Ausstellung: Der rote Faden als Symbol des Zusammenhalts

Von: Markus Bienwald
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Musiker Norbert Laufer (l.) und Walter Verwoert schufen schon bei der Eröffnung der Ausstellung „Was unsere Gesellschaft zusammenhält“ ein Gesamtkunstwerk aus Bildern, Objekten, Gesagtem und Klang. Foto: Markus Bienwald
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Den Roten Faden zu seiner Kunst brachte Walter Verwoert bei seiner jüngsten Vernissage im Geilenkirchener Haus Basten selbst mit und unter die Gäste. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Wenn einer, gerade auch ein Künstler, sein achtes Lebensjahrzehnt vollendet hat, dann ist oft genug nur Zeit für eine Rückschau. Dass man längst Geschaffenes aber auch als Grundlage dazu nehmen kann, etwas ganz neu zu schaffen, zeigt nun der in Geilenkirchen lebende Künstler Walter Verwoert.

„Was unsere Gesellschaft zusammenhält“, ist seine jüngste Werkschau überschrieben, und dank des Vereins „GK Kulturgut!“ und der Stadt Geilenkirchen ist die außergewöhnliche Schaffenskraft und Sichtweise Verwoerts derzeit im Haus Basten zu begutachten.

Der Begriff Werkschau ist vielleicht schon zu konventionell, um das zu umschreiben, was ihn bewegt, was er bewegen will. Und das wurde schon bei der Vernissage mehr als deutlich.

So gab es nicht den sonst scheinbar festgemauerten Ablauf einer Kunsteröffnung. Reden wurden zwar gehalten, da lobte beispielsweise Geilenkirchens stellvertretender Bürgermeister Leo Kuhn die Vielfalt dessen, was Walter Verwoert als Beuys-Schüler schafft. Kuhn freute sich auch, dass Verwoert damit als Geilenkirchener auch überregional erfolgreich war.

Und natürlich gab es auch eine Begrüßung durch Henriette Echghi-Ghamsari, der Vorsitzenden des Vereins. Deren Aufgabe war es aber nicht nur, die Menschen zu begrüßen, sondern gleich auch überzuleiten zu einer Performance, die so nur dem genialen Geiste Verwoerts entspringen kann.

Denn gemeinsam mit seinem Freund, Musiker und Komponisten Norbert Laufer entwickelte Verwoert ein Happening, das die Gäste vielleicht nicht erwartet hätten. Oben auf dem improvisierten Podium las Laufer Häppchen aus James Joyces Jahrtausendwerk „Ulysses“.

Passend zum Soundtrack des Lebens des im Roman geschilderten Protagonisten, untermalten sphärische, teils sperrige und nie lieblich ins Ohr gegossene Kompositionen das Gesagte. Gefangen in Worten und Tönen entwickelte der „Innere Monolog“, der „Ulysses“ zum Meilenstein der Literaturgeschichte macht, seine Spannung.

Und so wurde sich die Zeit genommen, die exzellent aufeinander abgestimmten Worte zu genießen, die zu einem Rhythmus wurden, der alle rund 50 Gäste gleichsam gefangen nahm.

Und während Worte und Töne von Joyce und Norbert Laufer sich ins Gehirn wanden, suchte Walter Verwoert nicht etwa die Abgeschiedenheit der eigenen Gedanken auf. Vielmehr ließ er einen zunächst aufgewickelten roten Faden durch die Besucher wandern.

Der Faden umschlang sie, nahm sie ein, und machte sie so zum Teil der Kunst Verwoerts.

Und der hatte damit den Sprung von seiner eigenen Kunst, die sich streng geometrisch mit der Zahl „Vier“ beschäftigt aber auch um simple Objekte wie Tür- und Schrankbeschläge dreht, zum Gesamtkunstwerk gemacht.

Der rote Faden als bildlich umgesetztes Sprichwort und Symbol des Zusammenhalts in der Gesellschaft half, diese Kunst zu verstehen: Herz- und Kreuzformen, dazu verschiedene Klangelemente, die in der expressiven wie improvisierten und immer avantgardistischen Kunst Verwoerts nicht fehlen dürfen, rundeten das Bild ab.

Auf welche Kunst man nun den Fokus lege – ob nun zweidimensional wie die Bilder oder auch dreidimensional wie Objekte – blieb dabei ganz dem Betrachter überlassen.

Und so wurde auch die Ausstellung anlässlich des schon einige Zeit zurückliegenden 80. Geburtstags von Walter Verwoert zu einer immerwährenden Auseinandersetzung mit der Kunst, auf die man sich noch einige Wochen lang im Haus Basten einlassen kann.

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