Auf die Krise folgt der künstlerische Erfolg

Von: Eva Kehmer
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Im Gespräch: Künstler Herman
Im Gespräch: Künstler Hermann-Josef Mispelbaum und Kunsthistoriker Josef Gülpers. Foto: Kehmer

Übach-Palenberg. Krisen und künstlerische Erfolge ziehen sich durch das Leben von Hermann-Josef Mispelbaum, dessen Kunstwerke der letzten 40 Jahre bis Sonntag teilweise im Schloss Zweibrüggen bewundert werden konnten. Anlass zu dieser Ausstellung war die Auszeichnung mit dem Kulturpreis der Stadt Übach-Palenberg.

Wer Lust und Zeit hatte, konnte zusätzlich in einem Künstlergespräch zwischen Josef Gülpers und Mispelbaum mehr über seinen prekären Lebensweg erfahren.

Hedwig Klee, Vorsitzende des Künstlerforums Schloss Zweibrüggen, begrüßte die Gäste zum Gespräch zwischen dem Kunsthistoriker und dem Künstler. Gülpers, ein langjähriger Freund von Mispelbaum, fragte zunächst nach dem Einfluss des Nationalsozialismus auf Mispelbaum, der 1944 in Übach-Palenberg geboren wurde. Als Einzelkind behütet aufgewachsen, habe ihn die NS-Zeit erst in den 60er Jahren, mit dem Beginn der Studentenbewegung, interessiert; jedoch habe es ihn sehr geprägt, dass er seinen Vater erst mit drei Jahren kennenlernte. „Diese Zeit war ein Gemisch aus Grauen und Liebe”, so der Künstler.

Mispelbaum machte eine Lehre zum Maler und Anstreicher, um später den Betrieb seines Vaters zu übernehmen. Freischaffender Künstler war jedoch damals schon sein Ziel, doch die Reaktion eines damaligen Berufschullehrers sei eine einzige niederschmetternde Frage gewesen: „Willst du hungern?” Sein Vorbild sei damals der Onkel gewesen. Als Pastor und Mitglied in mehreren Verbindungen habe er oft internationalen Besuch gehabt. Mispelbaum erinnerte sich: „Das waren einfach spannende Abende mit Niveau.” Geprägt habe ihn auch ein Buch mit impressionistischen Bildern. Erstmals habe er zahlreiche neue Künstler kennengelernt und habe begonnen, die Bilder zu kopieren. Zufrieden sei er damit nicht gewesen, deshalb habe er die Kopien mit einem Kohlestift bearbeitet, um „daraus etwas Eigenes zu machen”. Und die Suche nach dem Individuellen habe sich als Herausforderung erwiesen. Ende der 60er ging er auf die Werkkunstschule in Aachen. „Hier wollten fast alle freie Künstler werden, doch die Berufschancen sahen schlecht aus.”

Hier traf Mispelbaum auf Ernst Wille, der ihn später dazu ermutigte, freie Kunst an der Kunstakademie in Düsseldorf zu studieren. Hier wiederum traf der Übach-Palenberger auf Rupprecht Geiger, sein Professor, der schnell merkte, dass Mispelbaum weiter war als die anderen, und ihn förderte. Immer noch auf der Suche nach Einzigartigkeit begann Mispelbaum die Farben in seinen Bildern zu negieren. Schließlich erhielt er ein Stipendium der Kunstakademie Düsseldorf.

Später dozierte er in der Kunstakademie und erhielt den Förderpreis für Bildende Kunst der Stadt Düsseldorf.

Menschenbild, Tod und Krankheit

Schließlich durchlebte Mispelbaum nach eigenen Angaben eine länger andauernde Krise. Diese Zeit, so sagte er im Gespräch im Schloss Zweibrüggen, war vielleicht sogar notwendig, um ihm einen Impuls zu geben. So erhielt er 1990 den Villa-Romana-Preis und musste sich nun weniger Sorgen um seine finanzielle Lage machen. Skulpturen beherrschten in dieser Zeit seine Arbeit. Themen waren das Menschenbild, Tod, Krankheit, aber auch Humor und Ironie. „Bilder sollten ein Rätsel haben”, so die Meinung der Künstlers.

Erst seit er selbst entscheiden könne, was er malen oder zeichnen wolle und marktunabhängig sei, nehme er sich selbst als echten Künstler wahr. „Ich fühlte mich das erste Mal richtig frei”, räumte Hermann-Josef Mispelbaum mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein.
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