Außergewöhnliche Unterrichtseinheit für alle Realschüler im Schulzentrum

Von: Wilfried Rhein
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„Christian sagt...“, kündigt Motivationstrainer Bischoff (r.) an, wenn er etwas vormacht. Das exakt in Körpersprache zu kopieren, gehört zu den Konzentrationsübungen mit dem Publikum, mit denen man unter anderem eine individuelle Erfolgspyramide bauen kann. Foto: Wilfried Rhein
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Wie beim Kinderspiel lassen sich die Realschüler auf die Tests ein, die unter anderem ihr Selbstvertrauen fördern sollen.

Übach-Palenberg. Die Frage war provokant und richtete sich ausschließlich an die Jungs. „Bist du sexy?“, rief Christian Bischoff forsch in die Aula hinein. Natürlich fliegen die Arme hoch. Ein breites „Jaaa“ kommt dem Coach entgegen. Christian Bischoff kennt die Reaktionen. Auch, dass einige der Mädchen kichern. Und er erklärt: „Genau die Antwort habe ich vor einiger Zeit schon mal bekommen. Da saß aber gerade die Freundin neben dem ,sexy‘ Jungen und hat den gefragt: ,Bist du sicher?‘“

Prima Laune im Publikum, mehr als 500 Realschüler, etliche Lehrer, einige Eltern. Christian Bischoff lag in der Spur. Wie, also, kann man sich über etwas sicher sein? Wie ist das, wenn man Ziele hat, Träume und Wünsche? Kann man sie erreichen, sicher? Die ersten Schritte dorthin bestehen aus Selbstdisziplin, Konzentration, Respekt, Selbstvertrauen. So prägt es Christian Bischoff den jungen Leuten ein. Manchmal spielerisch, manchmal in lauter Kulisse.

Das alles auf der Bühne in der großen Aula des Schulzentrums im Südwesten der Stadt – die Idee von Realschulleiter Hans Heinrichs ist realisiert. Er fand im vorigen Jahr eine Information über den Mentaltrainer mit der außergewöhnlichen Vergangenheit. Christian Bischoff war, beispielweise, mit 16 Jahren der jüngste Bundesligaspieler im Basketball, war Teilnehmer zweier Europameisterschaften mit der Juniorennationalmannschaft, spielte mit 17 zusammen mit Dirk Novitzki, probierte es mit 18 Jahren in seinem Sport in den USA – und musste mit 19 nach einer Rückenverletzung das Ende seiner Basketball-Karriere zur Kenntnis nehmen. Auch mit dem Job als Bundesligatrainer, da war er 25, wurde ihm kein Glück beschieden.

Kreis von 400 Schulen

Jetzt, mit 36 Jahren, gilt der gebürtige Gießener als Motivations-Spezialist oder, wie Christian Bischoff in seinem Profil beschreibt, „Mentaltrainer und Life-Coach“, der auch mit namhaften weltweit operierenden Konzernen zusammenarbeitet. Dazu pflegt er inzwischen einem Kooperationskreis mit rund 400 Schulen, darunter in Aachen-Brand.

Hans Heinrichs weiß, dass „Schule“ in heutiger Zeit vielfältige Konkurrenz hat. Zum Fernsehen kommen noch die sozialen Netzwerke. „Ein Besuch von Christian Bischoff bei uns war für mich die Voraussetzung für eine andere Art der Kommunikation“, erklärt Hans Heinrichs. Der Kontakt führte schnell zum Termin am Dienstag, denn der jetzt im Chiemgau beheimatete Coach kam für den Vormittag aus dem belgischen Hasselt, wo er für einen Glasverarbeiter Seminare gab.

Der Ton vor den Realschülern in Übach-Palenberg ist da anders. „Ich möchte bei den jungen Menschen Selbstvertrauen schaffen“, sagt der 36-Jährige mit dem roten Stirnband, seinem Namens- und Markenzeichen. „Die Schüler sollen an sich selbst glauben, ihre Zielstrebigkeit verbessern.“ Christian Bischoff verbindet das vor den rund 500 Zwölf- bis 17-Jährigen mit einer Strategie, die auch beim Lernen hilft.

Der Motivationstrainer spielte mit den Leuten in der Aula. „Christian sagt...“ klingt ähnlich wie der Inhalt des poppigen Songs „Simon Says“ aus den späten 1960er Jahren, in dem es um die exakte Bewegung von Armen und Händen am Körper geht. Wer patzte, schied aus, behielt aber sein Grinsen. Nach ein paar Minuten stand nur noch einer: Domenico aus der 6. Klasse. Dafür gab es Beifall, aber auch für den Vormacher selbst. Er fesselte sein junges Publikum mit feinem Witz, kannte dessen Sprache und ließ es auch mal aufspringen und sich umarmen – was nichts anderes war als eine Pause von der Konzentration.

Ganz praktische Dinge gab es auch, denn die 10er Schüler stehen schließlich „vor dem Endspurt“, wie Hans Heinrichs formulierte. Wie lange soll ein Handschlag dauern, wie ist das mit dem Blickkontakt? Wenn man seinen Namen nennt, soll das deutlich geschehen. Wie bei dem Beispiel im Film: „,Ich heiße Bond‘“, spielt Christian Bischoff vor, „,James Bond‘. Daran könnt ihr denken.“ Die Jungs haben es begriffen. Sie reißen die Arme hoch – „Jaaa“. Ein paar Mädchen kichern.

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