Geilenkirchen - Aus für Einkaufszentrum: Suche nach neuem Investor

Aus für Einkaufszentrum: Suche nach neuem Investor

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
zentrum-bu
Was passiert mit dem Gelände des Alt-Extras? Nach dem Aus für das neue Einkaufszentrum stellt sich diese Frage aufs Neue? Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Nachdem am Dienstagnachmittag die Nachricht, dass der Traum vom Shopping-Center wie eine Seifenblase geplatzt ist, wie eine Bombe in Geilenkirchen eingeschlagen ist, gab am Mittwoch die Immobilien-Treuhand-Gesellschaft (ITG) Düsseldorf zum Ausstieg aus dem 32-Millionen-Projekt Bürgermeister Andreas Borghorst eine Stellungnahme über die Beweggründe ab.

In vielen Monaten intensiver Bemühungen sei es nicht gelungen, das erforderliche Grundstücksareal verfügbar zu machen. Unabhängig davon habe die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Monaten den Expansionswillen verschiedener überregional tätiger Handelsunternehmen gebremst, die sich ursprünglich in Geilenkirchen niederlassen wollten. „Somit stehen wesentliche Ankermieter, über die ein Einkaufszentrum verfügen muss, derzeit nicht mehr zur Verfügung”, begründet Hans Rogalski für die ITG den Ausstieg.

Auch eine zwischenzeitlich geplante kleine Lösung lasse sich nicht umsetzen, „sodass wir dieses Vorhaben nicht weiter verfolgen werden”. Bei Borghorst bedankte sich Rogolski für „hohes persönliches Engagement”.

In der Entscheidung der ITG sieht Borghorst einen „herben Rückschlag” für Geilenkirchen. „Dieser Rückschlag ist um so bitterer für uns, weil Rat und Verwaltung nach Kräften die Voraussetzungen geschaffen haben, das Projekt zu verwirklichen.” Allerdings sei er bereits auf intensiver Suche nach einem neuen Investor. Gespräche laufen schon seit Wochen. „Denn es soll kein Stillstand eintreten.”

Derweil zeigte sich CDU-Fraktionschef Wilhelm-Josef Wolff vollkommen „überrascht” von dieser Entscheidung. „Jetzt kann es nur darum gehen, mit möglichen anderen Investoren Gespräche zu führen”, blickt er in die Zukunft.

Er weiß aber auch: „Das wirtschaftliche Umfeld im Handel ist alles andere als gut. Es sieht nicht rosig aus.” Die Stadt werde alle denkbaren Schritte unternehmen, um jedem Investor die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen. Allerdings müsste ein solches Einkaufszentrum wirtschaftlich betrieben werden. „Und da hat man als Stadt keinen Einfluss.”

„Geilenkirchen wird sich sicher davon nicht so schnell erholen”, befürchtet SPD-Fraktionschef Horst-Eberhard Hoffmann. Dabei wirft Hoffmann aber auch einige Fragen auf: „Warum musste sich der Planungs- und Entscheidungsprozess so lange hinziehen? Insgesamt 31 Pläne musste der Investor nach seiner Aussage zeichnen lassen, bis alle Anwohner und Eigentümer befriedigt waren, oder auch nicht, wie in einem Fall berichtet wird.” Hoffmann fragt weiter: „Gab es keinen Verantwortlichen in dieser Stadt, der bereit war, den Knoten zu durchschlagen? Eigentlich Chefsache.”

Die Aussage des Investors, dass er vom Rat und der Verwaltung bestens unterstützt wurde und alle Entscheidungen im Rat einstimmig waren, tröste nicht darüber hinweg, dass es wohl Mitbürger gebe, die ihr Eigeninteresse über das Wohl der Stadt gestellt hätten. FDP-Fraktionschef Manfred Solenski hatte schon seit dem 1. April „ein beklemmendes Gefühl”, war aber dennoch optimistisch. „Die Wirtschaftskrise hat den Investor und uns erwischt. Jetzt können wir nur auf einen neuen Investor hoffen.

Denn der Schandfleck Alt-Extra muss weg!” Für Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden war diese Entwicklung „abzusehen”. Er erklärt: „Es war ein Abschied auf Raten. Was bleibt, ist, dass Geilenkirchen die Nachwirkungen noch viele Jahre zu spüren bekommt. Jetzt haben wir nicht nur den Schandfleck Alt-Extra, sondern auch alle damit verbundenen Leerstände auf der Konrad-Adenauer-Straße.” Hier müsse man sich fragen, wer die Verantwortung trägt.

Denn: „Der Investor stellt nicht seine Geschäftstätigkeiten ein, sondern verabschiedet sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von unattraktiven Objekten.” Benden übt Kritik: „Wir haben schon immer gesagt: Wirtschaftsförderung muss in Geilenkirchen Chefsache sein. Das ist nicht der Fall. Bürgermeister Borghorst hat hierfür die Verantwortung zu übernehmen und zu erklären, warum vieles in den Nachbarkommunen geht und in Geilenkirchen nicht.”

Christian Kravanja, Fraktionschef der Bürgerliste, bedauert sehr, dass das Einkaufszentrum nicht verwirklicht wird. „Wer hierfür letztendlich die Verantwortung trägt, wird in den nächsten Wochen zu klären sein”, erklärt er. Und weiter: „Fest steht jedenfalls, dass die CDU trotz mahnender Anzeichen zu früh den Erfolg gefeiert hat.”

Rüdiger Strübig, Vorsitzender des Geilenkirchener Aktionskreises, sah in dem geplanten Einkaufszentrum den „Strohhalm, an den sich alle geklammert haben”. Strübig: „Das ist für uns ein Tiefschlag. Unsere Visionen und Hoffnungen gehen den Bach runter.” Geilenkirchen habe weiter an Qualität verloren und werde im Wettbewerb mit anderen Städten weiter im Abwärtstrend sein.

Es sei zu untersuchen, wo im Verfahren Fehler gemacht worden seien. „Jetzt müssen wir erst recht die Kräfte bündeln und nach vorne schauen.” Die Geschäftswelt müsse hinsichtlich der Ladenöffnungszeiten und gemeinsamer Beteiligung an Veranstaltungen an einem Strang ziehen. Und man müsse, so der Aktionskreis-Vorsitzende, deutlich ein konzertiertes Stadtmarketing im Auge behalten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert