Außergewöhnliches Schulprojekt in Ausstellung gezeigt

Von: Markus Bienwald
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Bürgermeister Georg Schmitz, Schulleiter Uwe Böken und Filialdirektor Armin Pennartz sowie Schüler und Lehrer bei der Eröffnung der Ausstellung „Gemeinsam Erinnern“ in der Kreissparkasse Geilenkirchen. Foto: Markus Bienwald
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Die eindrucksvolle Ausstellung von Schülern der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule zog schon bei der Eröffnung viele interessierte Blicke auf sich.

Geilenkirchen. An der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule gibt es einen Teil des Schulprogramms, der so in der Region einzigartig ist. Seit 2011 ermöglichen die Stiftung „Erinnern Ermöglichen“ aus Düsseldorf und der schuleigene Förderverein der Jahrgangsstufe Neun den Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz, des ehemaligen jüdischen Ghettos und der Fabrik von Schindler.

Die fünftägigen Studienfahrten sind für die Schüler eine eindrucksvolle und bewegende Chance, sich der Geschichte zu stellen, und vor allem eigene, sehr intensive Eindrücke zu gewinnen. In der Ausstellung „Gemeinsam Erinnern“ in der Kreissparkasse Geilenkirchen an der Konrad-Adenauer-Straße sind nun künstlerische Eindrücke von Schülern der Gesamtschule zu sehen, die sie aus verschiedenen Inspirationsquellen gewonnen und als Nachbereitung der Projektfahrt umgesetzt haben.

Ohne erhobenen Zeigefinger

Grabsteine sind zu sehen, stilisierte Personen, Skizzen von menschlichen Gesichtern, Malereien, Fotos und auch eine Videoschleife. Im Vorfeld des 71. Jahrestages der Befreiung des Lagers Auschwitz am 27. Januar ist die Ausstellung als ein Teil der Erinnerungsarbeit gedacht. „Stets war es uns wichtig, dies nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu tun, denn es ist unsere feste Überzeugung, dass die nachwachsenden Generationen keine Erbschuld aufgeladen bekommen haben, dass sie sich aber sehr wohl heute schuldig machen können, wenn sie das Geschehene ignorieren, leugnen oder aber nicht dazu beitragen, dass sich ähnliche Vorgänge nicht wiederholen können“, betonte Schulleiter Uwe Böken.

Dass Auschwitz und Birkenau Orte sind, die für das Grauen des NS-Regimes stehen, zugleich zur Erinnerung und Mahnung dienen, machte auch Filialdirektor Armin Pennartz klar. „Für uns, die wir seit Jahrzehnten in Frieden und Freiheit leben können, gilt es, sich konkret mit den Ereignissen des 20. Jahrhunderts zu beschäftigen, die viele Wunden hinterlassen haben“, forderte er.

Einen sehr persönlichen Blick auf die Fahrt nach Auschwitz konnte er anfügen: Pennartz‘ Sohn – Schüler der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule – wollte zunächst nicht mitfahren, weil er glaube, dass er das Gesehene nicht verarbeiten könne. „Je intensiver die Vorbereitungen und das sich Auseinandersetzen mit diesem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte wurde, desto weniger fest stand diese Entscheidung“, berichtete der Mann von der Sparkasse. Letztlich ist der Sohn doch mitgefahren und berichtete nach seiner Rückkehr von historisch relevanten Erfahrungen, die er für sich als besonders wertvoll und prägend definierte.

Keinen Erinnerungskult machen

Von den Erlebnissen der Schüler auf der Fahrt bekamen die mehr als 100 Gäste einen Eindruck, als sich mehrere Lehrer und der Koordinator der Geilenkirchener „Initiative Erinnern“, Lehrer Hans Bruckschen, in sehr persönlichen Worten äußerten. „Wir dürfen keinen Kult aus der Erinnerung machen“, so Bruckschen, der sich vielmehr für einen gemeinsamen, aktiven Weg der Erinnerung einsetzte, wie er beispielsweise mit der Verlegung der Stolpersteine oder der Begehung des Gedenktages möglich sei.

Die Ausstellung, die noch bis einschließlich 29. Januar während der normalen Öffnungszeiten der Filialdirektion Geilenkirchen zu sehen ist, gehört zu dieser Erinnerungsarbeit dazu.

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