Aus den Kulissen der Theater an die Staffelei

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Ein Bild zum Thema „Sucht” gehört zu den aktuellen Arbeiten des Birgdener Künstlers Willi Wagels. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Birgden. Das Haus der Familie Wagels in der Gaterstraße ist voller Kunstwerke, an der Fensterfront außergewöhnlich gestaltet, und der Garten bietet tausend Blickfänge. Ein kreativer Geist ist hier am Werke. In seinem Garten möchte Willi Wagels auch am Sonntag, 25. September, in der Zeit von 10 bis 19 Uhr interessierten Besuchern einen Überblick über sein künstlerisches Schaffen aus rund 20 Jahren geben.

„Vor vielen Jahren habe ich auf dem Kunsthandwerkermarkt in Aachen eine Frau malen sehen”, erinnert sich der heute fast 75-Jährige. Das habe ihn begeistert, das habe den Ausschlag gegeben, selber kreativ in die Malerei einzusteigen. Kunstinteressiert sei er immer gewesen, erzählt der ehemalige Bautechniker. Aber er unterscheidet deutlich zwischen dem, was er neben der Berufstätigkeit als „ein bisschen Kunsthandwerk” betrieben hat und der Zeit, als er sich „kreativ mit der Malerei” zu beschäftigen begann.

Das war die Zeit nach dem Renteneintritt. Eigentlich hatte er gehofft, den Absprung von der „trockenen” Bautechnik hin zur Theaterbühne zu schaffen. Nicht als Schauspieler, der er auch einmal war, sondern als Bühnenbauer. Als langjähriger Vorsitzender und Regisseur bei der „Dorfbühne Birgden” habe ihm der Bühnenbau immer besondere Freude bereitet. So trat er als 40-Jähriger an, machte eine Schreinerlehre, die Voraussetzung für die Arbeit als Bühnenbauer war, und absolvierte ein Praktikum am Stadttheater Krefeld. Gerne hätte er hier weiter gemacht. Es wurde aber Personal abgebaut statt eingestellt, und so führte er seinen alten Beruf weiter.

Lang ist die Liste der Seminare und Fortbildungen im künstlerischen Umfeld, die er besucht hat, darunter Ausbildungen in Fotografie, Bleiverglasung und -verarbeitung - bis hin zu Malen in Acryl und Aquarell. Im Grunde konzentriert er sich seit Jahren auf die beiden letztgenannten Arbeitsweisen. In vielen Bildern zeigt sich der „individuelle Wagels”. Er sieht irgendwo eine Szene, malt aus der Erinnerung oder lässt einfach der Fantasie freien Lauf.


Das ausgerechnet „Kunst und Genuss” ihn zu religiösen Motiven bringen sollte, setzt das Wissen voraus, dass Pfarrer Gottfried Graaff einmal eine solche Reihe im Gangelter Pfarrheim angeboten hatte, die wiederum für Willi Wagels den Anstoß zu einer solchen Motivserie gab. Ist es provokant, ein Bild „Jahr 33, Zeit den Sohn zu opfern”, zu nennen? Es habe zu Missverständnissen geführt, erinnert sich der Künstler. Man sieht Toscana-Landschaft - nicht im klassischen Licht, sondern vielschichtig, man muss zweimal hinschauen. Eine Gruppe Menschen, schemenhaft dargestellt, auf der Suche nach etwas vor einem blauen Horizont. Dann eine Stadtansicht in Aquarelltechnik; viele der Sehenswürdigkeiten Roms auf einem Bild. „Das hätte ich schon oft verkaufen können”, erinnert er sich. „Ich habe es aber für meine Frau Maria gemalt und gebe es nicht her!”

Nachdenklich machend ein Bild zum Thema „Sucht”. Ein Mann, eine Frau, Alkohol, Drogen, stehen Rücken an Rücken, ein Riss im Bild. Darüber eine Hand, von der man nicht weiß, wem sie gehört. Die Hand versucht zu kitten.

Ironisch wirkt ein Bild, das zum Thema Bewegung - eine Arbeitsaufgabe in seiner Künstlergruppe - gehört. Weit ist der Weg des Bandes über Umlenkrollen auf der Leinwand. Doch die jeweils vordere Figur in einer seilziehenden Gruppe, die irgendwie an Wilhelm-Busch-Zeichnungen erinnern, steht mit der Nase fast am Bildrand. Wie weit ist da Bewegung möglich?

„Man kann sich mit meinen Bildern beschäftigen”, lacht Willi Wagels. Es ist ihm lieber, wenn die Leute nicht fragen, „was will uns der Künstler damit sagen”, sondern sich ihre eigene Meinung bilden, selber schauen. „Der Austausch danach”, sagt der Maler, „ist dann spannend.”

Willi Wagels hat das Birgdener Dorfleben über Jahre mitgeprägt. Ob Dorfbühne, Pfadfinder, Aktionskreis oder Gemeinderat, stets hat er sich mit andern für die Gemeinschaft engagiert.

Einzelgänger ist er jedoch bei den Karnevalsumzügen. Da sieht man den vierfachen Vater und achtfachen Großvater immer nur alleine. Als „Hahn im Korb”, „Wellensittichvertreter” oder „Tandem für Einzelfahrer”, kommt auch hier der Künstler durch.

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