Auf nach Westkapelle: Schüler der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule mit Bewohnern des Franziskusheims

Von: Georg Schmitz
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Ein Gefühl von Fernweh verlie
Ein Gefühl von Fernweh verlieh der lange Steg ins Meer im niederländischen Westkapelle auch den Gästen aus Geilenkirchen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Fünf Tage haben acht Bewohner des Franziskusheimes sowie acht Schülerinnen und Schüler der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule eine gemeinsame Ferienfreizeit in den Niederlanden verbracht.

Westkapelle an der Nordsee war das Ziel der Gruppe, die von Diplom Sozial-Pädagogin Claudia Sonnenschein, drei Pflegekräften und Gesamtschullehrer Karl-Gerd Steffens begleitet wurde. Gefördert durch das Bundesprogramm „Toleranz fördern - Kompetenz stärken” konnte die Ferienfahrt gebührenfrei angeboten werden.

Die Stadt Geilenkirchen hatte sich erfolgreich für das Bundesprogramm beworben, so dass für einen Zeitraum von drei Jahren entsprechende Fördermittel zur Verfügung stehen.

Zahlreiche Maßnahmen sind unter dem Dach von „Toleranz fördern - Kompetenz stärken” auch in Geilenkirchen bereits abgewickelt worden, so nun auch die Ferienfreizeit in Westkapelle. Das gemeinsame Projekt „Jung & Alt - Lernort Altenheim” des Franziskusheimes und der Gesamtschule hatte bundesweit Lob und Anerkennung erlangt, wurde mit Auszeichnungen bedacht.

Das beispielhafte Projekt führt zu einem generationenübergreifenden Austausch und fördert das aktive Miteinander von Jung und Alt, hieß es. Die Schüler sollen sich mit der Lebenssituation alter und pflegebedürftiger Menschen auseinandersetzen und im täglichen Umgang mit den Senioren zur Förderung eigenen Sozialverhaltens Anstöße bekommen.

Jeden Mittwoch besuchen Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule mit ihrem Lehrer Karl-Gerd Steffens die Senioren im Altenheim. Karl-Gerd Steffens hat den „Lernort Altenheim” vor 19 Jahren mit ins Leben gerufen und begleitet die einzelnen Maßnahmen bis heute.

„Wir haben gemeinsam schon zahlreiche Tagesausflüge oder Spaziergänge unternommen und mit den Bewohnern des Franziskusheimes viel erlebt”, sagt der Pädagoge. Bei den rund dreistündigen Treffen werde gespielt, vorgelesen, gebacken oder einfach nur geredet. Die Seniorinnen und Senioren genießen diese Ansprachen durch die junge Generation, beide Seiten würden viel voneinander lernen. Ein positiver Effekt sei zudem, dass die Schüler an Pflegeberufe herangeführt würden.

Die Projektschüler Wiktoria Adamski (12), Ronja Reulen (12), Melanie Suchan (12), Inka Baron (17), Melanie Bernhard (17), Christina Heutz (18), Marc Reyans (17) und Tim Zährer (17) hatten sich zu Beginn der vergangenen Woche mit den acht Heimbewohnern im Alter von 60 bis 87 und den pädagogischen Kräften Claudia Sonnenschein, Conny Konheiser, Matthias Deckers und Detlef Hunscha in Richtung Westkapelle auf den Weg gemacht.

„Nach etwas mehr als dreistündiger Fahrt konnten wir hier die erste frische Meeresluft genießen”, erzählt Harald Hartenstein. Der 64-Jährige ist Vorsitzender des Heimbeirates und hatte sich auf die Fahrt nach Holland gefreut.

„Zuerst haben wir die Umgebung erkundet und lecker Eis gegessen”, blickt Harald Hartenstein zurück. Jung wie Alt waren im Ferienhaus „Duinzicht” (Dünensicht) nur etwa 100 Meter von dem großen Leuchtturm, einem Wahrzeichen von Westkapelle, einquartiert. Das Haus ist barrierefrei hergerichtet und verfügt über alle Annehmlichkeiten, die Menschen mit Gehbehinderung benötigen.

Der Strand, rund einen Kilometer entfernt, wurde inklusive Strandcafé am zweiten Tag erkundet. Am Mittwochmorgen standen Gesellschaftsspiele auf dem Plan, denn der Regen erlaubte keinen Ausflug in die Umgebung.

Nachmittags bummelten die Geilenkirchener durch das historische Städtchen Middelburg und bekamen so schöne Eindrücke von der Lebensweise der Niederländer. Am Donnerstag kam „hoher Besuch” aus Geilenkirchen. Alfons Nickels, Geschäftsführer der Franziskusheim gGmbH, Finanzbuchhalter Andreas Seidler und Chefkoch Frank Niggemann hatten Schnitzel, Grillwurst und Salate für den späten Nachmittag mitgebracht.

Gemeinsam machten sich am nächsten Morgen alle auf den Weg zum Strand, wobei die jungen Menschen die älteren bei der Hand nahmen oder im Rollstuhl schoben.

Der Umgang miteinander erwies sich als sehr herzlich und die Verständigung über die Altersgrenze hinweg vorbildlich. Das galt auch für die Versorgung mit Sonnenschutzmittel, denn die Sonne brannte erbarmungslos.

Am kilometerlangen Strand von Westkapelle angekommen, sahen die Heimbewohner einem Dutzend Angler auf dem Steg beim Fischen zu, träumten vor der Kulisse vorbeifahrender Schiffe von fernen Ländern. „Zwischen unseren Schülern und den Heimbewohnern entsteht eine intensive Art von Nähe”, sagt Karl-Gerd Steffens, und Inka Baron bestätigt: „Es baut sich im Laufe der Zeit eine sehr persönliche Beziehung auf.”

Die Sechserklassen bieten der Einstieg in die Franziskusheim AG, und die Kontakte ziehen sich zumeist über mehrere Jahre. Auch über die Schulzeit hinaus besuchen noch ehemalige Schüler des Projektes ihre befreundeten Seniorinnen oder Senioren um Franziskusheim.

Harald Hartenstein lobt die „jungen Wilden” als einmalig und hat nicht nur seinen Erfahrensschatz weitergegeben, sondern auch von den Jugendlichen gelernt, deren lockere Umgangsart miteinander zu akzeptieren. Am Abend vor der Heimreise schnappte sich Marc Reyans seine Gitarre und sang mit Melanie Bernhard ein paar Abschiedslieder.
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