Geilenkirchen/Übach-Palenberg - B221n: In Grotenrath fürchtet man Verlust von Lebensqualität

B221n: In Grotenrath fürchtet man Verlust von Lebensqualität

Von: Markus Bienwald
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Die aktuelle Verkehrssituation in Scherpenseel ist mit täglich gut 11.000 Fahrzeugen schon dramatisch, könnte sich nach Fertigstellung des „Buitenrings“ auf niederländischer Seite noch verschärfen. Foto: Bienwald
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Grotenraths Ortsvorsteherin Resi Hensen fürchtet um die Ruhe in Grotenrath.

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Dass die derzeitige Verkehrssituation in Scherpenseel sich ändern muss, ist keine neue Erkenntnis. Täglich quälen sich mangels Alternative tausende Fahrzeuge – tagsüber auch der von 22 bis sechs Uhr nachts ausgesperrte Schwerlastverkehr – über die Heerlener Straße hinein in die Niederlande und zurück.

Das geht nicht nur zu Lasten der Straßen, der Sicherheit und der Anwohner, sondern auch der Nerven der Menschen, die täglich dort durch müssen.

Darum ist der Jubel über die Einstufung der sogenannten B221n in die höchste Prioritätsstufe im Bundesverkehrswegeplan 2030 von manchen Seiten her sicherlich verständlich. Da werden Schultern geklopft, da loben sich Kommunal- wie Bundespolitiker gleichermaßen.

„Ein guter Tag für den Südkreis Heinsberg“, nannte Übach-Palenbergs Bürgermeister Jungnitsch die Entscheidung für die Hochstufung der geplanten Strecke. Und Eric Geurts, der in der niederländischen Provinz Limburg für Verkehrsangelegenheiten zuständig ist, spricht „von einem wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer sicheren und vollwertigen Verbindung von Parkstad mit dem deutschen Hinterland“.

Die Parkstad ist eine Region mit 240.000 Einwohnern und umfasst ungefähr ganz Süd-Limburg auf niederländischer Seite. Bislang musste sich dort der Verkehr nach Deutschland über Nadelöhre wie das in Landgraaf und weiter nach Scherpenseel seinen Weg bahnen, eine Hauptverkehrsachse gibt es nicht, das ist zweifellos ein „missing link“ – zu deutsch: eine fehlende Verbindung.

Doch die aktuelle Entwurfsplanung, die sich dann vom Reeweg in Landgraaf über Abdissenbosch über die Grenze zwischen Scherpenseel und Grotenrath und ebenso dicht an Siepenbusch vorbei in Richtung Geilenkirchen zur bestehenden Anbindung über den Kreisverkehr an die B56 zieht, hat nicht nur Freunde. Das kann vor allem Resi Hensen als Ortsvorsteherin von Grotenrath bestätigen. „Wir sind total bestürzt“, sagt sie und meint damit die Menschen in Grotenrath. „Die schöne Natur, die Wohnqualität, die Gesundheit“, zählt Hensen nur drei Punkte auf, die im Dorf diskutiert werden, wenn es um die Straße geht. Das war schon immer so, die Grotenrather lehnen die Umgehung ab. „Nicht, weil sie die Entlastung für Scherpenseel nicht wollen, sondern weil sie Angst haben, dass es dann vorbei ist mit der Ruhe in Grotenrath“, sagt Hensen.

Gegen eine Entlastung von Scherpenseel richtet sich auch Resi Hensen nicht. „Aber es kann nicht sein, dass Scherpenseel entlastet und Grotenrath belastet wird“, sagt sie ausdrücklich. In das gleiche Horn stößt auch Ortsvorsteher Hans-Josef Paulus für Teveren. „Die Abstände müssen angemessen sein“, fordert er. Und er wünscht sich eine möglichst flächenschonende Linienführung, „schließlich ist das alles Ackerland“, so Paulus.

Einen anderen, positiven Aspekt findet er aber auch: „Geilenkirchen kann durch die Anbindung an den Buitenring nur profitieren“, sagt der Teverener. Ob die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Straßenanschlusses wirklich so kommen, stellt Resi Hensen indes in Frage. Sie denkt, dass es wohl anders herum leichter sein wird, für die Deutschen beispielsweise nach Heerlen oder weiter nach Maastricht zu fahren. Sie fragt sich aber auch, ob der Straßenbau wirklich nötig ist.

Mit dem Finger fährt sie über die Landkarte in der Grenzregion, als gebürtige Niederländerin weiß sie, wie die Menschen in ihrer Heimat ticken, als Bewohnerin Deutschlands weiß sie aber auch, was hierzulande so gedacht wird. „Vielleicht erübrigt sich ja eine Entlastung von Scherpenseel, wenn der Anschluss der B56n bei Janses Mattes in Heinsberg an die A46 kommt“, wirft sie ein. Es könne ja sein, spekuliert sie, dass sich die Verkehrsströme nach Fertigstellung der B56n mit Anschluss zur A46 ganz anders entwickeln.

Im gleichen Atemzug wünscht sie sich entsprechende Untersuchungen, wie sich der Verkehrsfluss dann auch in Scherpenseel darstellen könnte. „Denkbar ist, dass dies die neue Achse wird“, sagt Hensen vor dem Hintergrund, dass die Strecke der B56n, die von den Niederlanden durch den Selfkant und über Gangelter und Heinsberger Gebiet für 20.000 Fahrzeuge täglich ausgelegt wird. „Ob wir dann wirklich auf einer so kleinen Fläche zwei internationale Verbindungen brauchen werden, ist fraglich“, sagt sie.

Ob das nun Ausdruck ihrer von der Bevölkerung in Grotenrath an sie herangetragenen Angst vor einem zu dichten Heranrücken einer künftigen B221n an Grotenrath ist, oder ob sie denkt, dass sich künftige Verkehrsströme tatsächlich ändern, bleibt dahingestellt.

„Klar ist aber, dass die Straße so gebaut werden muss, dass sie im Einklang mit den umliegenden Ortschaften gebaut werden kann“, betont Geilenkirchens Bürgermeister Georg Schmitz auf Nachfrage unserer Zeitung. Er wünscht sich eine „einvernehmliche Lösung“, sieht die aktuelle Lage in Scherpenseel aber als „bedrohlich“ an. Wie bedrohlich der Verkehr dann wirklich für die Grotenrather werden könnte, muss derzeit offen bleiben. Dass sie aber Angst haben, dass ihr Straßendorf, das diese Bezeichnung bislang der langen Corneliusstraße verdankt, künftig an Wohnwert verlieren wird, steht fest. So ist der „missing link“ nicht für alle Anlieger auch eine Wunschlösung.

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