Waldfeucht-Bocket - Aus schlichtem Holz entsteht die heilige Familie

Aus schlichtem Holz entsteht die heilige Familie

Von: a.s.
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In diesem Jahr auch mit eigener Krippe: Hans Zaunbrecher aus Waldfeucht-Bocket zaubert aus einfachem Holz lebendig wirkende Figuren. Foto: Andrea Schever

Waldfeucht-Bocket. Das Metall schiebt sich in das Holz, bewegt sich nach vorne und ein weiterer Span fällt auf den Boden, hin zu größeren und kleineren. Zug um Zug, mit jeder der geübten Handbewegungen, die Hans Zaunbrecher macht, wird seine Vorstellung plastisch umgesetzt. An Hans Zaunbrecher denken zur Zeit viele Leute in der Umgebung, die einen wichtigen Teil der Weihnachtsdekoration aufstellen: die Krippe.

Der Holzschnitzer aus Bocket schnitzte nämlich bereits viele Male die kleine Familienszene, die ihren Platz in einem hölzernen Stall findet und beglückte damit Jung wie Alt. Die verschiedenen Klingen und Scharber, um das Holz in Form zu bringen, nimmt er schon seit fast 35 Jahren in die Hände. „Im Urlaub, im Bayrischen Wald“, erzählt er, habe er das erste Mal eine Figur aus dem Holz geformt. Als er dann nach Hause zurückkam, nahm er Kontakt zu Kurt Preuß aus Stahe auf. Bei dem Bildhauer ging er in eine Art „private Kunstausbildung“, einfach so aus Freude an der Sache, ohne das Ziel etwas Offizielles in den Händen zu halten. „Titel sind für mich unnötig, das Handwerk musst du einfach können.“

Mit seinem erlangten handwerklichen Können wendet sich der Pensionär seitdem hauptsächlich religiösen Figuren zu. Am häufigsten werden die Mutter Gottes und natürlich Josef, Maria und Jesuskind bei ihm in Auftrag gegeben, gefolgt von verschiedenen Schutzpatronen.

Dazu kommen dann die Tiere. Ob Schaft, Esel, Ochse oder Kuh - der Krippenstall muss ja schließlich gefüllt werden. Bei der Gestaltung des schutzbietenden Stalles ist der Schnitzer, der seine Leidenschaft fast zu einem Beruf ausgearbeitet hat, dann wieder sehr sorgsam: Er orientiert sich anhand von Abbildungen an den Bauweisen in Jerusalem und Umgebung zur Zeit Jesu. Wenn die Krippe dann etwas größer werden darf, entstehen auch noch authentische Stadtmauern, durch die dann später die Figuren der drei heiligen Könige schreiten dürfen. „Die meisten“, die bei dem Künstler eine Krippe kaufen, so erzählt er, „fangen mit den drei Grundfiguren an und holen sich dann in den Folgejahren erst immer noch etwas dazu, also Ochse, Esel und Schafe, vielleicht dann noch Hirten.“

Ein Highlight in seinem jahrelangen Schaffen war sicher auch die im vergangenen Jahr fertig gestellte heilige Magdalena. Die fast lebensgroße Figur hatte er zusammen mit einem angehenden Schnitzer über mehrere Monate für die St. Marys Metropolitan Cathedral in Edinburgh angefertigt und dann letztendlich nach dort überführt. Doch trotz ihrer Größe war sie nur eine „Nummer“ auf seiner Liste der geschnitzten Figurenarrangements, die gegewärtig um die 230 Stück umfasst.

In den vergangenen Jahres passierte es auch schon ein paar Mal, dass er vor Weihnachten nur noch ein Schaf und den Stall übrig hatte, wenn er von Handwerkermärkten zurückkam. „Wenn die Nachfrage da ist und ich halt nur noch die Figuren da habe . . .“, erklärt er mit einem Lachen das mehrfach wiedergekehrte Problem. Da habe es dann auch schon mal Unstimmigkeiten mit seiner Frau gegeben. Man mag sich wundern, warum jedoch immer wieder das selbe Schaf unverkauft blieb: „Das ist das erste Schäfchen, das ich geschnitzt habe“, erklärt er und dreht das kleine Holztier gefühlvoll in seinen Händen.

Doch in diesem Jahr hat er es einmal geschafft, einen bestückten Stall für sich zu behalten – da kann das Fest ja kommen.

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