Badeshort-Verbot im Übacher Freibad

Von: Franz Windelen
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Ein Bild, das es in Übach-Pale
Ein Bild, das es in Übach-Palenberg nicht mehr geben wird: Die Bademeister fischen alle Schwimmer mit Badeshort aus dem Wasser. Foto: ddp

Übach-Palenberg. Auch wenn der Besucher des städtischen „Ü-Bades” in Übach-Palenberg den Eintritt brav gezahlt hat, ist ihm damit noch nicht der Sprung ins kühle Nass garantiert.

Es kommt ganz entscheidend darauf an, welches Badetextil er - respektive sie - trägt. Die Stadt Übach-Palenberg hat nämlich aus „hygienischen Gründen” eine Großoffensive gegen schmutzige Badeklamotten ausgerufen. Damit folgt die Stadt der zwingenden Bitte des Kreisgesundheitsamtes in Heinsberg, die Wasserqualität in dem kombinierten Hallen-/Freibad „aus gesundheitlichen Gründen” einzuhalten.

Probates Mittel ist - neben einer konsequenten und gründlichen Körperreinigung vor dem Betreten der Schwimmhalle - eben auch eine „ordnungsgemäße Badebekleidung”. Die Garderobe fürs Nass ist für Männlein und Weiblein ab sofort klar definiert und deren Einhaltung wird vom Schwimmbad-Personal streng kontrolliert. „Als zulässige Bekleidung gelten: Bikini, Tankini, Badeanzug, Badehosen, Kastenbadehosen”, sagt Helmut Mainz, Leiter des Amtes für Schule, Sport und Wohnungswesen in Übach-Palenberg.

Inklusive Unterhose

Und vor dem Eintauchen ins kühle Nass geht es unter die Dusche. Da gibt es keine Ausreden und kein Pardon - Helmut Mainz: „Die Stadt Übach-Palenberg muss die Umsetzung dieser Hygienevorschriften genau beachten. Die Haus- und Badeordnung des Schwimmbades ist hier einschlägig.” Konsequenz: Die Bademeister fischen ab sofort jeden Schwimmer aus dem Wasser, der in schlabberigen Badeshorts ins Becken gesprungen ist.

Mainz erläutert den Grund: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass es immer wieder Badegäste gibt, die mit dreckigen Sachen ins Wasser gehen.” So würden Jugendliche etwa verschwitzte und dreckige Shorts, die sie zuvor im Alltag oder beim Sport schon getragen hätten, hinterher als Badebekleidung nutzen - inklusive Unterhose. Taschentücher und Zigaretten würden in den Shorttaschen vergessen und im Wasser verloren.

Weibliche Badegäste würden gar ihre Slipeinlagen und Binden nicht entfernen, die sich sodann im Wasser verselbstständigten. „Das ist natürlich ein unappetitliches Thema, aber es ist ein Problem, das wir aus gesundheitlichen Gründen nicht verschweigen dürfen”, sagt Helmut Mainz. Eine Radikalkur im Ü-Bad sei zwingend notwendig.

Die eingebrachten Schmutzpartikel und die Bakterien sind schon abschreckend genug, doch sie sind auch Auslöser für einen weiteren misslichen Zustand: Die automatische Chlorierung des Wassers wird, je nach Grad der Verkeimung, aktiviert.

„Damit werden zuweilen unangenehme Chlorwolken ausgestoßen, die bei Badenden zu gesundheitlichen Problemen führen können”, räumt Mainz ein. So jüngst geschehen beim Schulschwimmen. Kinder bekamen starke Hautausschläge und Pusteln am ganzen Körper. Das war der Moment, als sich das Kreisgesundheitsamt einschaltete, das Übel benannte und nun die Stadt um dessen Beseitigung bat.

Bislang ist die Stadt Übach-Palenberg die einzige Kommune im Kreis Heinsberg mit einem derart rigorosen Reglement. Heißt das im Umkehrschluss, dass die Badegäste dort auch weniger dem Sauberkeitsgebot zusprechen als anderswo? Amtsleiter Mainz winkt vehement ab: „Auf keinen Fall gibt es hier mehr Schmutzfinken als in anderen Bädern.” Das frisch sanierte und erst 2009 wiedereröffnete Bad habe einfach eine moderne, hcohsensible Wasseraufbereitungsanlage, die schon bei leichter Verschmutzung reagiere und Chlor abgebe.

Hygiene ist der eine - sicherlich wesentliche - Aspekt für eine strengere Badeordnung. Aber es gibt auch einen betriebswirtschaftlichen Grund. Helmut Mainz macht folgende Rechnung auf: „Lange, schlabbernde Baumwollshorts saugen Wasser auf. Stark wasseraufnehmende Badekleidung wiederum führt beim Verlassen des Beckens zu Wasserverlusten bis zu einem Liter.” Bei mehreren tausend Besuchern summiert sich diese Menge. Und Wasserverluste werden automatisch nachgefüllt und nachchloriert. Das kostet.

An vergangenen glutheißen Sommersonnentagen dürfte somit das Schwimmbecken - rein rechnerisch - halb leer gewesen sein. Allein am Samstag wurden 2500 und am Sonntag 3250 Badehungrige aus Übach-Palenberg, den Niederlanden und den Nachbarkommunen im Ü-Bad gezählt. Ob künftig weniger kommen? Das nächste Freibad in Herzogenrath-Merkstein ist nur 4,5 Kilometer entfernt. Dort sind die Badeshorts erlaubt - obwohl der Merksteiner Bademeister nicht leiser über den Wasserverlust und die Hygieneprobleme schimpft.
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