Aus der Bewegung zum neuen Wort finden

Von: Wilfried Rhein
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Sprachförderung auch durch Bewegung: Erziehrin Miriam Supplie in der Kita Jahnstraße. Am Samstag können sich Interessierte informieren.

Geilenkirchen. Erklären, was man gerade macht. Mit deutlichen Worten schildern, was vor den Augen des Kindes geschieht, was sich wie bewegt. Das ist ein pädagogisches Konzept, das Kindertagesstätten in der Region zurzeit intensiv pflegen. Wie „Sprache und Bewegung“, so der Titel, harmonieren, zeigen die Kitas der Arbeiterwohlfahrt (Mittelrhein) am kommenden Samstag Eltern und allen am Thema Interessierten.

Solche Offenen Bildungstage pflegt die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in ihren Einrichtungen jedes Jahr, „aber stets orientiert an kindlichenBedürfnissen“, sagt Beate Meyer, Leiterin der Kindertagesstätte im AWO-Familienzentrum Jahnstraße. Alltägliche pädagogische Arbeit vorzustellen ist auch Ziel dieses Angebots, das – vor allem im Elternhaus – zum Nachmachen animieren soll.

„Oft sind es die kleinen Sachen, die nachhaltig wirken können“, weiß Beate Meyer aus ihrer Erfahrung. Es gehe um einen „Aufforderungscharakter“, da Kinder Erlebtes auch selbst ausprobieren möchten. Dafür einen „roten Faden“ zu liefern, sei ein Ziel des Thementags. Wichtig sei, erläutert Miriam Supplie, Erzieherin in der Kita und zudem in der Ausbildung zur Heilpraktikerin, dass für die Kinder Selbstbildungsprozesse angestoßen würden.

Wie das „Begreifen“ bei Kindern auch vom „Greifen“ komme, so hängen auch Sprache und Bewegung eng zusammen. „Alles wird mit Sprache begleitet“, betont Beate Meyer, „das einfache Wickeln des Kleinkinds kann man schon mit Worten erfüllen.“ Denn Sprache gleicht der Körpersprache, ergänzt Miriam Supplie, da „reden“ auch die Gefühle mit. Die kann ein Kind ordnen, wenn ihm spontan gesagt wird, was geschieht.

Das kann zum Ausbau des Wortschatzes beitragen, wissen die Erzieherinnen in der Jahnstraße, in deren Tagesstätte 13 Kräfte 89 Kinder betreuen, von denen zwölf unter drei Jahre Lebensalter sind. Allgemein sind „Auffälligkeiten“ unverkennbar, berichtet Beate Meyer, viele Begriffe sind den Kindern unbekannt, Wortbeugungen werden falsch angewendet. „Erfahrungen mit dem Vokabular können nicht nur über – bebilderte – Bücher weitergegeben werden“, so die Kita-Leiterin.

Dass die Kinder immer weniger Sprachgewandtheit aus den Familien mitbringen, sei ein erkennbar gesellschaftliches Problem, erläutert Beate Meyer, das sich klassisch im Zeitmangel vieler Eltern äußert. „Das heißt nicht“, stellt Beate Meyer klar, „dass Eltern überfordert sein müssen. Ursache sind meist die Lebensumstände oder berufliche Anforderungen.“

Der Thementag „Sprache und Bewegung“ möchte Hilfen geben, die Sinne der Kinder zu intensivieren. Am Beispiel der Kita Jahnstraße werden am Samstag alle vier Gruppen ihre Räume öffnen, um zu zeigen, was man alles „nachmachen“ kann. Ein Beispiel: der Parcours für „Sehende“ im Paar mit einem Kind, dessen Augen verbunden sind. Dabei geht es weder um Eleganz noch um Schnelligkeit, betonen die Erzieherinnen. Da gibt es spannende Erklärungen zum Weg: „Es soll Freude machen, ohne jeden Leistungsdruck.“

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