Autorengruppe redet mit Menschen mit Behinderungen über „Heimat“

Von: Renate Kolodzey
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Autorin Renate Müller (am Tisch, r.) liest die Heimat-Geschichte von Carla Eggerath (am Tisch, 2. v. r.). Links im Bild Heinz Stoffels (Gitarre), Pascal Oster (Cajón) und Rainer Rauer (Gitarre), die den Abend musikalisch begleiteten. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen. „Unsere Aufgabe ist es, Menschen mit Behinderung im Alltag zu begleiten. Dabei ist das Thema ‚Heimat‘ immer präsent in verschiedenen Formen: Heimat suchen, finden, gestalten, bewahren, verlieren“, erklärt Adelheid Venghaus, Diplom-Sozialarbeiterin, und bei der Katharina Kasper ViaNobis GmbH im Bereich Kunst und Kultur tätig.

Georg Schmitz (nein, nicht unser Bürgermeister!), Diplom-Theologe und bei ViaNobis für Seelsorge und Ethik zuständig, ergänzt: „Im vergangen Jahr entstand die Idee, Klienten unserer Einrichtung mit der Wegberger Autorengruppe SiebenSchreiber zusammenzubringen. Wer mochte, konnte ihnen seine Heimatgefühle anvertrauen, die dann als Text festgehalten wurden, ohne dass man direkt auf die erzählenden Personen schließen konnte.“

So entstanden im Workshop „Heimat-Phantasien“ mit den SiebenSchreibern Peter Schmidt, Renate Müller, Inga Lücke und Anneliese Baatz authentische Geschichten, die nun einem breiten Publikum in Form einer Lesung vorgestellt werden sollten.

Venghaus und Schmitz begrüßten die Gäste im Haus Basten und bedankten sich bei der Stadt Geilenkirchen für das „unkomplizierte Überlassen des schönen Gebäudes“. Musikalisch umrahmten Heinz Stoffels, Rainer Rauer und Pascal Oster das Ereignis mit zum Thema passenden Melodien auf ihren Gitarren und Cajón.

Es ging los mit Autor Peter Schmidt und Arnold Apweiler. Dessen Geschichte handelt von einer Reise nach Russland, bei der er einer fremden Frau von seiner Heimat erzählt: „Da wohnen Menschen, die mich mögen!“ Autorin Inga Lücke und Heike Regener schildern die Erlebnisse einer Giraffe – ein Tier, in das sich Regener gerne verwandeln würde. Die Giraffe findet heraus: „Mein Zuhause ist dort, wo ich ernst genommen werde.“

Autorin Renate Müller verpackte das ihr von Carla Eggerath Anvertraute in die skurrile Lebensgeschichte einer Pflanze, die zu dem Ergebnis kommt: „Liebe ist Heimat!“ Autorin Anneliese Baatz verfasste hingegen für Martin Tymczuk einen bewegenden fiktiven Brief an dessen Bruder, in dem er seine Sehnsucht nach ihm ausdrückt: „Zwei Brüder vereint – das ist Heimat!“

Autor Schmidt hatte sich mit Gisela Okonski unterhalten und übermittelte einer imaginären Freundin eine Nachricht, in der sie von ihrer Wohngruppe erzählt, die „wie meine Familie“ ist. Autorin Lücke beschrieb, wie wohl sich auch Ingrid Heimes in ihrem Zuhause fühlt, das sie als ihre Heimat ansieht. Autorin Müller ließ dagegen das Leben von Helene Möhl Revue passieren, die zu der Einsicht gelangte: „Daheim ist, wo ich glücklich bin!“

Auch Jürgen Meerkötter ließ Autorin Lücke in sein Leben blicken und kam zu dem Resultat, wegen seiner vielen Reisen sei er „zu Hause in der ganzen Welt“. Bernd Oljenik schilderte wiederum Autor Schmidt seine Begegnung mit einem Bekannten, der ihn zur Party-Meile nach ‚Malle‘ locken wollte, doch Oljenik ließ ihn abblitzen und erklärte, er fühle sich viel wohler im beschaulichen Hückelhoven – seiner Heimat.

Interviewpartner Axel Perschon gab gegenüber Autor Schmidt zu, ein Stück Heimat verloren zu haben, als seine Oma und sein Vater starben und definiert Heimat heute als „dort, wo ich lebe und arbeite“. Marlon Ermler outete sich bei Autorin Müller als eingefleischter Fan eines Fußball-Clubs, der für ihn auch ein Stück Heimat bedeute.

Nach dem Verlesen der Geschichten resümierten die Autoren, dass ihnen der Workshop viel Freude bereitet habe – sie hätten ihn als „sinnvolles Schreiben“ empfunden, und die Zusammenarbeit mit den Teilnehmern sei berührend und inspirierend gewesen. Auch den Klienten hatte es gefallen, und Carla Eggerath aus Gangelt gestand: „Als ich den Text las, den Autorin Renate Müller über mich geschrieben hatte, kamen mir die Tränen. Ich lese ihn mir jeden Abend durch und schöpfe aus ihm viel Kraft!“

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