Bahnwärterhäuschen wird abgerissen

Von: Georg Schmitz
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20 von 60 Minuten sind die Schranken in der Geilenkirchener Innenstadt geschlossen, hat Grünen-Sprecher Jürgen Benden ausgerechnet. Vor der Planung einer Unterführung wird erst einmal das Bahnwärterhaus (rechts im Bild) abgerissen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Wie nicht anders zu erwarten, prallten bei der von Bündnis90/Grüne veranstalteten Bürgerversammlung zum Thema „Bahnunterführung in Hünshoven” die Meinungen aufeinander.

Grünen-Sprecher Jürgen Benden freute sich über die große Resonanz, denn rund 80 Bürger waren seiner Einladung in die Nikolaus-Becker-Stube gefolgt. „Wir möchten die Bürger frühzeitig beteiligen”, ließ Benden eingangs wissen, bevor er mit der Vorstellung der zwischenzeitlich modifizierten Planung für die Bahnunterführung begann.

„Die Bezirksregierung hat schon die Unterstützung für das Projekt zugesagt, aber es ist noch nichts entschieden”, so Benden. Wenn die Unterführung gewollt sei, würden die Gelder dafür 2014 zur Verfügung stehen. Die ersten, 2009 im Umwelt- und Bauausschuss vorgestellten Pläne seien nicht mehr aktuell. Der Fraktionsvorsitzende ging auf den im Volksmund „Glückaufschranke” genannten Bahnübergang ein. „In der Zeit von morgens 5 bis abends 18 Uhr geht die Schranke sechsmal pro Stunde runter, das bedeutet, mindestens 20 von 60 Minuten ist sie geschlossen”, hatte Jürgen Benden errechnet. So ergebe sich eine Schließzeit von über viereinhalb Stunden während dieses Zeitraumes. Jürgen Benden zeigte den Besuchern anhand von Dias, dass es oft Probleme für im Einsatz befindliche Rettungsfahrzeuge gebe, die vor geschlossener Schranke wichtige Minuten warten müssten.

In Zukunft werde zudem mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagert, so dass von noch längeren Schließzeiten auszugehen sei. Benden erfreute die Zuhörer mit einer positiven Meldung: „In den nächsten Monaten wird das alte Bahnwärterhäuschen abgerissen”. Dieser Umstand sei bei Verhandlungen mit der Bahn erreicht worden. Derzeit gebe es drei mögliche, sich ähnelnde Varianten für das neue Bauwerk mit Unterführung der Bahnlinie. Benden war sich bewusst, dass viele Hünshovener eine Bahnunterführung für den motorisierten Verkehr befürworten, aber einen Übergang für Fußgänger an alter Stelle beibehalten wollen. Dies sei mit der Bahn aber nicht zu machen: „Geld von der Bahn gibt es nur, wenn die Unterführung für alle Verkehrsteilnehmer eingerichtet wird, ein separater Übergang mit Schranken für Fußgänger wird abgelehnt”, so Benden.

Diese etwa 18 bis 20 Meter lange Unterführung müsse man sich aber nicht wie einen dunklen Tunnel vorstellen. Und auch an Stelle der Schranke werde es nach Schließung keine Berliner Mauer geben. Benden: „Dieser Teil wird transparent gestaltet.” Bei der Frage nach den Finanzen und was die Bahnunterführung die Stadt koste antwortete Benden: „Die Bahn, der Bund und die Stadt Geilenkirchen zahlen jeweils ein Drittel, das Drittel der Stadt wird mit 80 Prozent vom Land gefördert.” So liege der Anteil der Stadt nach derzeitigen Schätzungen bei 800.000 bis eine Million Euro.

Dirk Jansen fand es wichtig, dass auch der obere Teil der Konrad-Adenauer-Straße bei eventueller Schließung des Bahnübergangs neu gestaltet wird und wollte in diesem Zusammenhang wissen, ob die Anwohner an diesen Kosten beteiligt würden. Von Jürgen Benden kam ein klares „Nein”: „Laut Stadtverwaltung werden die Anlieger nicht an den Kosten beteiligt.” Stefan Starek fragte nach, ob man nicht mit der Bahn reden könnte, die Schließzeiten für die Schranken zu verringern, dann könne der Status Quo beibehalten werden. „Es ist bekannt, dass die Bahn aus Sicherheitsgründen nicht bereit ist, die Schranken später zu schließen”, ließ Jürgen Benden wissen. In der Versammlung erinnerten sich die Menschen, dass bereits vor 40 Jahren eine Über- oder Unterführung diskutiert worden sei, diese aber damals abgelehnt wurde.

„Wenn wir jetzt ablehnen, werden wir eine Unterführung nicht mehr erleben”, gab Roswitha Eichhorn zu bedenken. Wenn die Unterführung genauso offen gestaltet werde wie in Erkelenz, habe er nichts dagegen, „obwohl ich anfangs skeptisch war”, meldete sich ein Versammlungsteilnehmer zu Wort. „Ich bin es leid, ich habe über drei Monate meines Lebens als Fußgänger vor diesen Bahnschranken gestanden”, erinnerte sich Dr. Stephan Evertz.

„Die Konrad-Adenauer-Straße wird auf einer Seite stillgelegt, das erzeugt für die direkten Anwohner eine tiefe Betroffenheit, für die, die weiter weg wohnen weniger”, sagte Reiner Latten. „Hier geht es um Hünshoven und nicht um Geilenkirchen”, so Reiner Latten. „Ich sehe das so, dass Hünshoven das Opfer für ganz Geilenkirchen sein soll”, beschwerte sich Dirk Jansen. Man müsse die Stadt aber als Ganzes sehen, kam ein Einwurf aus dem Publikum. Die täglichen Verkehrsstaus vor den Bahnschranken seien nicht gut für die Stadt, Einwohner jenseits der Schranken aus Hünshoven würden schon in Baesweiler einkaufen, weil sie so lange vor dem Bahnübergang warten müssten.

Dies seien doch wohl eher die Bürger aus den Baesweiler nahen Außenorten wie Immendorf und Waurichen, kam eine Entgegnung aus der Versammlung. „Geilenkirchen hat heute kein vernünftiges Verkehrskonzept, wir müssen für die Zukunft planen und Geilenkirchen als Einkaufsstadt attraktiv machen. Die Verkehrsplanung muss auf die gesamte Innenstadt ausgerichtet sein”, gab Dr. Stephan Evertz zu bedenken. Stefan Starek verwies auf die vielen Unwägbarkeiten mit unsicherem Ausgang für die Geschäftsleute und verglich diesen Teil von Hünshoven mit der Zerschneidung der Aachener Straße in Palenberg.

„Hier kommen heute keine Leute mehr hin, die Straße ist tot”, so Starek. Das Pro und Contra hielt sich in etwa die Waage, wobei naturgemäß die Anwohner die meisten Einwände gegen die Unterführung vorbrachten. „Ich wäre froh, wenn es endlich so weit wäre”, tat nach fast zwei Stunden Diskussion Jürgen Wagner seine Meinung kund.
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