Geilenkirchen - Awacs sucht verschollenes Flugzeug

Awacs sucht verschollenes Flugzeug

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
Eine solche Maschine vom Typ C
Eine solche Maschine vom Typ C-130J „Hercules” der norwegischen Streitkräfte ist am höchsten Berg Schwedens zerschellt. Eine Geilenkirchener Awacs beteiligte sich an der Suchaktion.

Geilenkirchen. Örland, Mittelnorwegen: Die 25-köpfige Crew des Geilenkirchener Awacs-Flugzeuges hat für den Rest des Tages frei. Die Besatzung nimmt mit weiteren 16.000 Soldaten aus 14 Nationen an der Übung „Cold Response” teil.

An diesem besagten Tag, am Donnerstag, 15. März, soll die Geilenkirchener Maschine unter Leitung des Taktischen Direktors, Oberstleutnant Jelle Bode, im Rahmen dieser Übung eigentlich zu einem Flug nach Nordnorwegen starten. Doch die Mission wird gecancelt. Regen, Schnee und Sturm sorgen für schlechte Sicht.

Die Übung wird um 14 Uhr abgesagt. Um 17 Uhr erhält Jelle Bode einen Anruf aus dem norwegischen Hauptquartier: Eine Transportmaschine vom TypC-130J „Hercules” der norwegischen Luftstreitkräfte mit fünf Personen an Bord ist während der Übung vom Radar verschollen. Ein Absturz gilt als wahrscheinlich. Die Geilenkirchener Crew wird gebeten, sich an der Suche zu beteiligen.

„Da unser Flug an diesem Tag wegen der miserablen Wetterverhältnisse offiziell abgesagt war, konnte ich nur Freiwillige mitnehmen”, blickt der Niederländer zurück. 20 Frauen und Männer melden sich spontan für die Suchaktion. „16 Leute brauche ich für einen solchen Einsatz”, sagt Bode. Zwei Stunden später ist das Geilenkirchener Frühwarnflugzeug in der Luft. „23 Minuten später waren wir einsatzbereit. Radar, Computer- und Kommunikationssysteme liefen. So schnell waren wir noch nie. An Bord der Maschine waren aber fast alle Crewmitglieder Ausbilder”, erklärt der Taktische Direktor nicht ohne Stolz. Immerhin dauert das Hochfahren der Technik oft bis zu einer Stunde.

Die verschwundene „Hercules” der Königlichen Norwegischen Luftwaffe war auf dem Weg von Evenes in Norwegen nach Kiruna in Schweden. Etwa 90 Kilometer westlich von Kiruna war das Transportflugzeug von den Radarschirmen verschwunden.

Oberstleutnant Jelle Bode und seine Crew werden in das Einsatzgebiet geleitet. „Hier sah man nur Berge und Schnee”, sagt der Niederländer, der heute seinen 52. Geburtstag feiert. Im Zielgebiet angekommen, stoßen die Geilenkirchener auf mit modernsten Infrarot-Kameras ausgestattete F 16-Jäger, auf ein norwegisches Propellerflugzeug vom Typ P3 Orion, auf Rettungshubschrauber aus Dänemark, Schweden und Norwegen und auf eine amerikanische MC 130 mit Fallschirm-Rettern an Bord.

Jelle Bode und seine Crew beteiligen sich nicht nur an der Suche, sondern leiten Hubschrauber und Flugzeuge und sorgen für eine reibungslose Kommunikation in der Luft. Dabei ist der Niederländer in ständigem Kontakt mit dem norwegischen Hauptquartier. „Ich sollte von Norwegen aus suchen, wir konnten jedoch nicht genug sehen. Deshalb bat ich darum, die Suche von Schweden aus fortsetzen zu dürfen.”

Ein Aufklärungsflugzeug der Nato im Luftraum über dem neutralen Schweden: Diesem außergewöhnlichen Wunsch wurde innerhalb weniger Minuten entsprochen. „Ich durfte zwei Tage lang über Schweden fliegen, in allen Höhen, wo ich nur wollte, und arbeitete dabei hervorragend mit einer schwedischen Radarstation zusammen”, lobt Bode die Kooperation. „Die Zusammenarbeit mit den Schweden war so perfekt wie das Ineinandergreifen zweier Zahnräder”, zieht der niederländische Obsterstleutnant einen Vergleich.

In der Nacht zum Freitag kehrt die Awacs zum Flugplatz zurück. Ohne Ergebnis. Die Crew schläft. Am Freitagnachmittag geht es zurück nach Schweden, die Suche wird fortgesetzt. Alle 25 Crewmitglieder sind an Bord. Rettungskräfte versuchen derweil, am Boden zur vermuteten Absturzstelle vorzudringen. Doch es schneit in dieser Bergwelt unerbittlich weiter. Die Männer am Boden haben keine Chance und müssen aufgeben.

Auch von dem „emergency location transmitter”, dem Funksender an Bord der „Hercules”, sind keine Signale zu empfangen. Plötzlich entdecken Besatzungsmitglieder der P3 auf ihren Filmaufnahmen einen schwarzen Streifen auf dem Kebnekaise, mit 2111 Metern der höchste Berg Schwedens. Darunter wird eine niedergegangene Lawine mit undefinierbaren Teilen, Steine oder Flugzeugteile, sichtbar.

Spätere Untersuchungen ergeben, dass das Flugzeug mit einer Geschwindigkeit von über 500 Stundenkilometern in den Berg gerast und explodiert ist. „Das Flugzeug war nur wenige Meter zu tief”, sagt Bode betroffen.
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