Geilenkirchen - Aus Ghana in die Teverener Sturmspitze

Aus Ghana in die Teverener Sturmspitze

Von: Markus Bienwald
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Die erste Reihe ist für Nkhasa „Willi“ Williams (vo., 2.v.l.) und Prince Opoku (vo., r.) reserviert, worüber sich nicht nur die Mannschaftskollegen der „Zweiten“ von Germania Teveren, sondern auch die Trainer Walter Marienfeld (8.v.l.) und Jens Klett (vo., 2.v.r.) freuen. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Sie kommen zu Fuß und mit dem Rad zum Fußballplatz. Und ihre Fußballschuhe sehen vor dem Training immer aus wie neu. Wenn Willi und Prince dann mit ihren Vereinskollegen von Germania Teveren auf dem Platz stehen, dann sind sie Teil des Teams.

Dabei haben Nkasah Williams und Prince Opoku, beide 29 und aus Ghana, nicht nur den kurzen Weg von der Fliegerhorstsiedlung in Teveren hinter sich, wenn sie zum Training kommen. Sondern eine Odyssee, die sich ihre Mannschaftskameraden gar nicht so wirklich vorstellen können.

„Aber das muss auch nicht sein, denn hier geht es darum, gemeinsam zu trainieren und als Team zu spielen, so Walter Marienfeld, der seit fast 20 Jahren als Trainer in Teveren am Spielfeldrand steht.

Natürlich hat er schon einige Fußballbegeisterte gesehen in seinem Leben als Trainingsleiter, doch diese beiden Afrikaner haben es ihm wirklich angetan. „Die sind sehr beweglich und sehr athletisch“, sagt auch Trainerkollege Jens Klett über die Fähigkeiten von Williams und Opoku.

Das mit den Namen ist übrigens ganz schnell gegangen, da bildeten auch die Neuzugänge bei der Zweiten Mannschaft der Germania keine Ausnahme im Vergleich zu anderen Teams, die sich in unserer Region dem lokalen Fußball verschrieben haben. „Die Jungs haben damit gar kein Problem“, versichert Walter Marienfeld.

Auch die Sprachbarriere wird zusehends kleiner, hier helfen Sprachkurse genau so wie der Trainings- und Spielbetrieb der Fußballer. „Bei den Pausenansprachen verstehen die vielleicht nicht jedes Wort“, sagt Jens Klett. „Aber die Gesichtsausdrücke der Trainer sprechen ja ohnehin Bände“, ergänzt Walter Marienfeld.

Und so haben sich Williams und Opoku bestens integriert, das ist aber nicht nur dem Fußball zu verdanken. „Hier haben Gero Ronneberger und seine Kurse mit 30 Flüchtlingen dafür gesorgt, dass sie sich gut in Deutschland zurecht finden“, so Marienfeld weiter.

Für Integration auf dem sportlichen Gebiet stehen übrigens nicht nur die Aktiven auf dem Platz, sondern alle im Verein und auch Ortsvorsteher Hans-Josef Paulus seien schon seit vielen Jahren Garanten dafür, dass Integration funktioniert. „Wir sind ja in direkter Nähe zur Nato-Airbase, da haben wir schon viele Leute einfach über den Verein integriert“, so Jens Klett.

Fragt man Williams und Opoku, wie sie es hier bei den Teverener Kickern finden, dann gibt es kurze, aber klare Antworten und strahlende Gesichtern. „Ich liebe Fußball“, sagt Opoku. Und er pflegt seine Ausrüstung, die ihm vom Verein und den Mannschaftskollegen gestiftet wurde, genauso wie Williams. „Ich freue mich, dass ich etwas tun kann, was mir Spaß macht“, ergänzt der.

Und schon stürmen beide aufs Feld, sind Teil des Teams, trainieren mit und haben Spaß. Auf eins freut sich das Teverener Trainerduo übrigens schon genauso wie die Zuschauer beim nächsten Heimspiel. „Willi hat letztens sein erstes Tor geschossen“, erzählt Walter Marienfeld, „und anschließend gab es einen sehenswerten Torjubel-Tanz, der allen viel Spaß gemacht hat“.

Und das ist auch gut so, finden beide, denn dank der offiziellen Duldung, die recht zügig erteilt wurde, haben Willi und Prince nicht nur ihre Spitznamen, sondern auch einen Spielerpass und damit die Spielerlaubnis.

Ganz so wie ihre deutschen Mannschaftskameraden eben. Und sie werden vielleicht nicht alleine bleiben. „Wir haben noch ein paar im Zulauf und warten ab, was noch so kommt“, freut sich Walter Marienfeld schon jetzt auf die nächsten Flüchtlinge.

Die passenden Rufnamen werden dann sicherlich auch schnell gefunden sein, das weiß er schon jetzt.

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