vor

Barbara Dehmelt stellt Roman vor

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
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Barbara Dehmelt stellte ihren außergewöhnlichen Roman „grenz:zeiten“ in der Palenberger Buchhandlung Fürkötter vor. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Ein bisschen hatte Franz-Josef Fürkötter bei der Lesung von Barbara Dehmelt in seiner Buchhandlung in Palenberg schon den Schalk im Nacken sitzen. „Frisch von der Leipziger Buchmesse jetzt bei uns in Palenberg“, so kündigte er das Buch von Barbara Dehmelt an.

Die Autorin könnte für den einen oder anderen, der in Übach-Palenberg seine Schulzeit verbracht hat, keine Unbekannte sein, war Barbara Dehmelt doch Lehrerin am früheren Städtischen Gymnasium und heutigen Carolus-Magnus-Gymnasium Übach-Palenberg.

Und so waren an diesem warmen Abend viele frühere Weggefährten gekommen, um das Werk der heute in Aachen lebenden Autorin mitzuerleben. „grenz:zeiten“ heißt der Roman, und mit dem außergewöhnlichen Cover von der Übach-Palenberger Künstlerin Renate Schell wird es auch optisch zum „Grenzgänger“. „Der Verlagsentwurf war beileibe nicht so gut“, erzählte Dehmelt, die sich mit Freuden für das Bild von Schell entschieden habe.

Die Geschichte

Der Roman, der viele biographische Einsprengsel enthält, aber im Grunde eine völlig fiktive Geschichte erzählt, wird in vielerlei Hinsicht seinem Titel gerecht. Nicht nur das Cover, das den eigenen Weg der Autorin unterstreicht, auch der Erzählstil ist ganz besonders.

Es gibt eine Zweiteilung in dem Roman, eigentlich zwei Geschichten in einer: Die eine spielt nach der Jahrtausendwende. Hier geht es um einen Mann, der zum Sterben verdammt ist, und dessen einzige Frage „Wie lange noch?“ sein kann.

Auf der anderen Seite entwickelt sich eine Geschichte, die rund 60 Jahre früher angesiedelt ist und Gäste wie Leser mindestens genauso in ihren Bann zog. Dehmelt beschreibt dabei eine Geburt in Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Noch während die Mutter ihren Mann und den Vater des Kindes auf dem Bahnsteig an die Front verabschiedet, melden sich die Wehen.

Doch Schwäche zeigen, Schmerzen erleben und Hoffnungen Wirklichkeit werden lassen, sind in dieser Zeit ebenso wenig gefragt wie Individualismus. Und so gebärt die Mutter den Sohn, bekommt Wundfieber, das in einer beinahe absurd komischen Trinkrunde mit zwei Flaschen gutem Nordhäuser Doppelkorn kuriert wird.

Doch das Tippeln auf Grenzen bleibt im Leben der Familie, um die es in diesem Werk geht, erhalten. Denn der nahende Tod des Mannes lässt alle zusammenrücken, zeigt persönliche Grenzerfahrungen im Krieg, während der Besatzung oder an der Grenze zur DDR auf.

Grenzen verschwimmen

Und schließlich verschwimmen in Barbara Dehmelts eindrucksvoll geschriebenen Buch an der Grenze zwischen Leben und Tod die Vergangenheit und die Gegenwart. Dass das Ganze nicht nur dank der ausgezeichneten Schreibe, der gekonnten Balance zwischen Detailreichtum und niedergeschriebenem Erleben und den teils saukomischen Szenen wirklich lesenswert ist, erfuhren die Gäste.

Und sie durften auch an der lebendigen, gelösten und wirklich stimmigen Atmosphäre teilhaben, die Barbara Dehmelt bei ihrer Palenberger Lesung entwickelte.

So gab es hier viel Applaus, vielleicht sogar etwas mehr Beifall als in Leipzig, wo die Autorin mit ihrer atemberaubend geschriebenen Grenzerfahrung aber sicher auch für Aufsehen gesorgt hat.

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