Ausstellung der „GK Kulturgut!“: Papier verknüpft Realität und Gefühlswelt

Von: Markus Bienwald
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Gleich 14 Künstler des Kollektivs „GK Kulturgut!“ zeigen derzeit bei ihrer Jahresausstellung im Geilenkirchener Haus Basten ihre Arbeiten zum Thema „Papier“. Ganz unterschiedliche Stile werden präsentiert. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Als die Vorsitzende des Vereins „GK Kulturgut!“, Henriette Echghi-Ghamsari, bei der Vernissage der neuen Ausstellung „Papier“ im Geilenkirchener Haus Basten ihre einführenden Worte sagen will, passiert das, was man sich nicht passender hätte ausdenken können: Ihr Computer streikt.

Nicht nur die zahlreich erschienenen Gäste müssen da schmunzeln, auch die Rednerin selbst nutzt diese mehr als passende Vorlage: „Ohne Papier könnten wir uns das Leben trotz Computer nicht vorstellen“. Dass die moderne Kultur ihre Gründung auch dem Umgang mit Papier zu verdanken hat, sagt die Vorsitzende auch, und dass Papier sich nicht nur über die Jahrhunderte verbreitet, sondern „uns auch in allen Dingen begleitet hat“.

Was sich nun alles mit dem Medium, dem nicht umsonst das Prädikat „geduldig“ zugeschrieben wird, machen lässt, das zeigen die Beiträge von insgesamt 14 Künstlern des Vereins. So formte Herbert Aretz eine Papiercollage „Wüstenstadt“, die mit eindrucksvollen Kontrasten und einer bewusst eingefügten Schwarz-Weiß-Zeichnung die Blicke auf sich zieht.

Die Vorsitzende Henriette Echghi-Ghamsari entwarf und fertigte kunstvolle Papierfiguren, die aus Fetzenpapier in Gruppen oder einzeln die individuellen Charaktere jedes Menschen widerspiegeln. Walter Verwoert schließlich entzog der Ziffer „4“ ihren stehenden Fuß und ordnete die so entstandenen, drei- bis vieleckig wirkenden Objekte in gleichen Briefhüllen-Vorlagen immer wieder neu an, und schuf so eine neue Grafik mit bekannten Anklängen.

Der Vielfalt eine Stimme zu geben, das oblag auch bei dieser Jahresausstellung des Künstlerkollektivs der Aachener Kunsthistorikerin Alexandra Simon-Tönges. „Papier als künstlerisches Material ist uns weniger geläufig, wobei es aufgrund seiner Vielseitigkeit und Formbarkeit und als Stoff mit langer kulturgeschichtlicher Tradition ein ideales Material für ambitioniertes Gestalten ist“, erklärte sie. Das hörte sicherlich auch Erika Giegla gerne, die mit ihrer Ausarbeitung einer papiernen Darstellung der Sozialisation des Menschen bei der Ausstellung dabei ist. Willi Arlt schuf den „Befleckten Engel“, eine kunstvolle Papierstatue, die das Ideal des reinen Engels mit der Realität verknüpft.

Realität und Gefühle verknüpft Ferydoun Echghi-Ghamsari in seiner papiernen Weltkugel, die den vielsagenden Titel „Lass doch einmal Deine Gefühle zu“ in Farbkontrasten und Texten zur Entdeckungsreise werden lässt.

Da passten die Gedanken von Alexandra Simon-Tönges ganz hervorragend ins Konzept. „Papier bietet ungeahnte Möglichkeiten der Bearbeitung und des Ausdrucks“, so die Expertin. Beeindruckende Belege dafür liefert auch Joep Albertz, der mit einer zweiteiligen Cut-Out-Arbeit Durchblicke zugleich zuließ und verhinderte. Friedel Heeg widmete sich auf seinem Werk der schlagenden Verbindung zweier uralter Handwerke: dem Genuss von Wein und dem Schöpfen von Papier. Wie Schatten sich werfen lassen, illustriert Dragica Philipp mit ihrem Werk „Dialog“.

Als Dialog sah auch Alexandra Simon-Tönges die Ausstellung. Denn durch die Wandlungsfähigkeit des ursprünglichen Werkstoffes würde einer Unzahl künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten Tür und Tor geöffnet. Eine Einladung zu einer künstlerischen Zerreißprobe spricht hierbei Nada Reinhardt aus, die ihr bewusst vielschichtiges und dreidimensionales Werk mit Formen, Schatten und Lichtspielen zeigt. Wiltrud Laser-Mauder bringt mit der „Femme Fatale“ nicht nur ein plastisches Porträt an den Start, sondern zeigt auch in der Technik der Bildhauerei mit verbranntem Papier einen interessanten Ansatz. Karin Mailandt-Ritterbecks bringt in ihrer bildhaften, teils fotorealistischen Collage die „Enthüllung der Offenbarung“ in die Köpfe der Menschen.

Vielseitig und mehrdeutig

Streifen und neue Formen, wie zufällig sezierte Farben und noch viel mehr holt Karin Thiel aus der Tageszeitung von gestern heraus, bei der auch unsere Zeitung eine Papier gewordene Hauptrolle einnehmen darf. Und Horst Zocher zielt schließlich mit seinem in einen Papierkorb gefassten Wortspiel „Wasted Papier – Paper Waste“ auf die Vielseitigkeit und Mehrdeutigkeit des Mediums ab.

Bürgermeister Georg Schmitz, der sich bei der Vernissage mit neuer Frisur zeigte, rang dem Medium, auf dem er auch lange Zeit zu lesen war, noch weitere Eigenschaften ab. „Es ist nachhaltig, vielseitig anwendbar, flexibel zu verarbeiten und einfach zu besorgen“, schloss er. Wer sich davon inspirieren lassen will, was die Künstler in ihrer Jahresausstellung alles aus diesem nur scheinbar einfachen Material schufen, kann dies noch bis einschließlich Sonntag, 12. Februar, im Haus Basten an der Konrad-Adenauer-Straße 118, Eingang Friedlandplatz, tun.

Die Öffnungszeiten sind jeweils donnerstags von 16 bis 19 Uhr, sowie sonntags von 14 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Ein Katalog ist dank der Unterstützung der Kreissparkasse Heinsberg erhältlich.

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