Geilenkirchen - Ausstellung in der Gesamtschule: „Der Weg zur Deutschen Einheit“

Ausstellung in der Gesamtschule: „Der Weg zur Deutschen Einheit“

Von: Renate Kolodzey
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Norbert Spinrath (l.) und Uwe Böken vor den Plakaten der Ausstellung. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen. „Freiheit“ – die bekannten Klänge des Liedes von Marius Müller-Westernhagen, mit denen er 1989 vor einem Meer aus Menschen die Herzen der Deutchen eroberte, standen am Anfang der Feier zur Eröffnung der Ausstellung „Der Weg zur Deutschen Einheit“.

Vorgetragen vom sogenannten Kleinen ALG-Schüler-Ensemble, unter Leitung von Maria Slagboom, stimmte die junge Truppe die Gäste gefühlvoll auf das Thema ein.

Schulleiter Uwe Böken bedankte sich und erinnerte an den Beginn des Widerstands gegen das SED-Regime im Herbst 1989, der im Oktober 1990 mit der Wiederlangung der Deutschen Einheit endete. Aus seiner Sicht begann dieser Prozess bereits 1949, als sich zwei deutsche Staaten mit genau entgegengesetzten Gesellschaftsordnungen auf den Nachkriegsweg machten.

Beide hätten die Forderung nach der Einheit in ihren Nationalhymnen besungen. Auch im Arbeiteraufstand der damaligen DDR am 17. Juni 1953 sei für das Ende der deutschen Teilung demonstriert worden, doch der Mauerbau 1961 habe alle Hoffnungen zunichte gemacht.

Es sei die Zeit seiner Kindheit gewesen, schilderte Böken, und die Existenz beider Staaten war für ihn Realität. Später, als Student, habe er den Ostteil Berlins besucht, und inzwischen spüre er dort gewaltige Veränderungen. Er schätze es, dass seine Kinder ohne innerdeutsche Grenze aufwachsen konnten, kaum glauben könne er allerdings, dass seit der Wiedervereinigung schon 25 Jahre vergangen seien.

Aus diesem Anlass sei eine außergewöhnliche Ausstellung zusammengestellt worden, und es freue ihn, sie im Rahmen des 25. Jubiläumsjahres der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule präsentieren zu können. Sein Dank galt allen, die ihren Beitrag hierzu geleistet hatten, allen voran Norbert Spinrath.

Der Bundestagsabgeordnete ergriff das Wort und erinnerte sich an den 9. November 1989, den Tag der Öffnung der Berliner Mauer, an dem er bis sechs Uhr morgens vor dem Fernseher gesessen habe, um die unglaublichen Geschehnisse zu verfolgen. 150.000 Menschen hätten in den Jahren zuvor versucht, zu fliehen, 40.000 seien erfolgreich gewesen, doch circa 1500 hätten den Fluchtversuch mit ihrem Leben bezahlt.

Spinrath lud die Besucher ein, auf 20 Plakaten Einblick in die ehemalige DDR und Bundesrepublik zu nehmen „um in Erinnerung zu halten, was damals geschah. Die Menschen wollten sich frei entscheiden, daher hatten sie so frenetisch gefeiert“. Auf den Plakaten könne man dies schön dargestellt sehen. Durch Verträge sei damals keine Freiheit erzielt worden – es sei das Volk selbst gewesen, das Mut zum Widerstand hatte.

Als europapolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und „Europäer im Herzen“ habe er diese Erlebnisse nie vergessen und fühle sich in den letzten Tagen durch die Flüchtlinge in diese Zeit zurückversetzt, denn auch sie wollten frei sein. „Ich finde es toll, wie groß die Hilfsbereitschaft hier in der Bevölkerung ist und danke Ihnen herzlich dafür“, äußerte er sich anerkennend.

Auf Nachfrage erfahren die Besucher später, dass die Ausstellung Spinrath in Berlin von der „Stiftung für die Deutsche Einheit“ angeboten wurde, und er sie gekauft hat, um sie in Schulen zeigen zu können. Auf jedem Plakat gibt es zusätzlich einen informativen Videohinweis für die Betrachter.

Die ehemalige Lehrerin Heidrun Gebel meinte bei ihrer Besichtigung: „Es ist wichtig, dass man so etwas Schülern zugänglich macht, denn oft kommt man im Jahresplan des Unterrichtsstoffes nicht bis zur Gegenwart.“ Eine weitere Besucherin und Zeugin dieser Zeit, Christine Galmon, lebte bis 1988 in Polen und weiß noch: „Die Leute hatten Angst, zu denken.“

Die Ausstellung „Der Weg zur Deutschen Einheit“ in der Aula der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, Pestalozzistraße 27, Geilenkirchen, ist bis zum 3. Oktober geöffnet. Bei Gruppenbesuchen bitte Terminabsprache telefonisch unter Telefon 02451/9807-0.

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