AWO-Kita Stadtmitte gehört zu ausgewählten Tagesstätten

Von: Wilfried Rhein
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Über Musik läuft ein Stück
Über Musik läuft ein Stück der Sprachbildung in der AWO-Tagesstätte Stadtmitte. Angela van den Elzen betreut dort das vom Bund authorisierte und finanzierte Förderungskonzept für die Kinder. Foto: Wilfried Rhein

Geilenkirchen. „Wir Tinderdarten dehen?” Ja, wenn es zu den anderen Stöpseln in der Kindergarten geht, sind die Kleinen kaum zu halten. Und es klingt so niedlich, wie sie sich manchmal ausdrücken. Obschon diese Sprache für die Zukunft des Kindes nicht tauglich ist.

„Ja, wir gehen in den Kindergarten”, sollte die Antwort von Mutter oder Vater lauten, rät Angela van den Elzen. Sie ist Logopädin, Sprecherzieherin, in der Kindertagesstätte Stadtmitte, eines der Arbeiterwohlfahrt-Familienzentren.

Diese Einrichtung gehört zu den bis zum kommenden Frühjahr 4000 ausgewählten Kitas bundesweit, die sich der Offensive „Frühe Chancen” anschließen wollten und teils im März vorigen Jahres begonnen haben, das in die Praxis umzusetzen.

Das Bundesfamilienministerium, finanzieller Träger des Projekts, schickt voraus: „Spracherwerb ist der Schlüssel für die Integration in das gesellschaftliche Leben und der Grundstein für den späteren Erfolg in Bildung und Beruf.” Studien hätten gezeigt, dass vor allem fehlende sprachliche Kompetenz bei Kindern den weitern Bildungsweg und damit den späteren Einstieg in den Beruf erheblich beeinträchtigen können.

Dass der Elementarbereich der Erziehung im Zentrum vieler Forschungen steht, bestätigt auch Ulla Sevenich-Matar. Sie ist Fachbereichsleiterin der Kinder- und Jugendhilfe beim Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Heinsberg. „Es geht um spezielle Methoden der Förderung auf einer anderen Ebene als der Schule”, erklärt sie den Projekt-Titel „Frühe Chancen”.

Die Anwendungen der neuen Qualität weichen allerdings gar nicht von den grundsätzlichen Zielen der Tagesstätten, hier der AWO-Kita Stadtmitte, ab. „Das Spiel ist die Voraussetzung für die Kulturtechniken”, nennt Ulla Sevenich-Matar Fertigkeiten wie Sprechen und Lese. Was Kinder dafür erfahren und erleben müssen, klappt am besten über die Freude am Spiel.

Denn „Sprache und Bewegung gehören zusammen”, argumentiert Ingrid Grein, die Leiterin der Kita Stadtmitte. „Die Kinder sollen ihre Erlebnisse finden und lernen, sich über die Sprache auszutauschen.” Dass der Kita Stadtmitte die Gelegenheit gegeben wird, die „Frühen Chancen” umzusetzen, ist für Ingrid Grein „eine hohe Anerkennung” des Hauses. Und die Möglichkeiten, die sich für ein besseres Sprachgefühl der Kinder dahinter verbergen, möchte sie allen interessierten Eltern in der Stadt anbieten (s. Kasten) und bittet zu diesen Informationstreffen.

Das Potenzial, das die AWO-Kita Geilenkirchen-Stadtmitte - die Kita „Traumland” in Hückelhoven ist im Kreis Heinsberg ebenfalls für „Frühe Chancen” erwählt worden - anbieten kann, soll sich „nachhaltig verankern” über die Tätigkeit der Erzieherinnen und dem Verständnis der Eltern, sagt Ulla Sevenich-Matar. Die 125 Kinder am Beamtenweg - 18 davon sind in der U3-Betreuung - kommen aus Familien 17 verschiedener Nationalitäten und entsprechend unterschiedlicher Strukturen.

Das heißt, dass die Auswahl-Kitas auch Erzieherinnen mit besonderen Voraussetzungen für diese Offensive einsetzen. Die Personalkosten in Geilenkirchen werden vom Ministerium mit 25000 Euro jährlich aufgefangen. Für das bis Ende 2014 ausgelegte Projekt hat der Bund rund 400 Millionen Euro in seinen Haushalt gestellt.

Die zusätzliche Fachkraft am beamtenweg ist Angela van den Elzen. Die junge Logopädin hat seit vorigen März ermittelt: Wer benötigt diese Förderung? Wer passt in welche Gruppe? Welches Kind ist geeigneter für die Einzeltherapie? Und das geschieht unauffällig. Musik, Basteln, ein paar Fingerspiele kommen zum Einsatz. „Alles soll sich wie im richtigen Alltag anfühlen”, sagt Angela van den Elzen, die sich durch alle Kita-Gruppen des Hauses bewegt.

Reden in allen Situationen

Dennoch braucht das System das Verständnis der Eltern. Mit ihnen spricht man in der Kita gern über die Absichten des Projekts, die nicht allein auf einen Migrationshintergrund abheben. Eltern sollen mit in die Therapie einbezogen sein, sollen in allen Situationen sprachlich begleiten, auch zu Hause.

Gerade dafür hat Angela van den Elzen gute Tipps ausgearbeitet, die sie bei den Elterntreffen weitergeben möchte: „Hören Sie Ihrem Kind aufmerksam zu, lassen Sie es ausreden, schauen Sie Ihr Kind dabei an”, rät die Logopädin. Und auch dazu, die Sprache vom Sprössling so anzunehmen, wie sie ist. Das Eingangsbeispiel vom „Tinderdarten” stammt von Angela van den Elzen. Dann sollten Eltern, ohne Kritik, das Gesagte korrekt und im ganzen Satz beantworten. Denn auch darauf freuen sich die Kleinen. „Ja, wir gehen in den Kindergarten...”
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