Ausgefallene Kostümideen und beschwingte Weihnachtsklänge

Von: Johannes Gottwald
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Die Big Band „Jazzliv(f)e” gastierte nicht nur mit ausgefallenen Kostümideen, sondern auch mit entspannten, beschwingten Weihnachtsklängen unter der Leitung von Rainer Tegtmeyer in der Aula der Musikschule in Marienberg. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Die „Jazzy Christmas” der Kreismusikschule Heinsberg hat sich mittlerweiler zu einem echten Publikumsrenner in der Vorweihnachtszeit gemausert. Rainer Tegtmeyer, seines Zeichens Leiter der Big Band „Jazzlife”, konnte sich jetzt sogar über einen Rekordbesuch freuen.

Rund hundert Zuhörer hatten sich im Foyer der Übach-Palenberger Musikschule eingefunden, um dem Konzert am Vorabend des 1. Advents beizuwohnen.

„Jingle bells”

Diesmal hatten die Musiker auch kleidungsmäßig für das nötige Ambiente gesorgt. Sie trugen Nikolausmützen, Rentiergeweihe, Heiligenscheine und alles Mögliche, was sonst zu einer amerikanischen Weihnacht dazugehört. „Jingle bells” bildete den schwungvollen Auftakt des Abends. Allerdings musste man bei dem Posaunen-Solo von Christoph Arzt schon genau hinhören, um die bekannte Melodie zu erkennen, denn sie wurde von den Begleitstimmen harmonisch interessant verfremdet.

Auch bei dem eher besinnlichen „Have yourself a merry little Christmas” traten mit Elmar Schlebusch (Flügelhorn) und Artur Schäfer zwei Solisten hervor. Das Programm wurde jedoch auch durch weihnachtliche Texte und Gedichte aufgelockert, die von Theo Ortenstein vorgetragen wurden. Das erste Gedicht nahm Bezug auf die Schattenseiten von Glitzer und Glamour in den adventlichen Geschäftsstraßen. Hier wird Weihnachten zum reinen Konsum-rauschfest degradiert, dessen ursprünglicher Sinn den Menschen mehr und mehr abhanden kommt.

Trompeten-Solo

Laut einer Umfrage halten mittlerweile viele Bundesbürger das Weihnachtsevangelium für ein Märchen der Gebrüder Grimm.

Weiter ging es mit „White Christmas”, wo Rebekka Hesse zu ihrem ersten gesanglichen Auftritt kam.

Mit kraftvoll-rauer, aber niemals schriller Stimme passte sie sich vorzüglich dem Tonfall des amerikanischen Schlagers an. Auch Hauke Pelzer brachte hier ein schönes Trompeten-Solo an, ebenso wusste Hermann Gendrisch im nachfolgenden „Silver bells” am Klavier zu glänzen.

Während der Jazz sonst gerne barocke Werke (vor allem von Bach) aufgreift und in neue rhythmische und harmonische Gewänder kleidet, konnte man beim „Nußknacker-Swing” eine eigenwillige Version „frei nach Tschaikowsky” genießen, wobei Theo und Annemie Ortenstein sowie Bernhard Barwinski die Instrumentalsoli übernahmen. Und anschließend lud die köstliche Satire „Karriereknick beim Krippenspiel” zum Schmunzeln ein - sie zeigte, wohin es führt, wenn Eltern ihre Kinder über Gebühr zu protegieren versuchen.

Mit „Santa claus is coming to town” brachte die Band „Jazzlife” dann einen der bekanntesten amerikanischen Weihnachtsschlager zu Gehör. „Blue Christmas” zog sehr bedächtig vorüber, während in „Santa baby” (kurzfristig noch ins Programm genommen) Rebekka Hesse nochmals Kostproben ihrer brillianten Stimme geben konnte. Das Gedicht „Der Bratwurstbrauch” berichtete dann von einem total verunglückten Weihnachtsessen.

War Bratwurst und Sauerkraut schon von vorneherein keine gute Idee für Weihnachten, brennt beides auch noch an, während sich Vater und Mutter um die Gestaltung der Weihnachtskrippe zanken. Zum Schluss werden die Überreste dann an den Hund verfüttert, der nach dem Genuss das Zeitliche segnet. Da bleibt am Ende nur noch das Fazit: Bratwurst zu Weihnachten ist ungesund!

Glühwein zum Ausklang

Nach den relativ knapp gehaltenen Stücken „I heard the bells” und „The Christmas song” kam nochmals ein Gesangssolist zum Einsatz: Markus Roesich gestaltete in „Last Christmas” mit klangvollem Bariton seine Partie auf sehr ansprechende Weise.

Nach dem letzten Gedicht „Wie schön ist doch die Weihnachtszeit”, einer Parodie auf den alljährlich auftretenden Weihnachtsstress, liefen die Musiker unter dem temperamentvollen Dirigat von Rainer Tegtmeyer dann nochmals zu Hochform auf. „Let it snow”, das südamerikanisch-temperamentvolle „Feliz navidad” und schließlich die gefühlsseligen Klänge von „O Christmas tree” bildeten den krönenden Abschluss der „Jazzy Christmas” 2010.

Und nachdem Dirigent, Musiker und Solisten den verdienten Applaus entgegengenommen hatten, gab es - passend zur Jahreszeit - für alle Akteure und Besucher heißen Glühwein zum geselligen Ausklang des Abends.
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