Übach-Palenberg - Aufklärungsunterricht im Carolus-Magnus-Gymnasium

Aufklärungsunterricht im Carolus-Magnus-Gymnasium

Von: Andrea Schever
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In entspannter Atmosphäre, oh
In entspannter Atmosphäre, ohne Kommentare der „Jungs”, erfahren die Mädchen der 8. Klasse von Lisa Ermer (r.), angehende Sozialpädagogin, vieles über Liebe, Partnerschaft und Sexualität. Foto: Andrea Schever

Übach-Palenberg. Wenns ans Eingemachte geht, sind Lehrer doch nicht immer die ersten Ansprechpartner. Das ist am Carolus-Magnus-Gymnasium nicht nur den Schülerinnen und Schülern bewusst.

Auch Biologie-Lehrer Markus Köhler weiß, dass Themen wie Pubertät, Freundschaft, Partnerschaft und Sexualität fachlich zwar im Unterricht vermittelt werden können, eine persönliche Ebene jedoch von den Jugendlichen meist gemieden wird.

„Den Schülerinnen und Schülern ist dabei sehr bewusst”, sagt der Pädagoge, „dass die Person, mit der sie intime Dinge besprechen sollen, sie unter Umständen noch viele Jahre unterrichten wird, beziehungsweise ihnen ständig im Schulgebäude begegnet.”

Um diese Hemmschwelle und das dadurch mögliche Nichtbeantworten von später einmal wichtigen Fragen gar nicht erst aufkommen zu lassen, hat Markus Köhler bereits vor einigen Jahren Kontakt zum Verein „donum vitae” (Geschenk des Lebens) in Heinsberg aufgenommen. Der von Laien gegründete Verein berät in ganz Deutschland Frauen, aber auch Paare während und nach der Schwangerschaft.

Darüber hinaus kümmern sich die Sexualpädagogen auch um die Aufklärung von Jugendlichen. Ins Carolus-Magnus-Gymnasium kamen in der vergangenen Wochen Lisa Ermer, angehende Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin, sowie Frank Giesen, Sexualpädagoge, um den Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen in all den Themen, die über den Lehrplans-Stoff des Biologie-Unterrichts hinausgehen, Informationen, aber auch konkrete Antworten an die Hand zu geben.

„Wir wollen die Jugendlichen da abholen, wo sie sind”, erklärt Frank Giesen die auf den Wissens- und Interessenstand abgestimmte Vorgehensweise. Nach Geschlechtern getrennt wird in lockerer und eben nicht unterrichtstypischer Runde über all das persönliche gesprochen, was ein Jugendlicher nicht unbedingt einen Lehrer fragen würde. „Die Jugendlichen sehen uns nur ein mal, können uns mit Problemen und Fragen zuwerfen und sehen uns nach der Antwort nie mehr wieder.”

Dass es dabei jedoch noch um mehr geht als um Sexualkunde, erklärt Lisa Ermer: „Wir sprechen auch über Partnerschaft und Rollenverständnisse. Häufig sind die Mädchen auch froh, bei solchen Themen auch mal von den Jungen getrennt zu sein, wobei es sie teilweise auch interessiert, wie die andere Seite wohl über ein bestimmtes Thema denken würde.”

Der grobe thematische Rahmen für die über eine Doppelstunde organisierte Gesprächsrunde steht zwar fest, doch die Referenten sind immer auch offen für weitere Fragen. Es bestehe weder eine Pflicht, so Lisa Ermer, Fragen zu stellen noch Antworten zu geben, was manche Jugendlichen erwarteten. Es geht nicht darum, eine Note für Wissen zu erhalten, sondern für sein späteres Leben mehr als die Anatomie zu lernen.

Dass dieses Konzept bei den Schülerinnen und Schülern gut ankommt, wird beim regelmäßigen Reflektieren klar. Und damit diese Möglichkeit den Schülerinnen und Schülern geboten werden kann, ist der Förderkreis der Schule bereit, die Lektion des offenen und ungezwungen Lernens zu finanzieren.
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